Genthin l Bis zur zehnten Klasse warten die Genthiner Gymnasiasten, ehe sie ein Schülerpraktikum machen dürfen. Es soll möglichst am Wohn- oder Schulort durchgeführt werden. In Genthin und Umgebung 79 Praktikumsplätze zu finden, wo man in interessante Berufe hineinschnuppern kann, ist nicht ganz leicht. Schließlich interessiert sich jeder für andere Bereiche.

Bei der Organisation helfen

Und doch haben alle etwas gefunden. Tom Neumeister hat sich die Zahnarztpraxis in Güsen ausgesucht. Dort darf er bei der Organisation helfen, aber auch die eine oder andere Mischung anrühren. Barbara Birmuske befragt ihren Praktikanten nach physikalischen und chemischen Grundlagen. Ein weißer Kittel macht schließlich noch keinen Zahnarzt – aber Tom schlägt sich gut, so das Urteil der Expertin.

Dorit Böhm hat ihr Praktikum geteilt, um auf verschiedenen Gebieten Erfahrungen zu sammeln. Der Gemeindeverwaltung in Parey ist sie eine echte Hilfe, denn sie scannt Unterlagen ein und ordnet sie zügig in die Ablage. Luis Kühnl ist in der Kita Derben anzutreffen. Bei den „Elbschlümpfen“ ist immer etwas los. Luis hat den richtigen Draht zu den Kleinen und es macht ihm viel Spaß, mit den Kindern zu arbeiten.

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Viele Hilfsaufgaben

Mit seinen Schützlingen machte er auch einen Ausflug zur Firma Landtechnik Worch, der bei den Kindern besonders gut ankam. Auf dem Genthiner Betriebsgelände zeigen riesige klimatisierte Mähdrescher deutlich, wie stark sich die Arbeit bei der Ernte in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Mal eine Runde auf einem der großen Trecker zu drehen, wünschen sich nicht nur Kindergartenkinder. Auch Praktikant Hagen Büttner strahlt über das ganze Gesicht. Laurine Krippschock ist in der Verwaltung eingesetzt. Natürlich müssen Praktikanten anfangs viele Hilfsarbeiten übernehmen. Wer möchte schon einen Zehntklässler als Blindarm-Operateur?

Engagierte Schüler

Trotzdem gelingt es den Praktikumsbetreuern immer wieder, interessante Aufgaben an die Schüler zu stellen. Auch Elisha Langer darf nicht nur an den Behandlungen in der Ergotherapie Taschner-Ahlert teilnehmen. Sie informiert sich selbstständig in Fachbüchern über Krankheitsbilder und probiert aus, was Kinder zur Adventszeit mit Naturmaterialien basteln können. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Lehrerin Angelika Döbberthin ist verantwortlich für die Praktikumsbetreuung und zeigt sich erfreut, wie engagiert ihre Schüler in den meisten Unternehmen betreut werden. „In diesem Jahr haben sich besonders viele für das Logistik-Bataillon und die Polizei entschieden.“ Berufe in Uniform sind offensichtlich genauso im Trend wie Tätigkeiten im sozialen Bereich. Das lässt hoffen für Kindergärten, in denen männliche Betreuer fehlen, aber auch für Schulen, die unter Lehrermangel ächzen.

Möglichkeiten der Berufsinformation

Angelika Döbberthin sagt: „Nach dem Praktikum kehren viele Schüler reifer in die Schule zurück. Manche wissen dann, was sie auf keinen Fall werden wollen und gehen erneut auf die Suche. Andere haben bereits ihren Traumberuf entdeckt.“ Private Praktika werden sich anschließen. Am Uni-Tag besuchen dann alle Schüler die Otto von Guericke-Universität. Sie diskutieren mit Studenten, nehmen aber auch selbst an Lehrveranstaltungen teil.

Wer nach den Tests, Bewerbungsgesprächen und Informationsveranstaltungen der Studienorientierungswoche am Ende der elften Klasse immer noch nicht weiß, was er werden möchte, lässt sich im Magdeburger Berufsinformationszentrum beraten oder meldet sich zum Test an. „Für interessierte Schüler gibt es viele Wege, ihren Wunschberuf zu finden“, ist Angelika Döbberthin überzeugt.