Dretzel/Gladau l Die Gladauer Ortschaftsräte haben in ihrer Sitzung am Mittwochabend in Dretzel alle vorgelegten Beschlussvorlagen zur Schweinemastanlage in Gladau abgelehnt.

Namentliche Abstimmung

Ortsbürgermeister Klaus Voth hatte eine namentliche Abstimmung beantragt. Der Vorschlag wurde einstimmig bewilligt. Nach allen Abstimmungen empfahl der Ortschaftsrat bei einer Enthaltung auf Antrag von Bernd Schüttlöffel, die Beschlussfassungen im Stadtrat am 21. Juni von der Tagesordnung zu nehmen und in einer Sondersitzung neu zu behandeln.

Als Grund wurde genannt, dass der neue Bürgermeister Matthias Günther am 21. Juni noch nicht im Amt ist. Er solle die Möglichkeit haben, bei der Entscheidungsfindung aktiv dabei sein zu können.

Sachstand dargelegt

Vor den Abstimmungen zu den vorliegenden fünf Beschlussvorlagen gaben die Ortschaftsräte ihr Statement ab. Ortsbürgermeister Klaus Voth stellte den anwesenden Bürgern noch einmal kurz den aktuellen Sachstand zur Schweinemastanlage dar.

Kurz zusammengefasst heißt das, dass sich ein Teil der Anlage nicht im Gebiet des Flächennutzungsplanes der Stadt Genthin befindet und damit nicht zum Gewerbegebiet gehört. Die LFD-Holding möchte deshalb das Gewerbegebiet erweitern. Dann würden auch ein Teil der Fienerstraße und des Kreuzweges zum Gewerbegebiet gehören. Für die Stadt Genthin würden keine Kosten entstehen.

Anlage hat positiv überrascht

Volker Thiem sagte, dass solche Anlage, die in Gladau seit den 70er Jahren steht, eigentlich in die Börde gehören. „Hier gehören Rinderanlagen her.“ Er sei bis jetzt aber zufrieden, dass die öffentliche Meinung zur Anlage gekippt sei.

Er sei von der Besichtigung der Anlage positiv überrascht gewesen. Geschäftsführer Jörn F. Göbert sei nicht zu beneiden. „Er muss die Schande von Straathoff ausbaden. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.“ Und fügte hinzu: „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Ställe leer stehen.“

Diskussion um Anzahl der Tiere

Marc Randel sprach sich dafür aus, die Rückbauauflagen zu erweitern. Er plädierte für 7200 Tiere als Obergrenze. Für Hilmar Kühne „werden sich die Tierzahlen und die Gülletransporte in den nächsten Jahren erhöhen“. Für Bernd Schüttlöffel bedeuten die angedachten Tierplätze noch eine Erhöhung gegenüber der Straathoff-Zeit.

Auch für Ortsbürgermeister Klaus Voth ist die angestrebte Tierzahl von 9750 einzustallenden Tieren keine Verringerung. „Das ist eine Steigerung um rund 30 Prozent.“ Da die Anlage später verkauft werden soll, stelle er sich die Frage, was der Nachfolger dann mache. Er sehe insgesamt höhere Belastungen auf die Bürger zukommen.

Änderung wird nicht empfohlen

„Leute, die nicht direkt betroffen sind, können leichter ,Ja’ sagen.“ Klaus Voth betonte aber auch, dass man nicht gegen die Anlage mit den genehmigten Zahlen sei.

Mit zwei Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen wurde der Vertragsentwurf für den städtebaulichen Vertrag mit der GLAVA GmbH und der FVZ Ferkelzucht und -vertreib GmbH zur Änderung des Flächennutzungsplanes abgelehnt.

Dafür hatten sich Volker Thiem und Marc Randel, dagegen Klaus Voth, Hilmar Kühne und Bernd Schüttlöffel ausgesprochen. Mit dem gleichen Abstimmungsergebnis und dem gleichen Abstimmungsverhalten der Ortschaftsräte wurde auch der Aufstellungsbeschluss, die Einleitung des Planverfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplanes inklusive einer Umweltprüfung abgelehnt.

Mit jeweils vier Nein-Stimmen bei einer Befürwortung wurden die übrigen Beschlussvorlagen abgelehnt. Nur Volker Thiem stimmte jeweils mit Ja. Betroffen waren der Bebauungsplan „SO Schweinezuchtanlage, zwei Biogasanlagen und die Futterzentrale Gladau“.