Genthin l „Genug ist genug“, sagt Harry Czeke in Anspielung auf die Worte des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, der kürzlich eine Vertrauensabstimmung verlor. Der Hintergrund ist bei ihm freilich ein völlig anderer. Harry Czeke zieht sich nach rund 30 Jahren aus der Politik zurück – jedoch völlig freiwillig.

Bereits zu DDR-Zeiten habe er sich politisch engagiert. Da er sich jedoch über zu hohe Abgaben der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) beschwerte, dessen Vorsitzender er am 1. Juli 1990 in Schlagenthin wurde, sei es zu einem Zerwürfnis mit der Sozialistischen Einheitspartei (SED) gekommen. „Ich musste mich vor den Parteimitgliedern für meine Meinung rechtfertigen. Das war wie ein Tribunal“, erinnert er sich.

Schwierigkeiten mit der SED

Er habe immer ein wenig Schwierigkeiten mit der SED gehabt. „Das hat mich begleitet“, sagt er. Im Nachhinein sei das jedoch ein Glücksfall für ihn gewesen, denn so sei er nicht „gebrandmarkt“ gewesen, als er 1991 für den Schlagenthiner Ortschaftsrat kandidierte.

Als Parteiloser, aber mit einem Mandat der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), hat er den Einzug geschafft. „Wenn die Bauernpartei mich gefragt hätte, wäre ich bei ihnen eingetreten“, sagt der Agraringenieur. Doch deren Mitglieder hätten sich zu einem Großteil der CDU angeschlossen, was für ihn einem Verrat gleichgekommen wäre.

Erneut als Parteiloser gewählt

Bei einem Agrar-Treffen 1994 in Hohenseeden mit Mitgliedern des Landtags von Sachsen-Anhalt folgte der nächste Schritt. Dabei seien Vertreter der PDS auf ihn zugekommen und hätten ihn gefragt, ob er als Fachmann für landwirtschaftliche Themen für den Landtag kandidieren möchte. Er folgte der Einladung und wurde noch im selben Jahr ins Landesparlament gewählt; erneut als Parteiloser mit einem Mandat der PDS.

Bei der folgenden Landtagswahl im Jahr 1998 ist es zu einem Kuriosum gekommen, wie Harry Czeke erzählt. In der Ortschaft Redekin habe er als Person die meisten Erststimmen gewonnen, während die rechtsextreme Deutsche Volksunion (DVU) als Partei die meisten Zweitstimmen errang. Kurios also deshalb, weil die jeweiligen politischen Positionen unterschiedlicher kaum sein konnten.

Parteilosigkeit 2202 beendet

Harry Czekes Parteilosigkeit endete schließlich 2002. „Da haben die Parteimitgleider zu mir gesagt: ‚Jetzt musst du dich mal bekennen‘“. Und das tat er mit seinem Eintritt in die PDS, der späteren Partei Die Linke. Der Einsatz für die soziale Gerechtigkeit sei ihm wichtig, weshalb er immer ein Verfechter linker Politik gewesen sei.

Als Landwirt habe er sich zudem immer für den Umweltschutz eingesetzt und werde dies auch weiter tun. „Aber pragmatisch und nicht militant wie einige Grüne“, betont er. Obwohl ihm die Arbeit im Landtag, vor allem in fachlicher Hinsicht, Freude bereitet habe, wendet er ein: „Ich habe von der Pike auf Kommunalpolitik gelernt und bin darin verwurzelt.“

Seit 1999 im Stadtrat

Das zeigte er auch im Genthiner Stadtrat, in dem er seit 1999 saß, von 2004 bis 2009 auch dessen Vorsitzender war. Warum er hingegen nie für den Kreistag kandidiert hat, begründet Harry Czeke wie folgt: „Das wäre schizophren, wenn man zugleich im Stadtrat sitzt. Wenn man beispielsweise für eine höhere Kreisumlage stimmt, würde man sich das eigene Geld abziehen.“

Die Arbeit im Stadtrat habe ihm nicht immer Freude bereitet. So beklagt er „Mauscheleien, die nichts mit Demokratie zu tun hatten, sondern nur der Macht dienten“ und beispielsweise verhindert hätten, dass er noch einmal zum Stadtratsvorsitzenden gewählt wurde.

Es war nie langweilig

Am meisten gefallen habe ihm hingegen die Arbeit als Vorsitzender des Genthiner Wirtschafts- und Umweltausschusses. Dabei habe er viele interessante Menschen und Betriebe kennenlernen dürfen. „Das war nie langweilig“, sagt er. Aus der jüngsten und für ihn letzten Sitzung verabschiedete er sich mit den Worten: „Ich habe diesem Ausschuss drei Legislaturen vorgestanden und es hat mir außerordentlich viel Spaß gemacht!“

Und so fällt auch sein Fazit zwiespältig aus: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Weinend, weil er die Arbeit als Ausschussvorsitzender vermissen werde. Lachend, weil die Arbeit im Stadtrat ihn zuweilen geschafft hätte. Seine Frau habe mal zu ihm gesagt: „Du bist anschließend zwei Tage verärgert, wenn eine Stadtratssitzung war.“ Auf die Frage, welche politische Entscheidung er gerne in die Tat umgesetzt sehen würde, zögert er nicht lange: „Die Stadt sollte das Stadtkulturhaus betreiben. Das wäre mein Wunsch.“

Städtischer Vertreter

Nun möchte es Harry Czeke ein wenig ruhiger angehen lassen. Nicht ohne dem neuen Stadtrat jedoch noch eine Aufgabe zu stellen: „Ich möchte gerne weiter als städtischer Verteter für den Unterhaltungsverband ,Stremme/Fiener Bruch‘ tätig sein und stelle mich dazu im Stadtrat zur Wahl.“