Ohne Dienstleister geht es nicht

Städtische Bauhof-Kräfte allein können den Winterdienst in Genthin nicht mehr stemmen

Nach zehn milden Wintern schlagen Anfang dieses Jahres die Schneemassen in Genthin zu. Um die zu bewältigen, müssen zu den Bauhof-Kräften externe Dienstleister mit ihrer Technik dazu gebucht werden. Beschwerden blieben aber nicht aus.

Von Susanne Christmann
Winterdienstfahrzeug der Firma Bau Müller, die auf Anfrage der Stadt beim Winterdienst 2021 auf Genthins Straßen ausgeholfen hat.
Winterdienstfahrzeug der Firma Bau Müller, die auf Anfrage der Stadt beim Winterdienst 2021 auf Genthins Straßen ausgeholfen hat. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Heftiger Schneefall und Glätte haben den Winterdienst in Genthin Anfang Februar 2021 auf eine harte Probe gestellt. Hatte der Winter bis dahin ein Einsehen mit Genthin, schlug er nun mit heftigem Schneefall zu. Jetzt rächte sich, dass sich 20 Stadträte 2019 dazu verleiten ließen, aus Kostengründen und weil es seit 2011 nur milde Winter gegeben hatte, den Dienst erheblich zurückzufahren. Fachbereichsleiterin Dagmar Turian, die gerade erst die Verantwortung für den Winterdienst übernommen hatte, musste handeln. Denn die zehn Bauhof-Kräfte mit vier Fahrzeugen und vier geplanten Touren sowie die drei gebundenen Dienstleister mit vier Fahrzeugen und fünf Einsatzkräften konnten allein den Schneemassen nicht mehr Herr werden. Hätten vor dem Wintereinbruch zusätzliche Anfragen bei Baufirmen und Agrargenossenschaften bis zum Winterbeginn zu keinem Ergebnis geführt, halfen Baufirmen und Agrargenossenschaften dann doch mit, als es Ernst wurde, sagt der jetzt vorgelegte Winterdienstbericht aus.

Ein Gladauer Unternehmen bekam den Auftrag, als zusätzlicher Räumdienst auf den Fahrbahnen zu agieren. Auch die Baufirma Müller und die Agrargenossenschaft Paplitz rüsteten Großfahrzeuge mit Schneeschiebern aus. Letztere kümmerte sich in der gesamten Ortslage um die Beräumung. Wie aus dem Bericht, der am Montagabend im Ortschaftsrat in Mützel auf der Tagesordnung stand, weiter hervorgeht, mussten am 10. Februar die Fiener Agrargenossenschaften und zwei Genthiner Bauunternehmen extra dafür engagiert werden, zusätzlich zum Räum- und Streudienst die anfallenden Schneemengen abzutransportieren.

Immer wieder musste nachberäumt werden

Für die Bauhof-Kräfte wurde Schichtdienst angeordnet. Gehwege, Haltestellen und Fahrbahnen der Dringlichkeitsstufe I und II mussten bei anhaltendem Schneefall immer wieder nachberäumt werden. Zu Lasten von Straßen der Dringlichkeitsstufe III. Auf diese hätten sich auch die meisten Beschwerden bezogen. In der Dorfstraße in Schattberge sei zum Beispiel ein einzelnes Grundstück nicht mehr erreichbar gewesen. Als der Notruf bei der Stadt einging, wurde die Beräumung umgehend veranlasst. Gefährlich war es auch in der Brandensteiner Straße in Gladau: Glättebildung bei Längsgefälle machten sie zu einem gefährlichen Ort. Auch hier sei, so der Bericht, Räumen und Streuen umgehend veranlasst worden. Und: Diese Straße wurde in die Straßenliste des Winterdienst-Planes aufgenommen.

Für die 70 400 Euro, die der Winterdienst noch in der Saison 2019/2020 gekostet hat, war er in diesem Jahr dann nicht mehr zu haben. Die Gesamtkosten für 2020/2021 belaufen sich, so steht es im Bericht, auch wegen der nötigen Schneeabtransporte, auf 122 310 Euro.

Michael Hünecke, stellvertretender Ortsbürgermeister in Mützel, will für die Freiheitstraße erreichen, dass auch sie in die Straßenliste des Winterdienstplans aufgenommen wird. Die Verhältnisse dort seien katastrophal gewesen, sagte er auf der Sitzung am Montag. Streckenweise hätte man dort nicht entlanglaufen können. Dagmar Turian versprach, das zu prüfen. Sie machte aber deutlich, dass solche Wünsche, die sicherlich auch noch aus den anderen Orten kommen werden - der Ortschaftsrat in Parchen tagt heute dazu, in Gladau morgen -, nicht unbegrenzt erfüllt werden könnten.

Im September steht der neue Plan

In Vorbereitung auf die kommenden Saison werden im Juli die Tourenpläne unter Berücksichtigung der Hinweise aus den Ortschaftsräten überarbeitet, die Stadt stimmt sich mit den Dienstleistern ab und schließt entsprechende Verträge. Im August werden der Einsatz- und Bereitschaftsplan für das Bauhof-Team erstellt und Lieferverträge für die Streumittel abgeschlossen werden. Im September wird in den Ratsgremien und den Ortschaftsräten über die Vorbereitungen zur neuen Winterdienst-Saison informiert.

Die Agrargenossenschaft in Paplitz hat als zusätzlicher Räumdienst beim letzten Wintereinbruch Straßen und Wege im gesamten Ort vom Schnee befreit.
Die Agrargenossenschaft in Paplitz hat als zusätzlicher Räumdienst beim letzten Wintereinbruch Straßen und Wege im gesamten Ort vom Schnee befreit.
Simone Pötschke