Parchen l Das Setzen eines neuen Brunnens, aus dem in Notsituationen das nötige Frischwasser für die in den Parchener Schlossteichen lebenden Fische geholt werden könnte, würde das Problem ein für allemal lösen. Das Problem, das mit dem massenhaften Fischsterben Anfang August schmerzhaft vor Augen geführt wurde. Der Wasserstand in den beiden Teichen war in der Hitze derart stark gesunken, dass die Plötzen, Rotfedern, Karpfen, Barsche und Hechte zu drei Vierteln ihr Leben aushauchten.

Zwar konnte das weitere Sterben des restlichen Viertels mit einer Notaktion verhindert werden: die Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen eG stellte den Anglern wie schon im Sommer zuvor eine Pumpe zur Verfügung, die an einen nahen Löschbrunnen der Feuerwehr angeschlossen wurde. Aber das konnte und sollte nicht zur Dauernotlösung werden. Nicht nur des Lärmes wegen, den die Pumpe zum Leidwesen der Anwohner machte. Auch ein Feuerlöschbrunnen darf und kann nicht immer wieder zu diesem Zweck belegt werden.

Schlechte Nachrichten

Die Genthiner Stadtverwaltung schloss sich dem Lösungsvorschlag „Neubau eines Brunnens“ an und schob ein Genehmigungsverfahren dafür an. „Jetzt“, so macht sich Ortsbürgermeister Hubert Schwandt gegenüber der Volksstimme aufgebracht Luft, „haben wir die Vorabinformation bekommen, dass wir damit rechnen müssen, dass dieser Antrag nicht genehmigt wird.“

Bilder

Bei der Unteren Wasserbehörde im Landkreis nachgefragt, kamen schriftlich die folgenden Ausführungen: „Gegen die Errichtung eines solchen Brunnen bestehen Bedenken, da zu befürchten ist, dass die mit der Wasserentnahme einhergehende Grundwasserabsenkung einen negativen Einfluss auf den alten und geschützten Baumbestand des Parks hätte. Da gerade in den besonders trockenen und heißen Monaten eine Grundwasserentnahme anzunehmen ist, würde sich dies besonders kritisch auf die ohnehin von der Trockenheit geplagten Bäume auswirken.“ Durch das Zutagefördern des Grundwassers würde die freie Wasseroberfläche der Teiche vergrößert und entsprechend eine erhöhte Verdunstung hervorgerufen. Dies widerspräche den Allgemeinen Grundsätzen des Wasserhaushaltsgesetzes zum Grundwasser und zur Gewässerbewirtschaftung, wird weiter ausgeführt. Auch die zuständige Unterhaltungsbehörde für den Tucheim-Parchener Bach, von dem die Teiche normalerweise ihr Frischwassser bekommen, hegt Bedenken gegen die Pläne für den Brunnen-Neubau. „Der Bau eines Brunnens ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll, da sich Grundwasserstände verändern und diese Auswirkungen auf angrenzende Bebauungen haben könnten“, antwortet Marco Schirmer, Flussbereichsleiter Genthin des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW), schriftlich auf eine Anfrage der Volksstimme.

Bliebe noch die Beeke (der Tucheim-Parchener Bach). Ob der so weit ertüchtigt werden könnte, dass wieder stetig genügend Frischwasser in den Schlossteichen ankommt? „Am Bypassrohr (Zulauf zum Teich) kann höhenmäßig nichts verändert werden, da sonst der Zu- und Ablauf der Teiche nicht mehr zueinander stimmen würde. Das Anstauen am Wehr Parchen muss man auch ausschließen, da mit dieser Maßnahme dann kaum noch Wasser unterhalb des Wehres im Tucheim-Parchener-Bach fließen würde“, antwortet der Flussexperte vom Amt. Gegen die Biberbauten, die sowohl Ortsbürgermeister Hubert Schwandt als auch Andrè Siebert vom Parchener Angelverein mit dafür verantwortlich machen, dass über die Beeke nicht mehr genügend Wasser in den Schlossteichen ankommt, dürfe nur bedingt etwas unternommen werden. „Die Beseitigung eines Biberdammes ist naturschutzrechtlich nur im begrenzten Maß zulässig und bedarf einer Genehmigung. Zur Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Gewässerabflusses werden vom LHW bei Erfordernis die Beseitigungsmaßnahmen immer beantragt und nach erhaltener Genehmigung zeitnah durchgeführt“, erklärt Marco Schirmer dazu. Andere Abflusshindernisse gäbe es nach seinem Kenntnisstand in der Beeke nicht.

Genug Grundwasser für alle?

Das Argument, dass ein Brunnen-Neubau den Grundwasserspiegel zu sehr beeinträchtigen würde, will der Ortsbürgermeister nicht gelten lassen. „Wir entnehmen ja diesem neuen Brunnen nicht dauerhaft Wasser, sondern nur in Notsituationen. Außerdem verschwindet das Wasser, das wir entnehmen, nicht, sondern es bleibt über die Verdunstung im Kreislauf.“ Es sei im Augenblick genug Grundwasser für alle da.

„Wir bestehen auf einem Brunnen-Neubau“, zeigt sich Hubert Schwandt kämpferisch. Andrè Siebert, der in der vergangenen Woche sieben Acht- und Neunjährigen die Angelprüfung am Schlossteich abgenommen hat, formuliert es so: „Fußballer brauchen für ihren Sport ein Fußballfeld. Wir für das Angeln den Teich.“ Wenn es keinen Brunnen-Neubau gebe, bliebe nur noch, die Fische aus dem Schlossteich zu verbannen, um nicht ein erneutes Fischsterben zu riskieren. Das wäre dann so, als wenn Fußball-Kindern ihr Ball und ihr Platz weggenommen würden.