Schopsdorf l Hier einen Reifen aufpumpen, da ein wenig nachjustieren: Kurz vor den Starts geht es beim Schopsdorfer Seifenkistenrennen ähnlich geschäftig zu wie in den Boxengassen der Formel 1.

21 Starter und 13 Fahrzeuge sind am Sonnabend zusammenkommen, um sich auf dem Heinigtenweg zu messen. Die Schopsdorfer Besonderheit: Hier geht es nicht darum, wer am schnellsten fährt, sondern wer am weitesten kommt. „Und das wird auf den Zentimeter genau gemessen“, verspricht Karin Grasenack, Vorstandvorsitzende des örtlichen Feuerwehrvereins.

Fast das gesamte Dorf vor Ort

„Schopsdorf ist ja relativ flach. Darum haben wir uns für diese Variante entschieden“, erklärt Michel Schulz. Das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schopsdorf hat vor einem Jahr die Idee zu der Veranstaltung geliefert. „Und wir fanden sie so gut, dass wir sie unterstützt und gemeinsam umgesetzt haben“, sagt Karin Grasenack, die als Moderatorin fungierte.

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„Dass fast der ganze Ort hier zusammenkommt und die Teilnehmer so viel Energie und Enthusiasmus in das Rennen und die Vorbereitung gesteckt haben, zeigt, dass der Bedarf da ist“, sagt Ortsvorsteher Nils Rosenthal und fügt hinzu: „Solche Veranstaltungen halten die Dorfgemeinschaft zusammen.“

Eltern und Kinder tüfteln gemeinsam

Gestartet wird in zwei Kategorien und zwei Durchläufen. Es gibt die Altersklasse bis 14 Jahren und die Älteren ab 15 Jahren. Denn das Schopsdorfer Seifenkistenrennen ist eine generationenübergreifende Veranstaltung, wie Karin Grasenack erklärt: „Unser Anliegen ist es, mehr im Dorf zu veranstalten. Vor allem ist es schön, wenn die Eltern gemeinsam etwas mit ihren Kindern machen.“ In der Tat haben viele Familien gemeinsam an ihren Seifenkisten getüftelt. Und das nicht nur, um sie möglichst schnell, sondern auch hübsch werden zu lassen. Denn nach dem Rennen werden auch die schönsten Seifenkisten gekürt.

Nachdem im vergangenen Jahr einige Teilnehmer mit Gewichten getrickst hätten, um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen und dadurch weiter rollen zu können, wurde dem in diesem Jahr Einhalt geboten. „Die Wagen werden gewogen und dürfen mit dem Fahrer 150 Kilogramm nicht überschreiten“, sagt Karin Grasenack. Zudem darf das Gefährt keinen Motor haben und muss eine Lenkung besitzen. Mehr Voraussetzungen gebe es nicht.

Bauweise ist entscheidend

Zudem liege es gar nicht am Gewicht, sondern an der Bauweise, wie weit die Wagen kommen, stellt Karin Grasenack während der Rennen fest. Und neben dem Gefährt trägt auch der Fahrer selbst maßgeblich zum Erfolg bei. Deshalb gibt auch Aylin Mehlhase ihrer Schwester Lilly vor der Fahrt noch wichtige Tipps mit auf den Weg: „Nicht zu viel lenken, die Arme anlegen und nach vorne lehnen!“

Die meisten Fahrer haben bereits an der Premiere im Vorjahr teilgenommen. Zudem sind einige Neue hinzugekommen. Die „Wiederholungstäter“ haben während dieser Zeit fleißig an ihren Gefährten herumgeschraubt, um sie zu verbessern. „Die Männer haben das ganze Jahr ein Geheimnis um ihre Seifenkisten gemacht. Wenn es ums Gewinnen geht, sind sie wie kleine Kinder“, sagt Karin Grasenack lachend.

Auch Sieger plant Verbesserungen für 2020

Beispielsweise hat der Vorjahressieger Axel Rulf einiges an seinem Gefährt geändert. „Eine andere Nase, eine andere Lenkung und eine neue Hinterachse“, zählt er auf. Und obwohl er erneut Erster geworden ist – ebenso wie Alwin Michelmann bei den Jüngeren – sieht Axel Rulf noch einiges Potenzial für das Rennen im nächsten Jahr. „Ich versuche, Lager und Lenkung zu verbessern“, sagt er. Mehr möchte er wegen der Konkurrenz aber noch nicht verraten.

Hauptkonkurrentin im vergangenen Jahr war Aylin Mehlhase, die den zweiten Platz errang. Und so ist auch in diesem Jahr die spaßige Rivalität zwischen den beiden förmlich als Knistern in der Luft zu spüren. Als Aylin Mehlhase, wie zuvor ihre Schwester, mit dem „Hasenmobil“ angetreten ist, steht jedoch fest: 2019 reicht es nur für den fünften Platz. „Es geht besser. Aber nächstes Jahr dann!“, zeigt sich die Schopsdorferin nach ihrer Fahrt optimistisch. Denn dass es 2020 eine Fortsetzung geben wird, sind sich alle Teilnehmer sicher.

Dann möchte auch Ortsvorsteher Nils Rosenthal seinen Hut in den Ring, oder besser einen Seifenkistenwagen ins Rennen werfen. Gemeinsam mit seinem Sohn Friedrich Rosenthal rechnet er sich gute Chancen aus. Doch zunächst müssen die beiden ein fahrtaugliches Modell auf die Beine, pardon, Räder stellen.