Genthin (ie/is) l Am heutigen Freitag wird es um 12 Uhr laut in Genthin. Das ist durchaus gewollt. Pfarrerin Beate Eisert von der Trinitatisgemeinde ruft die Genthiner auf, zum Fenster oder auf den Balkon zu gehen und zu klatschen, zu rufen, zu singen und auf Töpfe zu schlagen. „Machen Sie Lärm, um unsere Wertschätzung für all die großartigen Mitarbeitenden des Gesundheitswesens zu zeigen, die gegen das Coronavirus kämpfen. Ohne sie hätten wir keine Chance“, wirbt die Pfarrerin um eine rege Beteiligung. Dies sei eine Aktion, eine „einfache Geste, um Solidarität zu zeigen. Damit beteiligt sich die evangelische Gemeinde an einer europaweiten Aktion, zu der „WeMove Europe“ auf sozialen Netzwerken aufgerufen hat. „Lasst uns in dieser Notlage in ganz Europa vereint bleiben. In Italien, Spanien und Portugal haben sich die Menschen bereits zu Tausenden gemeldet, um Solidarität und Dank für die Mitarbeitenden des Gesundheitswesens zu zeigen“, heißt es auf der Facebookseite. „Machen wir alle mit und zeigen wir der Welt, dass ganz Europa vereint ist!“

Auch in der Genthiner Stadtverwaltung gibt es Interesse an der Aktion. „Wir werden uns beteiligen“, sagt Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) Allerdings nur mit gebührendem Abstand und sehr dezent. „Bleiben Sie zu Haus und machen Sie von dort aus bei der Aktion mit“, fordert der Bürgermeister auf. Es sei nicht ratsam, sich in Gruppen etwa auf dem Markt zu treffen.

Zeichen der Menschlichkeit

Ähnliche Aktionen waren ursprünglich vor einigen Wochen in Italien entstanden. Da dort die Menschen aufgrund von Ausgangssperren nicht mehr zusammenkommen durften, begannen sie vom Balkon aus zu musizieren, um ein Gemeinschaftserlebnis zu initiieren und ein Zeichen der Hoffnung und Menschlichkeit zu setzen.

Eine Reihe deutscher Großstädte sorgten in dieser Woche mit etwas anderen Aktionen für Furore. In Köln, Hamburg und Leipzig klatschten Menschen am Dienstag für Helferinnen und Helfer. Einen Tag später folgten die Berliner. Sie applaudierten minutenlang von Balkonen. Dadurch entstanden spontan Kontakte zwischen Menschen, die sich zum Teil gar nicht kannten. Sie riefen sich freundliche Worte zu oder grüßten mit leuchtenden Handys über die Straße.

Burger Glockengeläut für Dankbarkeit

Das ist aber nur eine Möglichkeit der Solidaritätsbekundung. In Burg geht man einen anderen Weg, um Dankbarkeit gegenüber den Menschen auszudrücken, die sich im Kampf gegen das Coronavirus engagieren. Die Mitglieder des ökumenischen Arbeitskreises Burg haben für die nächste Woche ein abendliches Glockengeläut der Burger Kirchenglocken angeregt, das täglich um 19 Uhr für zwei Minuten ertönen wir. „Wir als Christen wollen damit ein Zeichen der Solidarität und des Gedenkens setzen“, sagte Kathrin Feineis vom Bistum Magdeburg. Seite 14