Genthin l Jugendarbeit in Genthin wäre ohne das Thomas Morus-Haus nahezu undenkbar. Täglich besuchen rund 30 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren das Haus. Die Betreuung übernehmen sieben Mitarbeiter, unter ihnen als Leiter der Diplompädagoge André Eikel sowie die Erzieherinnen Birgit Heinzelmann und Birgit Klunter sowie seit dem vergangenen Jahr Erzieher Sebastian Kroll. Zudem verstärken Streetworkerin Petra Schiele sowie die Betreuer Silvana Schleef und Jürgen Herrmann das Team.

Erneutes Defizit

„Wir haben dadurch die Möglichkeit, eine pädagogisch hochwertige Arbeit anzubieten“, sagt André Eikel. Doch das Fachpersonal muss entsprechend bezahlt werden, dadurch entstand bereits zum wiederholten Mal eine Unterfinanzierung der Einrichtung. Die Stadt Genthin ist daher in die erneute Zusatzleistung gegangen. „Der Betrag ist ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr“, bestätigt Jugendhausleiter Eikel. Rund 4000 Euro wurden 2017 seitens der Stadt zur Verfügung gestellt, etwa ein Viertel des damaligen Defizits von rund 17 500 Euro. Der Landkreis hatte den Rest übernommen.

„Wir sind dankbar, dass uns die Stadt auch in diesem Jahr unterstützt hat“, sagte der Jugendhausleiter. Eikel hatte im nichtöffentlichen Teil des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses erneut für die finanzielle Unterstützung durch die Stadt geworben und war trotz Gegenwindes erfolgreich: Die Ausschussmitglieder empfahlen nach einer eingehenden Diskussion dem Stadtrat die Freigabe der Finanzmittel. Möglicherweise zum letzten Mal. Eine finanzielle Unterstützung gibt es auch vom Kreis. „Der Landkreis Jerichower Land fördert die offene Kinder- und Jugendarbeit im Jugendhaus Thomas Morus in Genthin per Fördervertrag mit jährlich 55 000 Euro“, bestätigt Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann.

Keine Entspannung

Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises habe im Jahr 2017 in einer Einzelfallentscheidung eine Ergänzungsförderung für die Einrichtung beschlossen. „Die Möglichkeit einer erneuten Ergänzungsförderung für das Jahr 2018 wird zurzeit geprüft“, berichtet die Landkreissprecherin. Entspannen wird sich die finanzielle Situation im Jugendhaus wohl nicht. Weil in der Einrichtung ausschließlich Fachpersonal beschäftigt ist, sind die Gehälter entsprechend hoch und werden weiter steigen. Wie in den kommenden Jahren dieses Defizit ausgeglichen werden könnte, ist nicht klar.

Weitere Probleme entstehen dadurch, dass das Gebäude in der Nähe des Genthiner Wasserturmes stark sanierungsbedürftig ist. Im vergangenen Jahr gab es bereits Überlegungen, das Jugendhaus im geplanten Veranstaltungsgebäude in der Jahnstraße unterzubringen. Sollte man dies tun, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, hatte der Jugendhausleiter seinerzeit erklärt. So müsste das Jugendhaus mindestens 300 Quadratmeter ganz für sich haben.

Dazu gehöre ein eigener Eingang, ein eigener Sanitär- und Küchenbereich, mehrere Räume für die offene Jugendarbeit sowie zwei Büros. Wie mit den steigenden Kosten für Personal und Gebäudeerhalt in den kommenden Jahren umgegangen werden soll, steht derzeit nicht fest. Ein Hoffnungsschimmer könnte die Zusage von Landrat Steffen Burchhardt sein, der im vergangenen Jahr verdeutlichte: „Wir haben die Finanzierung der Jugendarbeit im Kreis schon verändert und wollen noch mehr tun.“ Man wolle gezielt in qualifizierte Stationen investieren, sagte er damals und nannte als eine solche Stelle eben das Jugendhaus in Genthin.