Parchen l Die Parchener Kirchenglocken läuten bald wieder elektrisch. „Wir können dann wieder beide Glocken in Betrieb nehmen“, erläutert Jürgen Schröder von der evangelischen Kirchengemeinde. Die neue Anlage ermögliche es, beide im Turm vorhandenen Glocken so anzusteuern, dass sie ganz weich anlaufen. „Das schont das Joch und den Glockenturm, da die Schwingungen nicht so abrupt beginnen und enden.“

Läutzeiten programmieren

Mit der neuen Elektronik können auch bestimmte Zeiten für das Läuten programmiert werden. „Dazu gehört etwa das Feierabendläuten um 18 Uhr, das für viele auf dem Land ein Stück Tradition ist“, sagt Schröder. Auch ein Mittagsgeläut oder das Glockenläuten zum Jahreswechsel sei programmierbar. „Die klassische Handsteuerung gibt es aber nach wie vor.“ Mit der Erneuerung der Anlage war in den vergangenen Tagen Rigo Rudel von der Firma „Glocken und Turmuhren Christian Beck“ aus Kölleda befasst. Er legte eine komplett neue Verkabelung, schloss die Schaltanlage an und sorgte dafür, dass künftig zuverlässig geläutet werden kann.

Glocken aus unterschiedlichem Material

Das funktioniere ein wenig wie eine Zeitschaltuhr im Haushalt, erläuterte der Experte. „Die Parchener Glocken haben einige Besonderheiten“, fügte er hinzu. Eine der beiden Glocken ist Eisenhartguss aus den 50er Jahren. „Das findet man häufig dort, wo nach dem Krieg die Glocken erneuert werden mussten.“ Die andere Glocke sei eine wesentlich ältere Bronzeglocke aus dem Jahr 1934. Das ist die klassische Glockenart. Ein Gemisch aus etwa 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Zinn.

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Allerdings war das Material heiß begehrt: Auch für die Herstellung von Waffen, zum Beispiel Kanonen, wurde es verwendet. Daher könne eine Glocke im Zweiten Weltkrieg verschwunden sein. Dass beide Glocken noch recht jungen Datums sind, erklärt Jürgen Schröder so: „Im Oktober 1934 brannte der Kirchturm ab, daher mussten danach die Glocken erneuert werden.“

Die Eisenhartguss-Glocken, oder wie der Volksmund sagt Gusseisene, haben einen weiteren Nachteil: Sie verschleißen schneller. Allerdings schrecken viele Pfarreien vor der Investition für neue Bronzeglocken zurück, denn schnell ist ein Betrag von mehreren Zehntausend Euro beisammen. In Parchen tun noch beide Glocken ihren Dienst. Noch etwas fällt dem Experten in den Blick, was er eine Mode des frühen 20. Jahrhunderts nennt: Das eiserne Joch, in dem die Glocken befestigt sind. „Glocken gehören eigentlich auf ein hölzernes Joch, wenn man will sind Glocken Musikinstrumente und müssen klingen.“ Das gehe nur auf Holz.

Dass der Klang nicht ganz optimal ist, wissen auch die Parchener. Das ist aber das kleinere Übel. Jetzt überwiegt die Freude darüber, dass in der Kirche wieder vernünftig geläutet werden kann.