Genthin l Die Geschichte Genthins ist voller spannender Fakten, die nicht unbedingt in bisher erschienenen Abhandlungen niedergelegt sind. Im Hinblick auf die Entwicklung der Infrastruktur wie Straßen, Eisenbahn, Energie, Wasser, Kanäle und Kommunikation hat Berndt Franke einige Eckpunkte zusammengetragen, die nicht jedem bekannt sind. In einem mehr als 244 Seiten umfassenden Band mit dem Titel „Viele Wege führen nach Genthin“ trägt der Hobbyautor eine Reihe von Fakten zusammen. Angefangen hat die Recherche vor einigen Jahren als Nebenstrang bei einem anderen Projekt: „Ich habe meine Datensammlung begonnen, als vor drei Jahren mein Buch ‚Zuckerbude‘ erschienen war“, berichtet Franke.

Berndt Franke ist kein Heimatforscher

Nachdem er das erste Buch beworben hatte und nach einer krankheitsbedingten Pause wuchs die Faktensammlung nach und nach an. „Ich bin aber kein Ortschronist oder Heimatforscher und möchte daher keine wissenschaftliche Abhandlung niederlegen, sondern vielmehr Geschichtsdaten auf eine populäre Weise präsentieren.“ Spannend ist die Geschichte, wie die Stromversorgung (erst im Jahre 1920) nach Genthin kam. Diese hatte viel mit dem 1916 errichteten Kraftwerk in Kirchmöser zu tun. Erst gab es keine Leitungen, da Kupfer durch den Krieg knapp war. Nach und nach wurden im Elb-Havel-Winkel Mittelspannungskabel verlegt, die zu einer größeren und innovativen Ringleitung führten, welche die Region mit preiswertem Strom aus Kirchmöser und aus Richtung Burg versorgten. Franke zeichnet in seinem Buch nach wie Genthin im Laufe der Zeit wuchs. Gab es etwa um 1785 nur 1012 Einwohner in der Stadt, waren es 1930 durch die Ansiedlung von Industrie wie der Zuckerfabrik oder dem Waschmittelwerk bereits 10 000 Menschen, die in der Stadt lebten. „Ein Sprung für die Stadt war ganz sicher die Ansiedlung der Firma Henkel, das hat in den Jahren 1921 bis 1923 viele Menschen in Arbeit gebracht.“ Im Laufe der 1940er Jahre stieg die Zahl der Menschen in der Stadt beständig an. Auch durch das Silva-Munitionswerk. Franke belegt anhand historischer Dokumente, dass dort rund 5000 Menschen Arbeit hatten. „Davon waren 800 bis 900 Häftlinge.“ Die Einwohnerzahl Genthins stieg nach dem Krieg weiter auf mehr als 20 000 im Jahr 1950, auch durch die Zuzüge von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Gebieten in Osteuropa.

Immer wieder war Genthin, wie die meisten deutschen Städte, von den Auswirkungen der Kriege betroffen. Insbesondere des Zweiten Weltkriegs. Eine weitere Hinterlassenschaft aus dieser Zeit sind die Bunker unter der Stadt. „Der Bunker unter dem Marktplatz ist vielen Menschen bekannt, aber es gab auch Anlagen im Bereich des heutigen Kreishauses und in der Dürerstraße“, erläutert Franke. Diese seien anders als der Marktplatzbunker, heute nicht mehr vorhanden.

Ausbau Infrastruktur in der DDR

Zu DDR-Zeiten sei die Infrastruktur auch deshalb ausgebaut worden, da sich Genthin im Chemiebereich, Stahl- und Schiffbau sowie der Rohzuckerverarbeitung, Schwerpunkte der städtischen Industrie herausgebildet hatten. Dafür wurden Bahngleise, der Kanal und Straßen angepasst und ausgebaut. Erwähnt wird auch der Genthiner Flugplatz, der 1936 eröffnet und auch noch nach Kriegsende von den Sowjets genutzt wurde.

Unterstützt wurde die Entwicklung des Buches von berufenen Mitstreitern. Etwa dem Genthiner Heimatforscher Dieter Rohr, dessen umfangreiche chronologische Sammlung eine wichtige Quelle für Frankes Arbeit war. Auch Kreismuseumsleiterin Antonia Beran unterstützte die Publikation mit der Bereitstellung geschichtlicher Informationen. Für den letzten Schliff der Arbeit sorgte die ehemalige Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Gabriele Herrmann, die sich um Formulierungen, Grammatik und Gestaltung kümmerte. Illustriert ist das Buch mit 235 Abbildungen und Skizzen.

Buch in der Bibliothek erhältlich

Erhältlich ist „Viele Wege führen nach Genthin“ bei Buch und Papier Schreiber, beim Bibliotheksförderverein in der Bibliothek, aber auch beim Autor.