Parchen l Für positive Reaktion der anwesenden Parchener Feuerwehrleute sorgte Bürgermeister Matthias Günther, als er ankündigte, dass ein lange gewünschtes Bauvorhaben in greifbare Nähe rückt. Auch ein neuer Ortswehrleiter soll eingesetzt werden. Lebhaft wurde während der Jahreshauptversammlung über die Mitgliedergewinnung diskutiert.

„Wir haben den Erweiterungsbau des Feuerwehrgerätehauses im Investitionsplan der Stadt Genthin“, erklärte Günther. In die allgemeine Zustimmung hinein fügte er hinzu: „Das letzte Wort zu dieser Maßnahme hat der Stadtrat, er muss darüber befinden, ob wir die Investition tätigen wollen.“ Allerdings sei den Räten die Situation in Parchen bewusst.

Lange wurde der dringend benötigte Anbau gefordert, um die Feuerwehrgerätetechnik vernünftig lagern, beziehungsweise um eine vernünftige Situation für die Kräfte der Wehr vor oder nach Einsätzen zu schaffen. Derzeit ist es in vielen Bereichen zu eng.

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„Es ist eine gute Nachricht für uns und wäre ganz im Sinne von Gerd Keppler, der lange für den Anbau gekämpft hat“, meinte Elko Bernau, Leiter der Jahreshauptversammlung. Keppler war im vergangen Jahr überraschend verstorben.

Ortswehrleiterposten soll neu besetzt werden

Zu Beginn der Sitzung erwiesen ihm die Anwesenden mit einer Schweigeminute eine Referenz. Peter Söchtig, der der Parchener Wehr übergangsweise vorsteht, erinnerte an das Schaffen Kepplers. Er kündigte auch an, dass in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung die Position des Ortswehrleiters mittels Neuwahl neu besetzt werden soll. Zwischen März und Mai könne dies geschehen.

Söchtig blickte auf das Geschehen 2018 zurück. Zu 21 Einsätzen sei die Wehr gefahren, darunter neun Waldbrände und fünf Wohnungsbrände.

Etwa 60 Männer und Frauen sind Mitglied in der Parchener Wehr – und zugleich im Förderverein „Freunde der Feuerwehr“ Parchen. In der Alters- und Ehrenabteilung waren im vergangenen Jahr 15 Mitglieder im Alter von 65 bis 84 Jahren zusammengeschlossen. Bei den Frauen sind es neun Brandschützerinnen und bei der Jugend derzeit sechs Mädchen und ein Junge. Die Jugendlichen nahmen an Wettbewerben teil und belegten den 6. Platz beim Stadtausscheid und beim Herbstlauf in Mützel den 5. Platz.

Unverzichtbar waren die Mitglieder aller Abteilungen bei der Durchführung und Betreuung von Ortsfesten, etwa beim Sichern des Verbrennens der Weihnachtsbäume, der Absicherung des Osterfeuers, beim Aufstellen des Maibaumes, am Mühlentag oder am Heimatfest zum Erntedank.

Mit Sorgenfalten betrachtet nicht nur die Wehrleitung die Mitgliederentwicklung. Im vergangenen Jahr sei die Einsatzstärke oft nicht gewährleistet gewesen, machte Peter Söchting deutlich. Oft seien Kameraden unter der Woche auswärts Arbeiten und nicht verfügbar, mancher Arbeitgeber könne auch nicht auf seine Mitarbeiter verzichten.

„Wenn etwa ein kleiner Handwerksbetrieb einen Auftrag fristgerecht zu erledigen hat, kann er seine Mitarbeiter nicht einfach für die Feuerwehr freistellen.“ Das Entschädigungsgesetz sei in diesem Punkt nicht eindeutig. „Man müsste die Arbeitgeber unterstützen, sodass es für sie attraktiv wird, Feuerwehrleute einzustellen.“

Allerdings konnte auch Söchting nicht sagen, wie sich diese Dilemma lösen lassen könnte. Einige Anwesende, wie etwa Feuerwehrmann Fabian Karbe, mahnten eine stärkere Anwerbung von Mitgliedern an. Es sei zwar eine gute Geste, wenn Einsatzkräfte auf einem Neujahrsempfang geehrt würden, aber das schaffe keine neuen Mitglieder.

Neue Mitglieder dringend gesucht

Auch seien Werbemaßnahmen verpufft. Für viele sei der lang Weg der Ausbildung innerhalb der Feuerwehr abschreckend, darüber sollte beraten werden. Das neue Ortschaftsratsmitglied Dieter Lüke hielt Chancen in Sachsen-Anhalt insgesamt für verpasst.

In Brandenburg sei man weiter. Dort hat das Land mehr als fünf Millionen Euro bereitgestellt, damit Freiwillige Feuerwehrleute alle zehn Jahre eine einmalige Jubiläumsprämie für ihren Einsatz erhalten können.

Die Prämienzahlungen sollen die Attraktivität des Ehrenamtes steigern und damit die Zahl der Einsatzkräfte stabilisieren.

Das es wichtig ist, die Feuerwehr zu stärken, machte auch Ortsbürgermeister Hubert Schwandt deutlich. „Die Mitglieder stützen das soziale Leben im Ort, ohne sie wären eine Reihe von Veranstaltungen nicht mehr möglich.

Man müsse das Ehrenamt stärker würdigen, meinte er und bezog alle sechs Vereine im Ort mit ein: „Wir haben für die Vereinstätigkeit als Ortschaft 815 Euro zur Verfügung, dass ist als Annerkennung für die Vereinstätigkeit nicht genug.“

Vor drei Jahren waren die Ortspauschalen seitens der Stadt auf ein Drittel des vorherigen Betrages zurückgefahren worden. Seitdem steht für die Aktivitäten in den Ortschaften wesentlich weniger Geld zur Verfügung.

Nach der lebendigen Debatte, gab es einen versöhnlichen Abschluss. Werner Jahnke wurde für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Mary Borchhardt (Jugendwehrleiterin) und Christine Söchting (Frauenabteilung) wurden für ihre Tätigkeit geehrt und Elko Bernau zum Hauptlöschmeister und Sebstian Schmoz zum Löschmeister befördert.