Genthin l Nachdem der Verkauf der LFD Holding (Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland) an einen Schweizer Investor bekannt wurde, gibt es Signale, dass die notwendigen Vereinbarungen zur vollständigen Übernahme des Unternehmens unmittelbar vor dem Abschluss stehen. Damit kann der eigentliche Betriebsübergang schon bald über die Bühne gehen.

Berater aus Winsen

Das bestätigte auf Volksstimme-Anfrage die Lindhorst Gruppe aus Winsen (Niedersachsen), die die Terra Grundwerte AG als neue Eigentümerin in den laufenden Verhandlungen berät und unterstützt. Demnach sei geplant, dass bis zum 18. März 2020 alle notwendigen Verträge unterschrieben sind und der neue Eigentümer dann die Unternehmensführung übernimmt.

Der Treuhänder der LFD Holding, Christian Graf Brockdorff, informierte unterdessen, dass der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Jörn F. Göbert, dann planmäßig ausscheiden werde. Dazu, wer den vakanten Geschäftsführer-Posten zukünftig besetzen wird, wollte sich die Lindhorst Gruppe nicht äußern. Das sei noch Gegenstand von Verhandlungen, gab ein Sprecher zur Auskunft.

Abschied des bisherigen Geschäftsführers

Als Ansprechpartner in der LFD-Geschäftsführung fungiere in Genthin weiterhin Jörn Jobst, der bisher die Bereiche Administration, Recht und Einkauf verantwortete.

Jörn-F. Göbert, der als Sanierer des Straathof-Erbes 2015 bei der LFD Holding angetreten war, verabschiedete sich am Donnerstag bei der Stadtratssitzung von Genthin. Er bedauerte, die Zusammenarbeit mit der Stadt Genthin nicht fortsetzen zu können. Er ließ durchblicken, dass auch er Kaufabsichten gehegt hatte, aber letztlich leer ausging. In der Wirtschaft sei es so wie beim Autokauf. Wenn jemand anderes mehr bietet, kommt man nicht zum Zuge, sagte Göbert vor dem Stadtrat.

Bestehende Strukturen sollen bleiben

Den Verkauf der LFD an den Schweizer Investor hatten die Stadträte der Volksstimme-Berichterstattung entnommen. Kontakte zwischen Kommune, dem neuen Eigentümer und der Lindhorst Gruppe gab es bisher noch nicht. Die Gespräche würden nach der Betriebsübernahme sofort wieder aufgenommen, hieß es auf Nachfrage.

Die Lindhorst Gruppe erneuerte gegenüber der Volksstimme die Absicht, die bestehenden Strukturen der LFD Holding nicht antasten zu wollen. Ein Unternehmenssprecher sprach vorsichtig von „Optimierungen“ an einzelnen Standorten, ohne sich konkreter dazu äußern zu wollen.

Mietvertrag im TGZ bleibt

Gesichert sei, dass Genthin auch zukünftig der Hauptsitz des Unternehmens, das bis auf weiteres unter LFD Holding firmieren wird, bleibt. Auch die Lindhorst Gruppe sei im Rahmen ihrer Beratertätigkeit zu dem Schluss gekommen, dass der Firmensitz zentral liege und es keine Notwendigkeit gebe, ihn zu verändern. Daran werde nicht gerüttelt, hieß es.

Erst im November hatte die LFD Holding und das Technologie- und Gründerzentrum des Landkreises Jerichower Land den bestehenden Mietvertrag für die Räumlichkeiten im Gewerbegebiet Roßdorf um drei Jahre, bis zum November 2022, verlängert. Die LFD belegt in etwa Dreiviertel der gesamten TGZ-Immobilie.

Gladauer Anlage ist Kernstück

Die LFD Holding, sie betreibt 22 Standorte in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, gilt mit einer täglichen Produktion von 4000 Ferkeln als Marktführer in Deutschland. Allein in den LFD-Ställen Sachsen-Anhalts sollen knapp die Hälfte ihrer insgesamt 50.000 Sauen stehen.

Die Schweinezuchtanlage in Gladau gilt aufgrund ihrer Größe als ein Schwergewicht in der LFD-Gruppe. Gegen heftige Widerstände der Gladauer und Gegner der Massentierhaltung, vor allem aus dem Lager der Grünen, hat der Genthiner Stadtrat über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan den Weg frei gemacht für eine erhebliche Kapazitätserweiterung der Anlage, die in den nächsten Jahren vollzogen werden soll. Die LFD beabsichtigt, die Zahl der Tierplätze von bisher 27.233, darunter 7000 Sauen, auf 42.784 Tierplätze, davon 9750 Sauen, aufzustocken.