Genthin l Es klingelt am Montag an einer Tür irgendwo in Altenplathow. Als geöffnet wird, stellt sich ein Mann vor, der angeblich im Auftrag der Malteser Spenden sammelt. Der Altenplathower zögert und will nicht gleich zur Geldbörse greifen. Genau lässt sich der Wortlaut des folgenden Dialogs nicht mehr rekonstruieren, jedenfalls verweist der Altenplathower auf das Deutsche Rote Kreuz, für ihn eine bekanntere Adresse solcher Sammlungen als die Malteser. Doch der Mann, der angibt, für diese Hilfsorganisation unterwegs zu sein, versucht daraufhin, den vermeintlichen Mitbewerber auszustechen. Das DRK, soll er gesagt haben, befinde sich in Zahlungsschwierigkeiten. Klare Botschaft an den Altenplathower: Willst du spenden, bist du bei uns besser als beim DRK aufgehoben. „Solch ein Auftreten, mit unrichtigen und nicht zutreffenden Aussagen zu agieren, verunsichert die Bürger. Das ist einfach unseriös“, sagte am Dienstag ein verärgerter Andy Martius, Vorstand des DRK-Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land.

Gewinnung von Fördermitgliedern

In der Tat, das bestätigt eine Anfrage bei der Landesgeschäftsstelle der Malteser, läuft gegenwärtig in Genthin, wie auch in Stendal und Magdeburg, zwar keine Sammelaktion, wohl aber eine Aktion zur Gewinnung von Fördermitgliedern. Dabei würden die Mitarbeiter über aktuelle Projekte der Malteser informieren und Bürger für eine dauerhafte Spende als Fördermitglied gewinnen. „Es werden und dürfen keine Bargeld- und Sachspenden angenommen werden“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Die Akquise von Fördermitgliedschaften sei eine wichtige Sache für den Malteser Hilfsdienst, um seine ehrenamtlich geprägten, sozialen Dienste im Sinne kranker und bedürftiger Menschen zu finanzieren, erklärt Pressesprecher Stefan Hofmeister. Dieses Vorgehen werde von allen Hilfsorganisationen auf die gleiche Art betrieben. Jeder Mitarbeiter der Malteser werde entsprechend geschult, um eine qualitativ ansprechende und professionelle Mitgliederwerbung durchzuführen.

Hofmeister geht konkret auf den Vorfall in Altenplathow ein: „Um die wichtige Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes im Jerichower Land wissend, sind wir selbstverständlich in Kenntnis, dass auch das DRK Spendensammlungen durchführt. Ein entsprechendes Fehlverhalten eines Mitarbeiters werden wir intern klären und alle Mitarbeiter nochmals schulen.“

Die Malteser haben für die Aktion ein Unternehmen beauftragt.

Stefan Hofmeister kann weder bestätigen noch ausschließen, ob in Altenplathow möglicherweise auch ein Trittbrettfahrer sein Unwesen getrieben haben könnte. Meistens würden solche Aktionen in ganz konkreten Gebieten über einen begrenzten Zeitraum durchgeführt. Wenn sich plötzlich ein Vorfall wie in Altenplathow außerhalb der beworbenen Bereiche ereigne, könne man relativ sicher sein, dass es sich um einen Trittbrettfahrer handele, meint der Pressesprecher. Das sei hier jedoch nicht der Fall.

Vorsicht ist nach wie vor geboten

Dass weder am Montag noch am Dienstag eine Anzeige aus Altenplathow wegen Betruges bei Haustürgeschäften bei der Polizei erstattet worden sei, gab Falko Grabowski, Pressesprecher des Polizeireviers Jerichower Land, zur Auskunft. Der Polizist mahnt jedoch ausdrücklich zur Aufmerksamkeit. Man könne nicht vorsichtig genug bei solchen Aktionen sein. Schließlich habe es in der Vergangenheit viele Beispiele dafür gegeben, dass Leute hier richtig abgezockt wurden. Auf jeden Fall sollten sich die Personen, die von Haustür zu Haustür gehen, ausweisen können. Ein gewissenhafter Blick auf die Papiere sei ratsam. Foto und Name müssen beispielsweise zusammenpassen, da gebe es viele Tricks, warnt der Pressesprecher.