Energie

Planung für Solarpark in Genthin schreitet voran

Der Bebauungsplan für die Errichtung einer Solaranlage auf dem Gelände der „Alten Deponie“ ist auf dem Weg. Doch bis dort Strom produziert werden kann, müssen noch einige Hürden genommen werden.

Von Mike Fleske
So ähnlich wie hier in Zerbst wird es auch Genthin ausehen, wenn die alte Deponie an der B1 mit Photovoltaikanlagen bebaut wird.
So ähnlich wie hier in Zerbst wird es auch Genthin ausehen, wenn die alte Deponie an der B1 mit Photovoltaikanlagen bebaut wird. Foto: Thomas Ruttke

Genthin - Bereits vor zwei Jahren schob der Genthiner Stadtrat das Vorhaben an, auf der sogenannten „Alten Deponie“ zwischen Genthin und Roßdorf eine Photovoltaikanlage zu errichten. Als Betreiber hatte sich die Firma Sunfarming aus Erkner in der Nähe von Berlin an die Stadt gewandt, die das rund 3,4 Hektar große Gelände erworben hat und bebauen will.

Doch bereits in der Planungsphase waren einige besondere Hürden zu überwinden. Diese sind nicht nur in Einschränkungen durch die Corona-Krise begründet. In der vergangenen Sitzung des Bauausschusses wurde von Mitgliedern darauf hingewiesen, dass es Probleme mit einem Zauneidechsenvorhaben gebe und dass das Gelände keine gesicherten Zuwege besitze.

Stadt schafft ordnungsgemäße Grundlage für die künftige Nutzung

Diese Dinge oblägen den Betreibern, machte Baufachbereichsleiterin Dagmar Turian in der Sitzung deutlich. Die Stadt sei nur für die ordnungsgemäße Erstellung eines Vorhaben bezogenen Bebauungsplan zuständig. Ob die „Alte Deponie“ tatsächlich als sogenanntes „Helikoptergrundstück“ verkauft wurde, wie solche Flächen ohne Zuwegung im Volksmund genannt werden, bleibt offen.

Die Zufahrt zu der Deponie wäre aber über ein Grundstück des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) verlaufen. Allerdings kam zwischen dem TGZ und der Firma Sunfarming kein Vertrag zu einem wie auch immer gestalteten Wegerecht zustande. Woran diese Verhandlungen letztlich gescheitert sind, wird nicht begründet.

Beide Seiten geben sich diesbezüglich eher schmallippig. „Wir haben dem Solarparkbetreiber die Zuwegung angeboten. Dieser hat das Angebot jedoch nicht angenommen“, bestätigt TGZ-Geschäftsführerin Elisa Heinke zumindest das Scheitern der Verhandlungen. Auch Michael Link von der Sunfarming räumt dies ein, möchte sich aber ebenfalls nicht weiter zu den Gesprächen äußern.

Private Fläche wird für Zufahrt zum Solarpark genutzt

Allerdings halte man an der Planung für den Genthiner Solarpark fest. „Der Bebauungsplan liegt vor, das ist für uns ein großer Vorteil“, sagt er. Zudem habe man sich mit einem privaten Grundstücksbesitzer auf eine Nutzung von dessen Grundstück einigen können und komme nun auch zur ehemaligen Deponie.

Auch die Population der Zauneidechse bestätigt der Sunfarming-Projektmitarbeiter. Diese würden mithilfe von Naturexperten umgesiedelt. Der Vorgang sei durchaus vergleichbar mit dem in Parchen, wo vor dem Radwegebau ebenfalls Eidechsenvorkommen in einen eigenen Bereich umgesiedelt werden mussten. Allerdings werde der weitere Vorgang nicht so lange dauern wie beim Radwegebau.

In der kommenden Woche wird sich der Bauausschuss erneut mit der „Alten Deponie“ beschäftigen. Dann geht es allerdings um Ausgleichsflächen, die von der Naturschutzbehörde gefordert werden. Diese sind seitens der Stadt Genthin mit dem „Stiftswerder in der Ohreaue“ und dem „Kleiner Rott bei Jerichow“ benannt. Auch wird die nun geänderte Zuwegung aufgelistet. Zudem muss der Planentwurf noch öffentlich ausgelegt werden.

Stadt unterstützt geplantes Bauvorhaben

Dies kann geschehen, wenn der Stadtrat am 8. Juli seine Zustimmung gibt. Allerdings gilt diese als relativ sicher. Auch die Stadt unterstützt das Projekt. „Der Stadt Genthin entstünde durch die Nichtansiedlung der Sunfarming GmbH der Nachteil, dass diese dann die Investition an anderen Standorten außerhalb des Gemeindegebietes realisieren wird. Sie hat deutlich gemacht, dass sie auf eine zeitnahe Umsetzung der investiven Maßnahme angewiesen ist“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.

Die Stadt führt Gründe des Ressourcen- und Klimaschutzes, der Versorgungssicherheit und der regionalen Wertschöpfung an, die dazu führen, dass der Anteil erneuerbarer Energien erhöht werden müsse. Neben der Windkraft seien im ländlichen Raum besondere Potenziale für die energetische Nutzung von solarer Strahlungsenergie vorhanden. Diese Zielstellung erfordert die Ansiedlung von Energie erzeugenden Gewerbebetrieben. Zudem ist das frühere Deponiegelände nur eingeschränkt nutzbar. Der Solarpark sei eine sinnvolle Belegung.

Die Stadt Genthin muss selbst keine Planungs- oder Folgekosten tragen und ist auch von Aufwendungen im Rahmen der Vorbearbeitung freigestellt. Die Firma Sunfarming gilt als Experte in Sachen Solarstrom. Seit 2004 befindet sich der Stammsitz im Brandenburgischen. Die Firma beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter an weltweiten Standorten. Für die Stadt Genthin ist die Bebauung ein Beitrag zu den Klimazielen der Bundesregierung im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), wonach bis 2025 der Anteil an erneuerbaren Energien von mindestens 40 bis 45 Prozent am Bruttostromverbrauch erreicht werden soll.