Genthin l Vorübergehend lag der Genthiner Ortsteil Gladau am Wochenende im Harz. „Wernigerode“ war am Sonntagvormittag auf dem gelben Ortseingangsschild zu lesen. Unbekannte hatten am Wochenende Schabernack in der Region getrieben und sämtliche Ortseingangsschilder vertauscht. Kreuz und quer montiert wurden laut Polizei die Schilder in Genthin, Parchen, Paplitz, Tucheim, Gladau und Dretzel. So hieß Genthin am Sonntag am Ortsausgang an der Bundesstraße 1 in Richtung Bensdorf vorübergehend Dretzel.

Das dort eigentlich montierte Schild war hingegen an einer Schraube schief am Ortseingang in Parchen festgemacht. Misslich waren die vertauschten Schilder für Besucher aus dem hessischen Hanau. Diese wollten eigentlich zu einer Familienfeier ihrer Cousine nach Tucheim und orientierten sich an einer gedruckten Landkarte. „Mehrfach sind die Besucher zwischen Dretzel, Tucheim und Paplitz hin- und hergefahren, da die Ortsschilder keinen Aufschluss über den Standort gaben“, erzählt Katrin Schmidt, Teilnehmerin der Feier. Als die hessischen Besucher einen Passanten nach dem Weg fragten, fühlte der sich veräppelt und gab eine entsprechend alberne Antwort. Erst mit der nächsten Nachfrage fanden die Besucher ihren Weg und trafen verspätet in Tucheim ein.

Vielleicht lachen die Hessen mittlerweile über ihr Erlebnis. Mit Humor nahm der Grünen-Stadtrat Lutz Nitz seine Reise entlang der neuen Beschilderung auf dem Weg zu einem Termin: „Die Stadträte haben sich kürzlich gegen die Umbenennung der Straßennamen entschieden, jetzt hat jemand Nägel mit Köpfen gemacht und gleich die ganzen Ortschaften umbenannt.“

Gemeinden bekommen Schilder zurück

Neben den Genthiner Schildern wurden auch zwei Ortsschilder aus den Nachbargemeinden hinzugefügt: Reesen (Burg) und Hohenseeden (Elbe-Parey). „Wir werden die Schilder den jeweiligen Gemeinden wieder zukommen lassen“, kündigt Alexandra Adel vom Fachbereich „Verwaltung/Bürgerservice“ in Genthin an. In der Burger Verwaltung zeigte man sich zwar erfreut, dass das Reesener Schild wieder anmontiert werden kann, hat aber keine Gegenleistung: „Bei uns ist allerdings bis jetzt kein Schild aus Genthin aufgetaucht“, meinte der Burger Stadtsprecher Bernhard Ruth gestern Nachmittag. Er zeigte wenig Verständnis für den nächtlichen Schildertausch.

Mehrfach war der Ort Gladau betroffen. „Das Schild aus Hohenseeden hing ebenfalls in Gladau“, berichtet Ortsbürgermeister Klaus Voth (CDU), der einigermaßen verwundert über die Umbenennung war, als er am Sonntag aus dem Urlaub zurückkehrte. „Von einem Schild aus Wernigerode ist mir nichts bekannt“, meinte er.

Dieses ist nunmehr abmontiert und bei der Stadt Genthin eingelagert worden. Ob es sich bei diesem um ein Exemplar handelt, das Anfang des Jahres in der Harzstadt gestohlen wurde, konnte gestern von der dortigen Stadtverwaltung noch nicht geklärt werden.

Kein Diebstahlsdelikt laut Polizei

Der Rücktausch der Schilder in der Umgebung von Genthin nahm für zwei Mitarbeiter der Stadt einen Arbeitstag in Anspruch. „Die Kollegen müssen die falschen Schilder abschrauben, die neuen ordnungsgemäß anbringen und haben auch die Wege zwischen den Orten zurückzulegen. Das ist kein Dummejungenstreich“, findet Alexandra Adel. Da derzeit kein Verursacher festzustellen sei, gestalte sich eine Ahndung schwierig.

Ähnlich sieht es auch Polizeisprecher Falko Grabowski: „Ein Diebstahl liegt nicht vor, da die Schilder vorhanden sind. Auch ein Eingriff in den Straßenverkehr gab es nicht, da Ortseingangsschilder auf das Tempolimit von 50 km/h hingewiesen haben.“ Eine Ordnungswidrigkeit käme in Frage, auch könne die Kommune entstandene Kosten in Rechnung stellen. „Allerdings bräuchte es dafür tatsächlich einen Verursacher.“

Erstaunlich sei der getriebene Aufwand. „Die Schilder mussten abgeschraubt, transportiert und wieder angebracht werden. Solche Dinge haben auch wir so noch nicht gehabt“, sagt Grabowski.

So würden Straßenschilder schon einmal verdreht werden. Auch seien Ortsschilder bereits retuschiert wurden, um den Ortsnamen zu verändern. Ein solcher Aufwand wie am Wochenende in Genthin sei selten. „Vielleicht war es eine Mutprobe oder ein Junggesellenabschied.“ Zum Nachmachen sei es dennoch nicht empfohlen.