Genthin l Wieder eine schlechte Brücken-Nachricht für Genthin. Die Brücke am Treidelweg wird in Kürze nicht mehr nutzbar sein. Eine Sonderprüfung durch einen Gutachter brachte wenig Erfreuliches ans Tageslicht und versetzt die Stadt nun in Zugzwang.

Die Brücke sei einsturzgefährdet, in ihrer Standfestigkeit erheblich beeinträchtigt, ein sogenannter Kolkschutz sei nicht mehr gegeben und eine drohende Unfallgefahr sind nur einige der aufgeführten gravierenden Mängel. Der Gutachter empfiehlt sogar einen Rückbau, also einen Abriss.

Soweit ist es jedoch noch nicht. Man werde zunächst darüber entscheiden, wie die Brücke abgesperrt werden kann, um eine Nutzung unmöglich zu machen, sagte Bürgermeister Thomas Barz (CDU) im Bau- und Vergabeausschuss.

Deren Mitglieder zeigten sich alles andere als erfreut über die Nachricht. Stadtrat Gerd Mangelsdorf (CDU) fügte an, dass die Brücke von vielen Passanten, besonders an Wochenenden, für einen Spaziergang genutzt werde.

Der Bau- und Vergabeausschuss hatte in der Sache zwar nichts zu entscheiden und den Sachverhalt lediglich zur Kenntnis zu nehmen, dennoch entwickelte sich ein bewegter Meinungsstreit.

Ja, reagierte Fachbereichsleiterin Dagmar Turian, das sei keine gute Nachricht, aber man müsse die Sperrung der Brücke akzeptieren. Die Stadt sei damit im Handlungszwang. Gegenwärtig sei nur zu klären, wie die Brücke zu sperren sei, pflichtet sie dem Bürgermeister bei. Sie verwies dabei auf die Brücke im Volkspark, bei deren Sperrung von Unbekannten die aufgestellten Baufelder zur Seite geschoben wurden.

Verantwortung nicht abschieben

Klaus Voth (CDU) kritisierte zuvor die Verwaltung, dass die Information über die Sperrung nicht mit dem Aufzeigen einer Perspektive für die Brücke verbunden gewesen sei.

Lutz Nitz (Die Grünen) gab zu bedenken, dass die Brücke für die Anlieger und Grundstückseigentümer wichtig sei. Mit einem Abriss gehe wieder ein Stückchen Genthin verloren. Horst Leiste (SPD) hob daraufhin auf die Anlieger ab: „Wenn eine Sperrung notwendig ist, müssen wir sperren. Die Stadt steht in der Verantwortung. Das ist nunmal so. Wir sollten die Verantwortung nicht von uns schieben. Wer privat die Brücke bauen will, sollte sie bauen.“

Der SPD-Mann bedauerte, dass es den Genthinern nicht möglich sei, sich entweder zu Fuß oder mit dem Rad entlang des Elbe-Havel-Kanals durchgängig durch das Stadtgebiet zu bewegen. Neben dem Kanalabschnitt in Höhe Sibau werde der Weg nun auch noch in Höhe der Treidelbrücke unterbrochen. „Es ist sehr traurig, aber wir haben diese Einschränkung, der wir uns beugen müssen.“

An dieser Stelle ließ Klaus Voth nicht locker: „Mir fehlt eine Aussage, ob die Brücke erhalten werden soll oder nicht. Was haben wir als Stadt vor?“

Bürgermeister Barz reagierte daraufhin etwas gereizt: „Es gebe jährlich spannende Vorschläge, welche Vorhaben die Stadt in Angriff nehmen könnte. Diese Vorschläge müssten dann allerdings den Sprung in den Haushalt schaffen“, spielte er den Stadträten den Ball zu.

Kontakt zur Behörde

Ein Neubau der Brücke wäre ein solches Thema, über das man später reden könnte. Vielleicht zum Haushalt 2019.

Für einen Neubau hatte der Gutachter einen Investitionsbetrag in Höhe von 140.000 Euro ins Spiel gebracht.

Bevor es allerdings einen Fortgang gibt, stellte Bürgermeister Barz in Aussicht, sich bezüglich der Brücke zunächst mit dem Wasserstraßenneubauamt Magdeburg ins Benehmen zu setzen. Der Stadt sei eine beabsichtigte Nutzungsart völlig unbekannt, sagte er.