Genthin l Die fast eingeschlafene Städtepartnerschaft Genthins mit Datteln (Nordrhein-Westfalen) bekommt offensichtlich neuen Auftrieb. Nach Jahren offizieller Funkstille und etlichen Absichtserklärungen der Stadt folgte eine Genthiner Delegation am Wochenende einer Einladung, die von Dattelns Bürgermeister André Dora (SPD) ausgesprochen wurde.

Zustande kam sie über private Kontakte Rosemarie Schloßers zu Stadtrat Lutz Nitz, der sie auch zum Kartoffelfest im vergangenen Jahr eingeladen hatte. Rosemarie Schloßer zeichnete für die Stadt Datteln über lange Jahre für die Koordination der städtepartnerschaftlichen Beziehungen nach Genthin verantwortlich. Aus persönlichen Gesprächen auf dem Kartoffelfest nahm sie dann die Anregung für eine Einladung als einen neuen Anlauf für die Städtepartnerschaft mit.

Die Vorzeichen des Datteln- Besuches von Bürgermeister Matthias Günther (parteilos), Horst Leiste (SPD), Norbert Müller (CDU) und Lutz Nitz (Grüne) am Wochenende standen damit deutlich auf Wiederbelebung der erstarrten Städtepartnerschaft. Sie war im September 1990 auf Initiative der SPD besiegelt worden. Nach fast 30 Jahren war bereits von deren Beendigung die Rede.

Kontakt mit Ratsmitgliedern

Mit einem Gedankenaustausch wurde zunächst behutsam ein neuer Anfang gemacht. „Wir haben das Programm für die Genthiner so zusammengestellt, dass nicht gleich Begegnungen mit zig Personen oder Vereinen anstanden, weil das wahrscheinlich ohnehin nicht viel gebracht hätte. Bewusst haben wir uns dafür entschieden, erst einmal die beiden Bürgermeister der Städte zusammenzubringen“, sagte Rosemarie Schloßer am Dienstag im Telefongespräch mit der Volksstimme.

Darüber hinaus waren die Genthiner auch geladene Gäste einer Ausstellungseröffnung am Freitagabend. Das sei eine gute Gelegenheit gewesen, sie mit Dattelner Ratsmitgliedern bekannt zu machen, meinte Rosemarie Schloßer. Über die Anwesenheit der „Genthiner Freunde“ seien die Fraktionsvorsitzenden informiert gewesen, so dass man nichts dem Zufall überlassen habe. „Nach dem dreitägigen Besuch konnten wir feststellen, dass die Chemie zwischen den Dattelnern und den Genthinern stimmt. Wir sind sehr froh, dass wir wie- der zueinander finden kön- nen“, resümierte Rosemarie Schloßer. „Wir haben wieder viele Ideen in der Pipeline“. Konkreter wollte sie jedoch noch nicht werden. Sie wolle nicht über „ungelegte Eier“ spekulieren, bat sie um Verständnis. Fest stehe aber, dass eine Delegation aus Datteln im September wieder das traditionelle Kartoffelfest besuchen werde.

Der Pressesprecher der Stadt Datteln, Dirk Lehmanski, ergänzte „Wir haben zu Genthin viele Jahre gute Kontakte gepflegt, die wir auch weiterhin aufrechterhalten wollen. Wir werden daran arbeiten, die Städtepartnerschaft zukünftig auf eine langfristige Basis zu stellen.“

Empfang mit Freundlichkeit

Bürgermeister André Dora (SPD), seit knapp fünf Jahren im Amt, sagte nach dem Besuch der Genthiner Stadträte und seines Amtskollegen: „Wir haben uns sehr gut verstanden und möchten in der Zukunft unsere Gemeinsamkeiten, die wir haben, stärker betonen. Denn wir alle können viel voneinander lernen.“

An seinen Schreibtisch im Genthiner Rathaus kehrte auch ein zufriedener Bürgermeister Matthias Günther zurück. „Mir hat es in Datteln hervorragend gefallen“, sagte er. Die Dattelner seien den Genthinern mit einer großen Freundlichkeit entgegengekommen, der sie sich nicht hätten entziehen können und die sie auch erwidert hätten. „Von einer Zusammenarbeit können beide Seiten partizipieren“, zeigte sich der Stadtchef zuversichtlich.