Genthin l Die Vorbereitung der 850-Jahr-Feier war bei der jüngsten Stadtratssitzung eigentlich nicht als großes Aufregerthema gesetzt. Nach den Vorberatungen in den Fachausschüssen war zu erwarten, dass der Vorschlag der Verwaltung, die 850-Jahr-Feier an das Kartoffelfest zu koppeln, eine deutliche Mehrheit im Stadtrat finden würde. Doch Lisa Wolf (Die Linke) schickte sich an, allen Erwartungen einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen.

Kopplung mit Kartoffelfest

Wolf ging mit der Verwaltung ins Gericht und zerpflückte die Beschlussvorlage. Eine Kopplung der 850-Jahr-Feier mit dem Kartoffelfest sei aus ihrer Sicht nicht vertretbar. Das Stadtjubiläum sei ein Fest von historischer und einmaliger Bedeutung, das Kartoffelfest sei hingegen lediglich Rummel.

Wolf machte keinen Hehl daraus, dass für sie die Vorlage Makulatur sei. Beide Festivitäten passten nicht zueinander, blieb sie hartnäckig. In der Beschlussvorlage sah Lisa Wolf eine Bevormundung des Festkomitees, das mit der Vorgabe des Termins für die Festwoche in seiner Entscheidung eingeschränkt sei.

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Es sei allein die Angelegenheit des Komitees, über den Termin der Festwoche zu entscheiden, sagte Lisa Wolf mit Nachdruck. Mehrfach bohrte sie nach, wer die Kopplung beider Festivitäten angeregt habe. Alexandra Adel, Abwesenheitsvertreterin des Bürgermeisters, räumte daraufhin ein, dass dies auf Überlegungen der Verwaltung zurückgehe. So engagiert Lisa Wolf ihre Kritik auch vortrug, ein Funken ihrer Verärgerung sprang auf den Stadtrat allerdings nicht über.

CDU-Fraktion glättet die Wogen

Etwas besänftigend äußerte sich Horst Leiste (SPD). Roßdorf habe es mit der 650-Jahr-Feier vorgemacht, dass Jubiläum und Traditionsfest zusammenpassen, entgegnete er. Der Festumzug und das Brühtrogpaddeln habe ein stimmiges Festprogramm ergeben. Solch eine Kombination wäre durchaus auch in Genthin möglich.

Andy Martius (CDU-Fraktion) knüpfte noch einmal an seine Ausführungen hinsichtlich der Organisation an, die er bereits im Hauptausschuss vorgetragen hatte. Er gab zu bedenken, dass der Organisationsaufwand der 850-Jahr-Feier im Vergleich zu der 825-Jahr-Feier ein wesentlich höherer sein werde.

Abgelehnter Antrag

Für ihn stelle sich die Frage, wie man das Stadtjubiläum mit dem Kartoffelfest miteinander verbinde, ohne das sich die beiden Festivitäten einander behindern. „Der Festumzug darf nicht in das Kartoffelfest hineinlaufen. Das wird organisatorisch nicht zu machen sein“, sagte Martius. Daraufhin stellte Lutz Nitz (Grüne) den Antrag, aus dem vorliegenden Antrag das Datum zu entfernen. Der Antrag blitzte allerdings ab, nachdem Andreas Buchheister (CDU) einwarf, dass dem vorliegenden Beschluss mit Terminangabe bei der CDU-Fraktionssitzung bereits zugestimmt wurde.

Die CDU-Fraktion war es dann auch, die versöhnliche Töne anstimmte. Der Beschluss sei eine „erste Idee für die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum. Die weitere Planung übernimmt das Festkomitee“, sagte Gordon Heringshausen. CDU-Fraktionschef Klaus Voth ergänzte: „Wir stimmen der Beschlussvorlage zu, denn der Stadtrat hat immer noch Möglichkeiten, in die weitere Planung einzugreifen.“ Die Beschlussvorlage passierte letztlich mehrheitlich den Stadtrat.

Vorbereitungen beginnen 2018

Demnach feiert Genthin in der Zeit vom 11. bis zum 19. September 2021 sein 850-jähriges Bestehen und verbindet dies mit dem 28. Kartoffelfest. Es wird ein Festkomitee, bestehend aus neun Mitgliedern, gegründet. Es wird über die Konzeption, den Ablaufplan und den Einsatz von Arbeitsgruppen entscheiden. Noch in diesem Jahr ist ein erstes Arbeitsgespräch des Festkomitees vorgesehen, so dass ein erster Entwurf der Arbeitsschwerpunkte mit einem Finanzplan vorliegt. Ende des Jahres sollen die Arbeitsgruppen ihre Arbeit aufnehmen.