Jerichow l Bevor im Jerichower Ortschaftsrat Themen besprochen wurden, die den Bürgern unter den Nägeln brannten, konstituierte er sich neu. Einheitsgemeinde-Bürgermeister Harald Bothe wies vor der Wahl des neuen Ortsbürgermeisters darauf hin, dass die Wahl geheim erfolgen muss, aber auf Wunsch aller, auch öffentlich abgestimmt werden kann.

Öffentliche Abstimmung

Die Ortschaftsräte entschieden sich für die öffentliche Abgabe ihrer Stimme. Gewählt zum neuen Ortsbürgermeister wurde erwartungsgemäß Andreas Dertz. Er konnte mit Abstand die meisten Stimmen der Bürger für sich gewinnen, begründet ein Ortschaftsratsmitglied seine Entscheidung zur Wahl. Zum ersten Stellvertreter gewählt wurde Christiane Lange. Der erste Vorschlag hob noch den Sitzungsältesten Ralf Braunschweig auf das Wahl-Tablett, doch der lehnte ab. Seine Aufgaben als Stadtwehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr seien für ihn nicht vereinbar mit dem Amt des stellvertretenden Ortsbürgermeisters, so Braunschweig.

Harald Bothe, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Jerichow äußerte dazu, „dass Ortsbürgermeister den Gemeinde-Arbeitern weisungsberechtigt sind“, und Braunschweig könne als Angestellter der Stadt nicht „sein eigener Chef sein.“ Nach der vorgeschriebenen Verpflichtung der Bürgervertreter ging Dertz sofort zu den Punkten über, die einer raschen Entscheidung bedurften: Das Wandbild am Parkplatz und die Baumsituation in den Ortsteilen Mangelsdorf und Klietznick. Für die Ausgestaltung der Giebelwand am Parkplatz liegen den Ortschaftsräten mehrere Vorschläge zur Entscheidung vor, so Henry Bliemeister.

Bilder

Mehrere Motive für Giebelwand

Die Diskussion schwankte zwischen zwei Motiven. Einmal einer Gestaltung mit einigen markanten Gebäuden der Stadt, „die es teilweise nicht mehr gibt“ und als zweite Malerei eine Marktszene mit einem Fenster, aus dem Personen auf die Stadt schauen. In jedem besprochenen Motiv taucht immer wieder die Postkutsche auf: „Die letzte fuhr 1899 nach Genthin“, sagt Bürgervertreter Gerold Giese. Entschieden wurde sich für die „Marktszene mit Postkutsche“, die Kunstgruppe Brettin wird sich um die Umsetzung kümmern. Finanziert werden soll das Projekt durch Spenden und Sponsoren.

Ärger mit den Straßenbäumen haben die Anwohner in Klietznick und Mangelsdorf. Wuchtige Kronen, bis in die Vorgärten hineinreichende Wurzeln und angehobene Gehwege, veranlasste einen Bürger, sich mit einem Brief an die Ortschaftsräte zu wenden. In dem wird ein massiver Rückschnitt, wenn nicht gar die Fällung der Bäume verlangt. Die Bürgervertreter wollten jedoch keine Entscheidung am Tisch treffen und so soll bei einer Ortsbegehung die Schwere der Problematik erfasst werden. „Aktuell dürfen wir eh weder beschneiden noch fällen“, so Bothe.

Leerstand ist Problem

Doch der neu gewählte Ortschaftsrat befasste sich nicht nur mit den aktuellen Problemen, er blickt auch nach vorn. „Wir kommen nicht ohne Wünsche und Visionen aus“, betont Ortsbürgermeister Andreas Dertz. „Dafür sind wir die Multiplikatoren, unsere Wünsche sind die der Jerichower.“ Ein Problem sei der Leerstand großer Bürgerhäuser, „bei dessen Bewältigung man ohne fremde Hilfe nicht auskommen wird.“ Als Hemmnis zeige sich hier, dass der Stadt kaum eines der Häuser gehöre und so nur eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten habe.

Auch das „Öko-Bad“ an dem Standort des ehemaligen Freibades habe man im Blick. Abschließend gab Dertz noch mal seine Freude zum Ausdruck, „dass so viele fleißige Jerichower an der 875-Jahr-Feier mitgewirkt haben.“