Genthin l Larven von Kieferngroßschädlingen sind Waldarbeiter des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel noch in dieser Woche bei der so genannten Winterbodensuche auf der Spur. Eine akribische Arbeit, die es ermöglicht, aus der Anzahl und dem Zustand der gefundenen Puppen, Rückschlüsse auf den zu erwartenden Schädlingsbefall im kommenden Sommer zu ziehen.

Kahlfresser werden aussortiert

In den Nadelwäldern des Betreuungsforstamtes befinden zwischen Havelberg und Hohenseeden 42 ausgewählte Kiefernbestände mit jeweils zehn Suchflächen in einer Größe von je einem halben Quadratmeter, vorgegeben nach einem bestimmten Schema. Die Suche erfolgt in unmittelbarer Baumnähe, ausgehend vom Stammfuss. Dazu erfolgt zunächst das Ausheben der Humusschicht, die Winterschlafstätten der Schädlingspuppen, -kokons und -raupen, bis zum anstehenden Mineralboden. Der Aushub wird anschließend in Säcken in das Betreuungsforstamt nach Genthin gebracht. Dort wird der Humus von Waldarbeitern auf Tischen ausgebreitet und mühevoll zerkleinert, um anschließend die Puppen verschiedener forstschädlicher Schmetterlingsarten aussortieren zu können. Darunter befinden sich die von der Forstwirtschaft gefürchteten Kahlfresser, wie der Kiefernspinner, der Kiefernspanner, die Forleule oder die Kiefernbuschhornblattwespe. Jedes Vorkommen eines noch winzig kleinen späteren Kahlfressers wird genauestens dokumentiert.

Ergebnisse Anfang März

„Das ist zwar eine sehr eintönige, aber zugleich auch sehr anspruchsvolle Arbeit, die viel Erfahrung und Artenkenntnis erfordert“, sagt Forstamtsleiter Peter Sültmann. Die gefundenen Puppen werden in vielen kleinen Schachteln einsortiert und anschließend zur Auswertung in die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen geschickt. Dort wird das Material auf Parasiten, wie Bakterien und Pilzbefall untersucht. Denn solche Schmarotzer beeinträchtigen die weitere Entwicklung, die Metamorphose, der Forstschädlinge und können sie sogar zum Absterben bringen. Von der Stärke des Parasitenbefalls leiten die Forstleute dann auch die Entwicklung des zu erwartenden Befalls der Kiefernkronen ab. Mit den Ergebnissen der Winterbodensuche rechnet Forstamtsleiter Peter Sültmann etwa Anfang März.

Erweitere Nachsuche

Bis zu einem gewissen Schwellenwert kann ein Schädlingsbefall toleriert werden. Wird dieser überschritten, erklärt Sültmann, erfolgt eine erweiterte Nachsuche in dem jeweils betroffenen Kiefernbestand. Sie gibt Aufschluss darüber, ob sich der überschrittene Schwellenwert des jeweiligen Schädlings im gesamten Kiefernbestand und auch darüber hinaus bestätigt. Wenn das so ist, kann mit einer erhöhten Anzahl an sich entwickelnden Raupen gerechnet werden, die an den Stämmen der Kiefern empor klettern, um später die Nadeln der Kronen zu befressen, teilweise bis hin zum Kahlfraß.

Maßnahmen werden abgesprochen

Eine Empfehlung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, eine solche Nachsuche durchzuführen, erwartet Forstamtsleiter Peter Sültmann für den Bereich Ferchland. Er rechnet damit, dass dort die Warnschwelle bei der Forleule überschritten wird. Alle weiteren forstwirtschaftlichen Maßnahmen, die für diesen Fall notwendig seien, würden dann mit den Waldeigentümern abgesprochen.

Im Bereich Klietz/Kamern könnte es unter Umständen Probleme mit dem Kiefernspinner geben, mutmaßt der Forstamtsleiter. Doch hier sei die Winterbodensuche noch nicht abgeschlossen.

Dass die anhaltende Trockenheit im Sommer einen Schädlingsbefall bei der Kiefer zumindest begünstigt hat, will Sültmann nicht ausschließen. „Die Kieferngroßschädlinge befinden sich auf den Flächen des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel bisher allerdings in Latenz“, sind also zurzeit nicht auffällig. Der letzte Einsatz eines Pflanzenschutzmittels gegen Kieferngroßschädlinge im Betreuungsforstamt, das mit einem Hubschrauber ausgebracht wurde, liegt sechs Jahre zurück.