Genthin l 30 Tage auf dem Wasser unterwegs war Stephan Horch vom Clean River Project. Im Kajak paddelte er von Koblenz nach Berlin. 750 Kilometer durch sechs Bundesländer. Das Clean River Project ist ein gemeinnütziges Umwelt-, Kunst- und Bildungsprojekt, das sich für saubere Flüsse und Meere einsetzt und die Plastikmüllverschmutzung durch aktives Aufräumen der Gewässer und Aufklärung senken möchte.

Plastik im Alltag überall

Der Hintergrund der Aktionen ist äußerst ernst. Weltweit werden jährlich etwa 322 Millionen Tonnen Kunststoff produziert und verbraucht. Davon allein mehr als zwölf Millionen in Deutschland. Plastik begleitet den Menschen mittlerweile überall im Alltag – als Tragebeutel, Umverpackung, Flaschen oder Becher. Wenn sie ausgedient haben, landet ein Großteil der Dinge den Gewässern.

Immense Berge von Müll haben Horch und seine Helfer aus dem Wasser gefischt. „Insgesamt haben sich über 100 Kajakfahrer aus unterschiedlichen Vereinen angeschlossen. Bei unseren Aufräum-Events in Koblenz, Köln, Düsseldorf, Oberhausen, Hannover, Magdeburg und Berlin kamen über 300 Freiwillige um insgesamt 45.000 Liter Müll aus unseren Gewässern zu sammeln.“ Bei der Tagesetappe von Burg nach Genthin wurde Stephan Horch durch drei Kanuten des SV Chemie Genthin begleitet. „Lukas Schulz vom Genthiner Kanuverein hatte spontan die Idee, dem Initiator entgegenzupaddeln“, berichtete Kanu-Trainerin Anja Schulz. Lukas fand unter seinen Vereinskameraden mit Ole und Janes Hering zwei Mitstreiter.

Bilder

Flaschen, Folien und mehr Müll

Erstaunliche Erkenntnis für die Paddler: „Die Strecke wirkt im ersten Eindruck sauber, doch bei genauem Hinschauen findet man wie überall Plastikmüll.“ Folien, Coffee-to-go-Becher, PET-Flaschen, Softdrinktüten und viele weitere Plastikprodukte.

„Skurrile Fundstücke haben wir auf der Strecke auch eingesammelt“, erläutert Stephan Horch. So sei etwa ein Gartensprinkler auf diesem Abschnitt sehr ungewöhnlich, nennt der Projektinitiator ein Beispiel. Die Fundstücke stehen zusammen mit anderen im Wasser aufgefundenen Gegenständen noch bis zum 22. September in der Fotokunstausstellung in Berlin, Holzmarkt 25. Die Tour war letztlich aber nicht nur von der Sorge um die Umwelt geprägt, sondern auch vom Blick auf die Natur.

Naturnahe Eindrücke

Über den Streckenabschnitt von Burg nach Genthin sagt Stephan Horch: „Es war ein besonders schöner Abschnitt mit unglaublich vielen naturnahen Eindrücken, Greifvögeln, Bibern, und Libellen.“ Auch die Fahrt nach Brandenburg sei landschaftlich sehr schön gewesen.

Letztlich waren insbesondere die Etappen zwischen Burg und Brandenburg von Temperaturextremen geprägt. War es zu Beginn noch sengend heiß, gab es insbesondere in den Abendstunden plötzlich kühle Momente. Und doch habe sich das Engagement gelohnt, meinen Horch und seine Mitstreiter. Bisher sammelten das Projektteam 30.000 Liter Plastikmüll im Jahr. Dafür gab es bereits Preise. Zuletzt wurde der Verein mit dem Start Green Sonderpreis ‚Neue Perspektiven’ und dem Deutschen Engagement Preis in der Kategorie ‘Leben bewahren’ ausgezeichnet.