Jerichow l „Wenn alle da sind“, informiert Kita-Leiterin Elke Lehmann, „geht es hier zu wie in einem Bienenstock.“ Dann kümmern sich die Erzieher um bis zu 99 Mädchen und Jungen. Derzeit sei alles anders, so die Mitarbeiter, für die Kinder und sowohl auch für sie selbst. Pro Raum und Erzieher fünf Kinder, die Abstände zwischen den Kleingruppen müssen eingehalten werden – auf dem Spielplatz als auch in den Fluren, und Aktivitäten außerhalb der Kita fallen ebenso aus. So sieht, kurzgefasst, die Notbetreuung aus, die Kommunen in der Einheitsgemeinde einrichteten, als im März die Schließung der Kitas angewiesen wurde.

Anspruch mit jeder neuen Verordnung ausgeweit

Nur Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen, wie Krankenpfleger oder Verkäuferin arbeiten, durften sie in Anspruch nehmen. „Seitdem wird der Anspruch mit jeder neuen Verordnung ausgeweitet“, sagt Bürgermeister Harald Bothe und das, „ohne Anpassung der Bedingungen.“ Das führt dazu, erklärt Bothe, dass Eltern aus Ortschaften mit eigenem Kindergarten, wie etwa Schlagenthin, ihr Kind in einen anderen Kindergarten bringen müssen, „Da die Gruppengrößen vor Ort erreicht sind.“ Wie soll die Kita das den Eltern erklären? Wären da nicht die Umstände der Corona-Pandemie, gebe es eigentlich keinen Anlass zur Sorge – eher im Gegenteil.

Intensive Vorbereitung in kleine Gruppen

Die aktuelle Lage in den Kindergärten bildet mit diesen Kleingruppen eine pädagogische Situation ab, wie es sich Erzieher und Pädagogen immer wieder wünschen: Kleine Gruppen ermöglichen intensive Zuwendung zum einzelnen Kind. Das einzelne Kind mit seiner individuellen Persönlichkeit steht im Vordergrund, es kann sich besser konzentrieren und so Lernerfahrungen in einer störungsfreien Umgebung machen.

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Andererseits fehlen den Kleinen die gewohnten Spielkameraden, es darf nicht mehr nach Lust und Laune getobt werden und Ausflüge sowie Projekte fallen auch weg. Eine Sache beschäftigt Lehmann und ihre Stellvertreterin Ivette Marquardt ganz besonders – wie soll der Abschied der Vorschulkinder gestaltet werden? Denn dieses, für die Kinder wie für die Eltern, wichtige Ritual unterliege ja ebenfalls der bekannten Einschränkungen. Doch diesen Übergang vom Kindergartenkind zum Schulkind durch ein Fest einzuleiten und abzuschließen, sei eine Tradition, die wichtig für jedes Kind sei. Schließlich trete es in einen neuen Lebensabschnitt ein und stellt einen Einschnitt dar, der nicht leichtfüßig übersprungen werden darf.

Keine Abschiedsfeier in diesem Jahr

In diesem Jahr werde es wohl keine Abschiedsfeier geben, so Lehmann und bedauert es sehr: „Das lässt sich nicht nachholen – auch nicht Monate später.“ Sie werde zum ersten Mai den Weg ins Rentnerdasein einschlagen, „ebenfalls ohne eine Abschiedsfeier.“

Kümmern um Spielplatz und Außenanlagen

Während Regina France`mit ihrer Kleingruppe am Trampolin turnt und Cheyenne Henning aufpasst, dass Maxim beim Dreiradfahren nicht über die Stränge schlägt, nehmen Elke Thele und Andrea Döring Rasenmäher und Harke in die Hand. „In den letzten Wochen konnten wir uns intensiv um den Spielplatz und die Außenanlagen kümmern.“ Auch in den Räumen gab es genug zu tun, so konnten die sogenannten Funktíonsräume ausgestaltet, neue Projekte geplant und die Flure geschmückt werden. „Wir machen aus der Situation das Beste“, sagen die Kita-Mitarbeiterinnen und freuen sich, wenn irgendwann der Normalbetrieb wieder aufgenommen wird. Denn bekanntlich leiden die Kleinen darunter, wenn sie Einschnitte in der täglichen Routine erfahren, Bezugspersonen und Spielfreunde plötzlich nicht mehr da sind. „Doch wann es endlich soweit ist, kann keiner sagen.“