Jerichow l Die Idee der Sommermusiken ist nicht neu – und doch muss sie immer wieder modifiziert werden. Das sagt selbstkritisch Marco Reiß, künstlerischer Leiter der Stiftung Kloster Jerichow. Auch Roland Maiwald, Vorsitzender der Stiftung, spricht von notwendigen Veränderungen, etwa im Bewerben der Veranstaltungen: „Wir wollen und müssen bekannter werden, auch auf der anderen Seite der Elbe.“

In diesem Jahr lag schon, früher als sonst, die Konzeption für 2020 vor. Damit habe die Stiftung Planungssicherheit und die Gäste wissen frühzeitig genug, warum es sich lohnt, sich auf den Weg nach Jerichow zu begeben. Planung heißt auch, laut Reiß, das vergangene Jahr auszuwerten, und sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen.

30.000 Besucher 2019

Waren 2019 auch 30.000 Besucher zu Gast und erlebten Veranstaltungen oder ließen in den stillen Backsteinmauern einfach mal die Seele baumeln, sollen es in diesem Jahr deutlich mehr werden. Die höheren Besucherzahlen erhoffen sich die Stiftungs-Mitglieder um Maiwald und Reiß von der Konzertreihe „Jerichower Sommermusiken“ und natürlich vom Ereignis des Jahres – der zweiten Auflage des Festivals „Jazz im Kloster“.

Reiß gilt als herausragender Organisator und exzellenter Violinist – doch „Auch ich bin kein Garant für ausverkaufte Konzerte“, gibt er zu. Eine Analyse der Konzertreihe „Sommermusiken“ 2019 ergab, dass man anfangs vor hunderten Gästen musizierte, dann fiel die Zahl der Zuschauer immer mehr ab. „An der Qualität der Künstler lag es nicht“, so Reiß. Eher war das Angebot zu groß, die Veranstaltungen zu zahlreich und der Zeitraum, von April bis in den Oktober, zu lang. Das habe sich jetzt geändert, statt neun Veranstaltungen im letzten Jahr, stehen aktuell sieben auf dem Programm der Jerichower Sommermusiken: Unter anderem mit Konzerten des Kammerchors Wernigerode (9. Mai), der Hallenser Madrigalisten (4. Juli), des Trio Italiana (26. Juli) und der Harfen-Künstlerin Jasmin Kühne (13. September). Außerdem ist den Organisatoren eine gesunde Mischung aus internationalen und regionalen Künstlern gelungen und obendrein passe das Thema „Sommermusiken“ jetzt auch dem Namen nach in die Jahreszeit von Mai bis September.

Abonnement-Karte für Besucherbindung

Bernd Witt, Geschäftsführer der Stiftung, stellt dazu eine neue Art der Besucherbindung vor: die Abonnement-Karte. Hier kann mit dem ersten Konzert eine Eintrittskarte zusammen mit einer Zählkarte erworben werden. Die Zähl- oder Rabattkarte wird dann mit dem Besuch eines jeden Konzertes entwertet. „Hat man sechs Konzerte besucht, braucht der Gast für die siebente Veranstaltung keinen Eintritt zu bezahlen“, so die Absicht des Geschäftsführers. Den Besuchern, gerade aus der näheren Umgebung sei kaum bewusst, so Witt, dass es für die Klosteranlage auch eine Jahreskarte gebe: „Die lohnt sich für Gäste, die öfter zu uns kommen.“ Anfang der 2000er-Jahre, erinnert sich Reiß, waren die Konzertreihen „sehr gut besucht.“ Mit der Pensionierung des Initiators der Sommermusiken, Museumsleiter Rolf Naumann, schliefen die Veranstaltungen ein. Mit dem Aufleben der Konzertreihe im letzten Jahr wollen die Stiftungsmitglieder einen langen Atem beweisen.

Auch das Programm für das zweite Jazzfestival stehe in wesentlichen Punkten, informiert Maiwald. Die Organisatoren haben sich darauf geeinigt, um Star-Jazztrompeter Till Brönner, dem Łukasz-Pawlik-Quartett aus Polen, dem italienischen Trio Giorgio Crobu, dem Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt und dem Dieter Ilg Trio, Nachwuchskünstler aus der Region zu platzieren. „Es ist unser Anspruch“, sagt Maiwald und betont, „wir wollen internationale Stars und Nachwuchskünstler zusammenbringen und beiden eine Plattform bieten.“ Das Till Brönner mit großem Ensemble anreist, freut die Stifter. Umso mehr, dass er sein neues Programm „On Vacation“ noch vor dem offiziellen Tourneestart im Herbst vorstellt. „Premiere-Start im Kloster“, bemerkt Reiß. Die weitgehend unveränderte Ausprägung der Anlage, die schlichte Schönheit des Klosters und seine Lage in einer reizvollen Umgebung bilden die einmalige Atmosphäre für ein internationales dreitätiges Jazzfestival. Das gefiel im letzten Jahr auch Trompeter Till Brönner und seinem Kontrabassisten Dieter Ilg. „Die Zusage kam wohl auch aus diesem Grund recht schnell“, sagt Maiwald und ist sich sicher, dass der Charme des Klosters nicht ganz unschuldig daran ist.