Genthin l Den Figuren des Genthiner Wasserturms droht der langsame Verfall. Die Betonplastiken sind schadhaft, ein Arm der Arbeiter-Statue ist bereits abgefallen, an den anderen verbleibenden drei Betonfiguren sind deutlich Risse zu erkennen. Informationen der Volksstimme zufolge befinden sich bereits herabgestürzte Betonteile im Keller des Wasserturms.

Kurzfristig wird es für die in die Jahre gekommenen Skulpturen allerdings keine Ausbesserungs- oder Sicherungsarbeiten geben. Erst im Zuge der ohnehin geplanten Bauarbeiten am Wasserturm werden die Figuren heruntergenommen und dann bei Bedarf restauriert. Das gab Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) auf Anfrage der Volksstimme zur Auskunft.

Eigentlich sollte die Sanierung des Wasserturms bereits im vergangenen Jahr erfolgen. Dafür hatten Bund und Land eine 100-prozentige Förderung in Höhe von 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach einer Ausschreibung wurde jedoch deutlich, dass sich die Kosten auf 2,1 Millionen erhöhen würden.

Daraufhin hat die Stadt einen neuen Förderantrag beim Landesverwaltungsamt eingereicht, um die Mehrkosten zu decken. Derzeit rechnet die Verwaltung nicht mit einem Baubeginn vor dem Jahr 2021. Erhalten geblieben sind von dem 1935 erbauten Wasserspeicher nur noch vier der ursprünglich acht Figuren aus der Werkstatt des Bildhauers Wolfgang Schmitt, der Arbeiter, der Ingenieur, der Landmann und die Frau. Die anderen vier Plätze sind seit Kriegsende verwaist.

1945 wurden auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht der Wehrmachtssoldat, der SS-Mann, der SA-Mann und der Arbeitsdienstmann entfernt und im Erdreich verscharrt. Nachdem die verschollen geglaubten Figuren beim Bau der Umgehungsstraße in den 1990er Jahren wieder aufgetaucht waren, scheiterten Bemühungen, sie als „Trümmerhaufen der Geschichte“ in die Umfeldgestaltung des Genthiner Wahrzeichens einfügen. Kritiker des Vorhabens befürcheten, dass der „Trümmerhaufen der Geschichte“ zu einem Anziehungspunkt der rechten Szene werden könnte. Das Museum lehnte die Aufnahme der Skulpturreste ab.

Der künstlerische Wert der Skulpturen, die aus dem Jahr 1935 datiert sind, wird von Fachleuten als eher gering eingeschätzt.