Genthin l Wenn Sebastian Kroll über seine Arbeit im Jugendhaus „Thomas Morus“ spricht, dann sieht man ihm die Begeisterung an, mit der er tagtäglich seit drei Jahren das Integrationsprojekt leitet. In dieser Zeit hat der studierte Sozialwissenschaftler viel aufgebaut – mit seinen Kollegen, den Jugendlichen verschiedener Nationen und deren Familien.

Ungewiss, ob Stelle verlängert wird

Ende September dieses Jahres läuft die Stelle für das Projekt „Jugend International“ aus. Ob sie vom Landesverwaltungsamt verlängert wird, ist derzeit ungewiss. Eine Neubeantragung mit der Projekt-Überschrift „Step by Step“ wurde seitens Landesverwaltungsamt nicht genehmigt, mit Verweis auf die zur Verfügung stehenden geringen Haushaltsgelder. „Im Moment sind wir am eruieren, wie es überhaupt weitergehen kann“, erzählt Kroll. „Wenn es eine Möglichkeit der Fortsetzung gebe, so wie jetzt oder auch in abgewandelter Form, wäre das für das Haus sehr schön.“ In den letzten Jahren seien er und die anderen Mitarbeiter des Jugendhauses zu einem eingeschworenen Team zusammengewachsen. „Das ist wie mit Zahnrädern, die ineinandergreifen“, sagt Kroll lächelnd.

Viele Kulturen vertreten

Eine Notwendigkeit der Integrationsarbeit sieht Kroll allemal. „Wir leben ja immer noch alle miteinander. Egal, ob es jetzt Syrer, Afghanen, Eritreer oder Russlanddeutsche sind“, sagt Kroll. Sämtliche Kulturen, die in Genthin lebten, seien schließlich auch im Morus-Haus vertreten.

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Besucherfrequenz stark gestiegen

Seit 2016 sei die Besucherfrequentierung des Hauses stark angestiegen. Lag sie 2016 noch bei durchschnittlich 25 bis 35 Personen pro Tag, besuchten derzeit zwischen 50 bis 65 Personen die Einrichtung, außerhalb der Corona-Krise. Von diesen Menschen seien 40 bis 45 Personen Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan.

Ziel des Projektes von Sebastian Kroll ist es, Vorurteile zu überwinden und ein gegenseitiges Kennenlernen der Jugendlichen zu ermöglichen. Den Geflüchteten hilft Kroll sich zu integrieren, Bewerbungen zu schreiben und das Behördendeutsch zu verstehen. „Das ist manchmal gar nicht so einfach“, weiß der 35-Jährige.

Auf jeden Fall weiter mit Kindern und Jugendl

Zusammen mit den Jugendlichen und seinen Kollegen realisierte er seit 2017 zahlreiche Aktionen, wie den Bau von Möbeln aus Holzpaletten, Billard-Turniere und Grafitti-Projekte und einige Ferienfahrten. Besonders in Erinnerung geblieben sind Kroll, der im Fußballverein FVS Borussia Genthin als Trainer arbeitet, die Fußball-Turniere, die er mit den Jugendlichen veranstaltete. Ob er einen Plan B hat, falls die Stelle im Morus-Haus nicht verlängert werden kann? „Das fragen mich im Moment ziemlich viele Leute“, sagt Kroll. „Ich möchte auf jeden Fall weiterhin im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit tätig sein.“