Genthin l Keine Wochenendruhe auf dem Hoffheinzschen Spargelhof an der Straße der Freundschaft in Genthin. Erntetechnik wird nach der Winterpause wieder flott gemacht, vor allem das Beseitigen der Sturmschäden steht jetzt noch an.

Auf den Äckern muss auf die Folien, die zur Ernteverfrühung ausgebracht wurden, Acht gegeben werden.

Henning Hoffheinz ist mit einer App jederzeit genauestens über die Temperaturverhältnisse unmittelbar unter den Folien bis zur Spargelwurzel im Bilde und weiß so genau, wann die Folien von wärmeanziehendem Schwarz auf das kühlere Weiß (oder umgekehrt) gewendet werden müssen. Die App zeigt ihm am Sonnabendmittag 26 Grad Celsius im oberen Bereich der Folie an, 14 Grad Celsius sind an der Wurzel angekommen. Eine gute Nachricht: Der Spargel reift!

15 Hektar von der 50 Hektar umfassenden Gesamtanbaufläche liegen unter Folien. Hier könnte, da ist Spargelbauer Henning Hoffheinz zuversichtlich, Ende der nächsten Woche der erste Spargel geerntet werden.

Das Erntegut wird von guter Qualität sein, macht der Fachmann den Verbrauchern Hoffnung, dafür habe der Frost der vergangenen Tage gesorgt.

Vermarktung in der Region

Läuft die Saison gut, will der gebürtige Niedersachse bis Johanni, dem 24. Juni, durchschnittlich fünf Tonnen unsortierte Rohware pro Hektar, das entspricht einer Verkaufsmenge von vier Tonnen, von seinem Acker holen. Der geht in gleichen Teilen in den Handel und in die Direktvermarktung unmittelbar vor Ort, aber auch in den Bereich Uelzen/Niedersachsen.

Darüber, wie sich die Preise für das Königsgemüse entwickeln werden, will der Landwirttechniker, der im Oktober 2015 mit seiner Familie nach Genthin kam, nicht spekulieren. Der Großerzeugerpreis lag zu Ostern für ein Kilogramm bei stattlichen 16/17 Euro. Mit wachsendem Angebot rechnet Hoffheinz wie alle Spargelbauern mit sinkenden Preisen.

Noch ist es nicht soweit und es herrscht angespannte Ruhe vor dem bald einsetzenden Sturm auf dem Spargelhof.

Vorerst sind 15 rumänische Erntehelfer vor Ort, ihre Zahl wird in den nächsten Tagen schnell auf 60 anwachsen. Dazu kommen 20 deutsche Saisonkräfte, die beim Verkauf und im Transport eingesetzt werden.

Bereits in den vergangenen Jahren waren rumänische Erntehelfer auf den Spargeläckern bei Parchen und Bergzow im Einsatz, die Hoffheinz über eine private Agentur anheuert. Er habe gute Erfahrungen mit den Rumänen gemacht, sagt Henning Hoffheinz. Etwa 70 Prozent der rumänischen Helfer des Vorjahres werden wieder in der Genthiner Spargerlernte dabei sein, im Bereich der Verarbeitung sind auch Frauen darunter. Der Chef des Spargelhofes und die ausländische Saisonkräfte verständigen sich miteinander in englischer Sprache. „Kein Problem, das klappt schon“, versichert Henning Hoffheinz.

Der Spargelhofbetreiber hat die Räumlichkeiten der alte Berufsschule Stück für Stück als Unterkünfte für die rumänischen Saisonarbeiter ausgebaut. Waren es im vergangenen Jahr vorwiegend 4-Mann-Zimmer, die sie bewohnten, können sie in dieser Saison vorwiegend 2-Mann-Zimmer beziehen. Für die Essenversorgung steht ihnen eine kleine Kantine zur Verfügung. Henning Hoffheinz ist es wichtig, Mitarbeiter an sein Unternehmen zu binden.

Frostschutz für die Kiwi

Wie fast alle Spargelerzeuger setzt auch Henning Hoffheinz neben dem Spargel als Hauptfrucht auf den Anbau einer Nebenfrucht. Ist häufig die Erdbeere der Begleiter des Königsgemüses, hat sich Hoffheinz für die Mini-Kiwi entschieden. Einem erstem Versuch machte der Frost im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung. Die Installation einer im Obstanbau üblichen Frostschutzberegnungsanlage soll nun das Reifen der Kiwis garantieren.