Hohenseeden/Genthin l Hannelore Dominik-Philipp liebt Spargel. Sie wohnt in Burg. Für das Edelgemüse nimmt sie aber gern ein paar Kilometer Weg in Kauf: Als in Hohenseeden am Donnerstag der Spargelverkauf startet, ist sie eine der ersten in der Bauernscheune.

Hinter der Theke steht Karin Loll, die den Kunden bei der Auswahl der Spargelsorte hilft. „Die Lage des Verkaufstandes mit dem großen Parkplatz ist schon günstig“, sagt Patrick Wolter, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen.

Weißes Gold unter der Folie

In den zurückliegenden Tagen saß Patrick Wolter schon in den Startlöchern und schaute regelmäßig nach, wie weit das weiße Gold unter der Folie auf den Feldern ist. „Das Gespür dafür, wann es so weit ist, hat sich in den letzten Jahren schon entwickelt“, sagt Wolter. So wird in den Spargeldämmen immer wieder gegraben. „Es ist dann zu sehen, wie weit der Spargel noch von der Oberfläche des Dammes entfernt ist“, sagt Wolter. Wenn die ersten Spargelspitzen die Oberflächen durchbrechen, beginnt das Probestechen. 40 Kilo waren es beim ersten Mal. „Das ist für das erste Mal eine gute Menge“, stellt Wolter fest. Er hofft, dass das ein Zeichen für ein gutes Jahr ist.

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Jetzt reisen nach und nach die Spargelhelfer aus Polen an. „Bisher sind schon sieben polnische Arbeitskräfte da. In der nächsten Woche werden es schon 16 sein“, berichtet Wolter. Alle anderen seien bereits in den Startlöchern.

Auch die Transportfahrzeuge stehen schon bereit. Wolter setzt beim Verkauf durchaus auf den Großhandel, aber in erster Linie auf den Direktverkauf.

Drei wichtige Anlaufstellen

Am meisten wird über die Bauernscheune verkauft. An zweiter Stelle steht der Marktkauf in Burg. Eine weitere wichtige Anlaufstelle ist das Allee Center in Magdeburg. „Bisher haben wir dort im Untergeschoss verkauft“, sagt Wolter. Aber das wird sich in diesem Jahr ändern. „Wir haben jetzt dort einen Verkaufsstand im Eingangsbereich“, erzählt er. Weitere Verkaufsstände gibt es in Güsen, Genthin, Tucheim, Möckern, Gommern, Biederitz, Gerwisch und Dessau.

Spargelfest ist der Höhepunkt

Höhepunkt der Saison ist für die Agrargenossenschaft das Spargelfest in Hohenseeden am 25. Mai. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Einige Programmpunkte stehen fest. So sind wieder die Vereine aus Hohenseeden und Parchen mit im Boot. Ein Schausteller wird mit vor Ort sein, die Jagdgenossenschaft Hohenseeden zeigt einiges aus der Jagd, der Verein „Lindenblüte“ präsentiert sich, die Kita ist mit dabei, die Moskitos aus Parey beteiligen sich und auch die Spargelkönigin kommt. In den nächsten Tagen soll das Programm fixiert werden, dann wird auch der Ablauf dafür stehen.

Derweil schaut Wolter mit wachsamem Auge auf das Wetter. „Es hat nicht so viel geregnet in der letzten Zeit.“ Nach der Dürreperiode im vergangenen Jahr ist der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft vorsichtig geworden. „Die Trockenheit hat auch Einfluss auf die Spargelernte“, erklärt er. Nach dem heißen Sommer 2018 weiß er: „Viele landwirtschaftliche Betriebe sind von der Dürrehilfe abhängig“. Und: „Die Summen, die in Aussicht gestellt wurden, reichen bei weitem nicht“, kritisiert Wolter.

Am 23. Juni ist die Spargelzeit in Hohenseeden, wie bei den meisten Spargelbauern, vorbei. Hier hält sich Wolter an die alte Regel, am Johannistag mit dem Stechen aufzuhören.

Sehr früh gestochen

Genau am 1. April wurde auf den Äckern des Genthiner Spargelhofes Hoffheinz der erste Spargel gestochen. So früh wie schon lange nicht mehr, stellt Hofinhaber Henning Hoffheinz fest, der vor wenigen Wochen in einer Prognose Ostern als Auftakt für die Spargelernte abgegeben hatte. Die Tagesausbeute liegt gegenwärtig um 100 Kilogramm. „Also vorerst alles smutje“, sagt der gebürtige Niedersachse, der sich darauf einrichtet, dass das Spargel-Geschäft in den nächsten Tagen deutlich an Fahrt aufnehmen wird. 15 rumänische und sieben deutsche Erntehelfer stehen dafür bereit. Damit einher geht die Direktvermarktung, die sich zum Auftakt der Saison zunächst an der Genthiner Friedenstraße, direkt am Spargelhof an der Umgehungsstraße, in Osterburg und Uelzen auf Kundschaft eingestellt.

Erträge ungewiss

In welchem Maße die Trockenheit des vergangenen Jahres den Spargelpflanzen dauerhaft zugesetzt hat, bleibt für den Genthiner Spargelbauern in den nächsten Tagen und Wochen die große Frage. Am Kopf der Spargelpflanzen seien immer noch trockene Stellen auszumachen. Es sei derzeit ungewiss, ob und wie sich das auf die Erträge auswirken werde, meint der Spargelproduzent.