Ferchland/Parey l Im April 1998 war die Fähre Ferchland-Grieben nach einem Neubau von Fährschiff und Fährrampen eingeweiht worden. Zuvor war die Fährverbindung 40 Jahre unterbrochen gewesen. Mit erheblicher Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt hatten die damaligen Gemeinden Ferchland und Grieben, unterstützt von ihren Verwaltungsgemeinschaften und Landkreisen, die Fährverbindung wieder aktiviert. Das Fährrecht lag auf Ferchländer, beziehungsweise dann auf Elbe-Pareyer Seite.

Die Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft Genthin (QSG) hatte die Fähre zunächst betrieben. Aufgrund von Problemen der unterschiedlichsten Art versuchte die QSG bald, aus dem Vertrag auszusteigen. Mit dem 1. Oktober 2000 wurde die Fähre privatisiert. Dietmar Wagner und Joachim Gustavus kauften die Fähre von der Gemeinde.

Nach Privatisierung etabliert sich die Fähre

Die Fährverbindung etablierte sich. Stammnutzer, Touristen und Ausflügler zählten zu den Passagieren. Als ein großes Problem entpuppte sich zu dieser Zeit der Zustand der falsch konstruierten und viel zu niedrigen Fährrampen. Sie konnten mit Hilfe einer weiteren Förderung neu gebaut werden. Dadurch erhöhte sich auch die mögliche Betriebszeit der Fähre, weil bei höherem Wasserstand gefahren werden konnte.

Die Fähre lief zunächst gut. Durchschnittlich 10 000 Euro im Monat hatte die Fähre an Umsatz eingebracht. Im Frühjahr und Sommer waren es manchmal sogar bis zu 15 000 Euro, abzüglich der Kosten zum Beispiel für Löhne, Diesel und Versicherung. Ab es gab auch Wintermonate, in denen es keine Einnahmen aufgrund von Stillstandzeiten gab. So stand die Fähre im Jahr 2010 an 134 Tagen still. Das war ein Verlust von etwa 40 000 Euro. „Das gab den Ausschlag für den Insolvenzantrag, wobei aber auch persönliche Gründe noch mitspielten“, hieß es damals in der Volksstimme.

Zuversichtlich für einen rentablen Betrieb

Im Gemeinderat Elbe-Parey war man zu dieser Zeit zuversichtlich, dass auch in Zukunft ein rentabler Betrieb der Ferchländer Fähre möglich sei, auch in Regie der Gemeinde. Zunächst wurde aber angestrebt, dass ein privater Käufer die Fähre übernimmt.

Doch es zeichnete sich schnell ab, dass die Gemeinde die Fähre kaufen wird, trotz der zu dieser Zeit schwierigen finanziellen Situation. „Wenn wir Eigentümer der Fähre sind, bekommen wir Fördermittel vom Land für dann nötige Investitionen“, zeigte sich die damalige Bürgermeisterin Jutta Mannewitz optimistisch. Schon zu dieser Zeit war die Fähre im Landesverkehrswegeplan als „landesbedeutsam“ eingestuft. Auf der Seite des Landkreises Stendal war es vor allem Griebens Ortsbürgermeisterin Rita Platte, die sich mächtig ins Zeug legte. Auf der Seite des Jerichower Landes hielt Elbe-Pareys Bürgermeisterin Jutta Mannewitz die Fäden in der Hand, unterstützt vom Gemeinderat. Der damalige Landrat des Landkreises Stendal, Jörg Hellmuth, wollte Möglichkeiten der Mitfinanzierung prüfen.

Ab 1. März 2011 sollte dann die Fähre wieder zu eingeschränkten Zeiten verkehren, in Regie der Gemeinde Elbe-Parey. Es waren auch zwei Fährleute gefunden worden. Ein vom Insolvenzverwalter angebotener Pachtvertrag wurde abgelehnt und in letzter Minute war alles abgesagt worden. Das Verkaufsangebot bestand aber unabhängig davon weiter. Die Fähre hatte zu dieser Zeit noch TÜV bis 2012.

Bei Mitfinanzierung Beteiligung am Gewinn

„Es war alles vorbereitet, von der Benutzungsentgeltsatzung bis zum bestellten Fährkraftstoff, von der Versicherung bis zum angeheuerten Fährpersonal. Aber die Schallmauer des Insolvenzrechtes konnte der Gemeinderat mit all seinen Bemühungen und Angeboten nicht durchbrechen“, sagte sie zu dem kurzfristig wieder abgesagten Start des Fährverkehrs in Regie der Gemeinde am 1. März 2011. Der angebotene Pachtvertrag sei nicht akzeptabel gewesen. Die Tendenz ging nun in die Richtung, dass die Gemeinde die Fähre kauft. Der Kaufpreis wurde dann auf 150 000 Euro festgesetzt.

Die Gemeinde hoffte, nicht auf den gesamten Kosten sitzen zu bleiben. Die Landkreise Jerichower Land und Stendal sowie die Einheitsgemeinde Tangerhütte wurden angeschrieben, sich jeweils zu einem Viertel an den Kosten zu beteiligen. Die beiden Landkreise hätten sich positioniert, einen Teil beizusteuern. Von Tangerhütte und Grieben war signalisiert worden, dass man im Falle einer Mitfinanzierung auch eine Beteiligung am Gewinn haben möchte. Dazu kam es aber nie. Nach den ersten vier Wochen stand noch ein Minus unter dem Strich. Dazu hatten auch erforderliche Reparaturen beigetragen. Mit der Vergabe von Werbeflächen sollten die Einnahmen auf der Fähre etwas aufgebessert werden.