Genthin l „We are with you, our friends from Genthin!“ (Wir sind bei Euch, unsere Freunde aus Genthin) wurde am Montagabend, unmittelbar nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt an Genthins Bürgermeister Thomas Barz gepostet. Bereits eine halbe Stunde nach dem Anschlag habe ihn die Nachricht aus der Partnerstadt erreicht, sagte Thomas Barz gestern. Er sei davon auch deshalb überrascht gewesen, weil ihm bislang nicht bekannt gewesen sei, dass in Radlin seine Facebook-Seite verfolgt werde. Es täte gut, von Freunden und Partnern zu hören, reagierte der Bürgermeister auf die Facebook-Nachricht. Mit den Grüßen aus Radlin schwingen in Genthin aber auch Fragen nach der Perspektive dieser Städtepartnerschaft mit, um die es in den letzten Monaten ruhiger geworden war.

Für Partnerschaft muss etwas getan werden

Es gäbe zwar regelmäßig Kontakte, aber leider ist der direkte Kontakt über das Gymnasium etwas zurückgegangen, muss auch der Bürgermeister feststellen. Der Schüleraustausch zwischen einer polnischen Schule in Radlin und dem Bismarck-Gymnasium war einst Motor für das Zustandekommen dieser Städtepartnerschaft. Seitdem der Schüleraustausch in diesem Jahr nicht mehr gepflegt wird, gibt es so etwas wie einen Stillstand der Beziehungen.

Das soll nicht so bleiben. Genthins Bürgermeister versichert jedenfalls, dass ihm die weitere Ausgestaltung der Partnerschaft am Herzen liege und er hoffe, dass sie wieder ein wenig mehr Gestalt annehme. Vor diesem Hintergrund meldeten sich gestern einige Stadträte zu Wort. Horst Leiste (SPD), der Radlin auch persönlich besuchte, sagte: „Ich bin sehr gerührt von der Anteilnahme Radlins. Ich bin auf jeden Fall dafür, dass wir die Partnerschaft aufrechterhalten. Im Stadtrat müssen wir uns im Klaren sein: Wenn wir das wollen, müssen wir auch etwas dafür tun.“

Private Kontakte werden gepflegt

Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen) dazu: „Ich finde es bemerkenswert, dass die Partnerschaft in Radlin immer noch gelebt wird und ich bin gerührt, dass man in dieser Situation an uns gedacht hat. Für mich ist dieser eine Satz ehrlicher gemeint als manche Betroffenheitsaussagen in der großen Politik.“ Neben Wolf-Rüdiger Francke und Gotthard Wienmeister vom Bismarck-Gymnasium zählte auch Lehrerin Kerstin Mosig zu den Wegbereitern der Städtepartnerschaft, indem sie über Jahre mit großem Engagement den Schüleraustausch mitorganisierte. „Die Geste unserer polnischen Freunde finde ich sehr nett“, sagte Mosig gestern. „Ich finde es schön, dass wir aneinander denken. Das Herz geht mir dabei auf.“

Kerstin Mosig steht, obwohl es zwischen den Schulen keine offiziellen Kontakte mehr gibt, immer noch privat mit der Dolmetscherin und der polnischen Schulleitung in Kontakt. Zum Neujahrsempfang der Stadt Genthin im Januar wird erneut eine Delegation aus Radlin unter der Leitung der Bürgermeisterin Barbara Magiera erwartet. Zwischen der polnischen Stadt Radlin und Genthin besteht offiziell seit 2009 eine Städtepartnerschaft.