Seit Anfang September hatten die Restauratoren Antje Neukirch und Dirk Knüpfer an dem romanischen Wandbild-Zyklus in der Hohenseedener Kirche gearbeitet. Rund 500 Arbeitsstunden sind zusammen gekommen.

Hohenseeden l „Wir sehen viel mehr als eigentlich zu erwarten war. Da gibt es viele Gesichter und Augen, die vorher nicht zu erkennen waren“, brachte Gabriele von Reinersdorff ihre Freude zum Ausdruck. Und Pfarrer Thomas Seeber fügte hinzu: „Ich freue mich, dass wir jetzt eine Erlebnisreise machen können.“

Das Wandbild ist etwa 18 Quadratmeter groß. Durchschnittlich arbeiteten die Restauratoren drei Tage pro Woche an diesem Wandbild, da sie auch noch in anderen Objekten tätig waren. Dirk Knüpfer: „Alles lief ohne Stress ab. Es war ein sehr angenehmes Arbeiten.“ Gearbeitet wurde mit Strichertusche. Damit wurden die fehlenden Stellen geschlossen. „Rund eine Million Striche kommen für dieses Wandbild zusammen“, erklärte Dirk Knüpfer. Gefreut hat die Restauratoren auch, dass stets interessierte Leute in die Kirche kamen, um sich einen Eindruck vom Stand der Arbeiten zu verschaffen.

Bilder

Grobe Voruntersuchungen

Im Vorfeld waren einige grobe Voruntersuchungen durch die Denkmalpflege erfolgt. Darauf folgte die Reinigung, weil das Wandbild von einem weißen Schleier überzogen war. Die oberen und unteren Bereiche des Wandbildes wiesen danach die gleiche farbliche Intensität auf.

In einem kleinen Bereich des Wandbildes hatten Antje Neukirch und Dirk Knüpfer einen hohen Salzgehalt festgestellt. Mit Hilfe einer Kompresse wurde das Salz im Rahmen der Arbeiten abgefangen. Diese Salzflächen waren aber sehr gering. Die Trockenlegung der Kirche im Jahr 2012 war gut für das Wandbild. Industrieluft, die viele Schäden verursachen würde, konnte der Kirche nicht viel schaden.

Arbeiten unter Kerzenlicht 1910

Das, was den Restauratoren vorlag, war der Zustand aus dem Mittelalter und den Zutaten von 1910. Im Zuge der Erneuerung der Kirche im Jahr 1910 durch Professor Seeck aus Berlin war die jahrhundertelang überstrichene Wandmalerei aus dem 12. Jahrhundert entdeckt und freigelegt worden. „Der Glanz aus alten Zeiten ist aber nicht wiederherstellbar. Der Alterungsprozess geht weiter“, erklärte Dirk Knüpfer. So waren beispielsweise die Putzergänzungen rot gefärbt. Die Restauratoren stellten fest, dass damals wohl mehrere Leute an dem Wandbild gearbeitet hatten. Unter den einzelnen Bildern fand man eine durchgängige Putzschicht. Für die Wiederherstellung des Mäanderfries mit gemalten Fransen wurden zunächst Musterflächen erstellt. Dirk Knüpfer: „Man kann hier viel erfahren und sich reinlesen. Wir sind die Interpreten des Bildes.“

Die Restaurierungsarbeiten fanden in der sehr gut ausgeleuchteten Kirche statt. Dirk Knüpfer vermutet, dass die Arbeiten im Jahr 1910 wohl noch unter Kerzenlicht stattgefunden haben müssen. Damit lassen sich eventuell die aufgetretenen Ungenauigkeiten erklären.

Erhalt des Kulturerbes

Zum Erhalt dieses Kulturerbes sind zahlreiche Arbeiten erforderlich. Dazu gehören die Erfassung des Bestandes, die Zustandserfassung mit der Befunduntersuchung und der Dokumentation sowie die Durchführung der Konservierung und der Restaurierung mit der Reinigung und Festigung der Malschicht und Retuschen. Dazu kommen die Abnahme und die ergänzende Wiederherstellung zurück gewitterter Putzoberflächen sowie die dazugehörige Dokumentation.

Das historische Kleinod in der Kirche, der romanische Wandbild-Zyklus, ist eine Wandmalerei aus dem Mittel- alter. Die erhaltenen zehn Bil- der aus dem 12. Jahrhundert bringen in zwei Reihen Szenen aus der Geburts- und Leidensgeschichte Jesu mit zeitgebun- denen Ausdrucksmitteln zur Darstellung. Interessant für die Besucher an dieser gemalten Arbeit ist, dass sie in Gestalt eines Wandteppiches hergestellt wurde. Er ist versehen mit einem rahmenden Mäanderfries und gemalten Fransen.

32.000 Euro Kosten

„Die Kosten für die Restaurierung des Wandgemäldes in der Hohenseedener Kirche liegen bei rund 32 000 Euro. Mit 75 Prozent, etwa 24.000 Euro, wird das Projekt von Leader gefördert. 25 Prozent, rund 8000 Euro, sind Eigenmittel der Kirchengemeinde“, so Pfarrer Thomas Seeber. Das Gerüst für die Arbeiten stellte die Firma Ebert aus Hohenseeden zur Verfügung. Übernachtungsmöglichkeiten gab es bei Familie von Reinersdorff.

Im Jahr 2021 wird es eine Kirchengemeindeversammlung geben, in der Antje Neukirch und Dirk Knüpfer ihre Arbeit vorstellen werden. Außerdem wird eine Dokumentation für die Kirchengemeinde, das Pfarramt und die Denkmalschutzbehörde erarbeitet.