Genthin l Eine voll besetzte Besucherreihe gehört eigentlich bei den Sitzungen des Wirtschafts- und Umweltausschusses zu den Ausnahmen. Dass der Volkspark auf der Tagesordnung stand, zeigte trotz bester Feierabendzeit Wirkung. So ging schon während der Einwohnerfragestunde die Post in Sachen Volkspark ab. Etliche Beschwerden und durchaus berechtige Kritiken am Zustand des Volksparkes richteten eine klare Botschaft an Ausschussmitglieder und Verwaltung: Der Volkspark, der möglicherweise auf den berühmten preußischen Gartenbauarchitekten Peter Joseph Lenné zurückgeht, dümpelt vor sich hin und ist in einem beklagenswerten Zustand. Es wird zu wenig für seine Pflege getan. Es muss etwas passieren.

Klare Worte, die Gerhard Koschnitzke, ehemaliger SPD-Stadtrat, der in der aktuellen Legislatur als sachkundiger Bürger im Ausschuss sitzt, fast seufzend kommentierte: „Ich habe 20 Jahre im Stadtrat gesessen und immer wieder hat uns der Park beschäftigt. Erfolglos. Getan hat sich wenig.“ Ein Statement, das man eigentlich von dem Grünen Lutz Nitz oder dem Linken Harry Czeke erwartet hätte, die das „Problem Park“ in den vergangenen Jahren wie ein Mantra vor sich hergetragen hatten. Es gab immer wieder Anläufe für ein neues Konzept des Volksparkes. Ohne Erfolg, sie wurden abgeblockt.

Teichsanierung angeschoben

Den Volkspark hat nun offenbar Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) als Thema für sich entdeckt. Ironie der Ereignisse: Beim Wählerforum zur Bürgermeisterwahl wurde er als Bürgermeisterkandidat mit der Frage konfrontiert, was ihm als Altenplathower in den Sinn käme, wenn er im Volkspark spazieren ginge. Ihm fiel dazu Einiges ein. Nun ist er am Zuge. Nach seinen damaligen gut gemeinten Absichtserklärungen muss Günther nun liefern. Vorerst hält er erst einmal gute Nachrichten bereit. Um ein Konzept für die Gestaltung des Parkes zu erarbeiten, habe die Stadt für 2019 zum 31. August einen Fördermittelantrag über das Leader-Programm gestellt, der sich auf 20.000 Euro beläuft, informierte er den Ausschuss. „Der Antrag ist im Ranking sehr gut aufgestellt“, zeigte sich der Bürgermeister optimistisch.

Der neue Mann auf dem Bürgermeister-Stuhl setzt für das Volkspark-Konzept als Prämisse auf eine kulturelle und sportliche Nutzung durch alle Generationen. Widerspruch regte sich auf seine Ausführungen nicht.

Im Gegenteil: Das Wort „Konzept“ beflügelte die Diskussion. Thomas Dietert, als interessierter Bürger anwesend, bot daraufhin Hilfe und Unterstützung des Fördervereins des Morus-Haues an.

Nachdem Sebastian Hahn (Pro Genthin) in Erinnerung rief, dass die Stadt im Hinblick auf eine Konzeption für ein neues Stadtkulturhaus sehr gute Erfahrungen mit der Arbeit von Workshops gesammelt habe, warnte Helmut Halupka (SPD) vor all zu großen Erwartungen. „Wenn jeder seine Wünsche und Vorschläge vorbringt, landen wir dann wie beim neuen Stadtkulturhaus bei Summen, die für die Stadt einfach nicht vertretbar sind.“

Lutz Nitz strebte einen Konsens an: „Zunächst brauchen wir erst einmal den Zuschlag für ein Konzept. Das wäre ein erster Schritt, und dann müsse man weiter sehen. Die Stadt sollte schon gewisse Grundvorstellungen haben.“

Die Zukunftspläne für den Park trafen aber dennoch, dank der Gäste, auf Realität: Trotzdem es offensichtlich Bewegung in Sachen Volkspark gibt, ließen sie dem Bürgermeister die aktuellen Missstände im Park nicht durchgehen. Ein stinkender, völlig verschlammter Schwanenteich, verwüstete Bänke, durch Schausteller zerfahrene Bereiche, die nicht wiederhergestellt wurden, fehlende Beleuchtung - Frust entlud sich berechtigterweise.

Der Teich, erst vor kurzem von CDU-Mitgliedern bei einer großen Aufräumaktion vom gröbsten Müll beräumt, sei in Bearbeitung, gab Günther zur Auskunft. Zu viele große Bäume im unmittelbaren Umfeld des Teiches sorgten für einen großen Laubeintrag, der unter anderem ursächlich für das stinkende Wasser sei. Einigermaßen überraschend informierte Bürgermeister Günther darüber, dass eine Entschlammung des Teiches geplant sei, für die zunächst eine Schlammprobe entnommen werde. Eine Laboruntersuchung werde darüber Klarheit bringen, ob und wo der Schlamm-Aushub später ausgebracht werden könne. Günther hielt erneut daran fest, zumindest „gedanklich“ die Option, dass ein neues Stadtkulturhaus im oder am Volkspark gebaut werden könne, im Hinterkopf zu behalten.

Baumbestände und Wege wurden erhalten

Um 1840 wurde der Gutspark der Familie von Pieschel in Altenplathow umgestaltet. Vermutlich lag dem ein Entwurf von Peter Joseph Lenné (1789 bis 1866) zugrunde. Aber: Es fehlt die Signierung auf dem Stück in der Plansammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt äußert in seiner Denkmalbegründung deshalb auch Unklarheit, wer den Park entworfen hat. Namhafte Gartenbauexperten erkennen wiederum den Kern der Lennéschen Gestaltung und Pflanzung im heutigen Zustand des Volksparkes wieder.

Die Stadt versuchte über Jahrzehnte, die Grundstruktur des heutigen Volksparkes mit den Altbaumbeständen und den Wegebeziehungen weitestgehend zu erhalten.