Kämmerei der Genthiner Stadtverwaltung bereitet die Doppik-Einführung zum 1. Januar 2014 vor

Neue Haushaltsführung schafft mehr Transparenz

Von Manuela Langner

Zum 1. Januar 2014 führt die Stadt Genthin die Doppik ein. Derzeit wird in einigen Bereichen schon probeweise damit gearbeitet. Doppik soll den Stadthaushalt für Verwaltung, Ratsmitglieder und Bürger transparenter gestalten.

Genthin l An Schopsdorf liegt es, dass das neue kommunale Haushalts- und Rechnungswesen noch nicht Einzug ins Genthiner Rathaus gehalten hat. Wegen der Eingemeindung mitten im Jahr behielt Schopsdorf für 2012 einen eigenständigen Haushaltsplan. Das hätte bedeutet, dass zum 1. Januar 2013 zwei Pläne in Doppik hätten überführt werden müssen.

Die Zweifel, dass das technisch machbar ist, waren so groß, dass Genthin eine Ausnahmegenehmigung erhielt. Doppik erlangt erst zum 1. Januar 2014 in der Stadtverwaltung Gültigkeit.

Die Vorbereitungen laufen allerdings schon seit Jahren, weil es der Landesregierung seit einiger Zeit mit der Umstellung auf Doppik mal mehr und mal weniger ernst gewesen ist. Inzwischen steht aber fest: Es gibt kein zurück zur Kameralistik. Einige Gemeinden im Jerichower Land wie Biederitz führen ihren Haushalt schon doppisch, andere haben für dieses Jahr ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung analog zu Genthin erhalten.

Über den aktuellen Stand der Doppik-Einführung in Genthin informierte Janett Rein aus dem Fachbereich Finanzen auf der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Vier Teilprojekte sollen den erfolgreichen Doppik-Start gewährleisten.

Zum einen muss das gesamte städtische Vermögen erfasst und bewertet werden. Das betrifft sowohl jeden Tisch und jeden Stuhl als auch alle Gebäude und Grundstücke. Ziel ist die Erstellung der Eröffnungsbilanz.

Zweiter Schritt ist die Erstellung des Produkt- und Kontenplanes. Der bislang übliche Begriff Haushaltsstelle wird durch Sachkonto abgelöst, in der Fachsprache heißt das Migration. Überhaupt müssen sich die Verwaltungsmitarbeiter und Bürgervertreter an viele neue Begriffe und ihre Definition in der Doppik gewöhnen. Einzahlungen und Auszahlungen sind etwas anderes als Einnahmen und Ausgaben oder Ertrag und Aufwand.

Zum Dritten wird der eigentliche Haushaltsplan erarbeitet. Anhand des Ressourcenverbrauchs soll die wirtschaftliche Lage der Stadt abzulesen sein. Im Ergebnis stehen mehr Transparenz und Informationen für Politik und Verwaltung und nicht zuletzt für die Bürger.

Der vierte und letzte Schritt beinhaltet die eigentliche Doppik-Einführung, in deren Vorfeld alle Mitarbeiter geschult werden, wie Janett Rein informierte. Dafür vorgesehen sind das dritte und vierte Quartal des Jahres. Die federführende Kämmerei hat das bereits hinter sich. Teilweise wird im Rathaus das neue Haushalts- und Rechnungswesen zur Probe schon angewendet.

Auch wenn mit Doppik (kurz für doppelte Buchführung in Konten) viele Informationen zur Verfügung stehen, die es in der Kameralistik nicht geben konnte, ist für die Stadt Genthin noch völlig offen, wie sie nach der Einführung dasteht, ob sich ihr finanzieller Spielraum verbessert oder verschlechtert.

Aus dem doppischen Haushaltsplan, der gut doppelt so umfangreich wie der bisherige sein wird, lässt sich konkret ablesen, wie viel jedes einzelne Produkt - noch ein neuer Begriff - wie eine Kita, eine Turnhalle oder die Schwimmhalle kostet - Informationen, die für politische Entscheidungen relevant sein können.

Die jährliche Bilanz gibt einen Überblick über Vermögen und Schulden der Stadt und funktioniert deshalb neben der Gewinn- und Verlustrechnung als Kontrollinstrument. Im Gegensatz zur Kameralistik wird ein Vergleich zwischen den Haushaltsjahren möglich sein: Wie steht es um das Genthiner Eigenkapital (wie Immobilien, Fuhrpark, Technik, Ware)? Und das Anlagevermögen?

"Doppik ist eine Herausforderung für das ganze Haus", schätzte Bürgermeister Thomas Barz vor dem Haupt- und Finanzausschuss ein. Schließlich verlangte diese Haushaltsführung eine völlig neue Betrachtungsweise, die wiederum dem Stadtchef nicht fremd ist. Er kennt Doppik von seiner Arbeit in Brandenburg. Ein "Kostenbewusstsein" solle hergestellt werden. "Es wird sehr gläsern mit der Kosten- und Leistungsrechnung", kündigte er an.

"Es kann auch weh tun, wenn man alles weiß", reagierte Heinrich Telmes (Pro Genthin).