Genthin l Mit dem Neubau der Multifunktionshalle, deren Projektkosten sich nach ersten Rechnungen zufolge bei knapp vier Millionen Euro einpegeln, geht es Genthin ans Geld.

Auch wenn Kämmerin Janett Zaumseil ihre Ausführungen vorsichtig in den Konjunktiv setzte, machten ihre Beispielrechungen klar, dass die Finanzierung des Neubaus für die Stadt Genthin schwierig werden könnte.

Unter eine erste Veranschlagung des Vorhabens im Finanz- und Ergebnisplan der nächsten Haushaltsjahre setzte die Kämmerin ein nüchternes Fazit.

In einem mit sehr vielen Fragezeichen behafteten Kassensturz ermittelte die Kämmerin für das neue Objekt jährliche Aufwendungen in Höhe von 130.981 Euro, denen jährliche Erträge in Höhe von 96.667 Euro entgegen stehen. Damit ergebe sich ein jährlicher Zuschussbedarf für die Stadt in Höhe von 34.314 Euro. Der Zuschuss für das alte Stadtkulturhaus, der gegenwärtig von der Stadt gezahlt wird, beträgt 50.000 Euro.

Investitionskredit

Erstmals, holte Zaumseil aus, werde die Stadt 2021 nach Jahren harter Konsolidierung im Haushalt eine schwarze Null schreiben und einen Überschuss erzielen. Mit dem Neubau werde jedoch der Abbau der auflaufenden Liquiditäskredite ab 2021 nicht mehr in der geplanten Höhe möglich sein. Deshalb müsse die Stadt für den Bau der Multifunktionshalle einen Investitionskredit in Höhe des Eigenanteils von zirka 1,2 Millionen für die Dauer von zehn Jahren aufnehmen, da eine andere Finanzierung nicht möglich sei. Ein solcher Investitionskredit ist jedoch genehmigungspflichtig.

Der Haken: „Wir reden bei dem Neubau der Multifunktionshalle von einer freiwilligen Aufgabe und wir befinden uns in der Haushaltskonsolidierung, das sollte man bedenken“, empfahl die Kämmerin den Stadträten.

Fachbereichsleiterin Dagmar Turian ergänzte aus der Sicht des Bau-Ressorts, dass die bisher gehandelten Investitionszahlen nicht endgültig belastbar wären, weil es an der Jahnstraße Standortprobleme unter anderem bezüglich des Grundwassers und der Tragfähigkeit des Bodens gebe. Die finanzielle Konsequenzen könnten noch nicht beziffert werden.

Die Mitglieder des Fachausschusses reagierten auf die Ausführungen der Verwaltung eher skeptisch. „Ich fühle mich in meiner Annahme bestätigt, dass ein solches Projekt immer teurer wird, als ursprünglich veranschlagt“, warf Birgit Vasen (Die Linke) ein. „Ich bin zufrieden, dass endlich das Problem des Baugrundes angepackt wird“, sagte Horst Leiste.

Position des Landkreises

Einige Unbekannte blieben allerdings im Raum stehenbleiben. Vordergründig blieb dabei die Frage, ob der Landkreis in den angekündigten Neubau von Haus II des Gymnasiums eine Essenversorgung integrieren, oder ob er sich wie vom Landrat angekündigt, in die Mensa der Multifunktionshalle einmieten wolle. Im Kreistag gebe es jedenfalls noch keine Beschlussvorlage, erklärte Andreas Buchheister (CDU).

Günter Sander (Grüne) hinterfragte, ob es inzwischen eine feste Zusage seitens des Eigentümers des Stadtkulturhauses gebe, wie lange die Einrichtung noch zu nutzen sei. Er verwies auf eine Wahlkampf-Aussage von Lars Bonitz, wonach der Eigentümer des Stadtkulturhauses einer Verlängerung der Nutzung um zwei bis drei Jahre über 2021 hinaus zugestimmt habe.

Alexandra Adel, Abwesenheitsvertreterin des Bürgermeisters, sagte, dass die Stadt in dieser Angelegenheit noch keine offizielle Anfrage beim Eigentümer gestellt habe, dies aber auf Wunsch der Stadträte tun werde.

Heute werden die Mitglieder verschiedener Fachausschüsse sich zum Bau der Mulitfunktionshalle nichtöffentlich beraten.