Meilenstein

Stapellauf für „Elektra“ auf Derbener Werft: Weltweit erstes emissionsfreies Schubboot zu Wasser gelassen

Das weltweit erste emissionsfreie Schubboot, die „Elektra“, wurde auf der Schiffswerft Hermann Bartel in Derben erfolgreich zu Wasser gelassen. Damit wurde ein sehr wichtiger Meilenstein in diesem „Leuchtturmprojekt“ des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gelegt.

Von Bettina Schütze

Derben - Bis zur Schwimmfähigkeit der „Elektra“ wurden wesentliche Dinge umgesetzt. Bereits fertig ist der Schiffskörper und das hochfahrbare Stulpsteuerhaus wurde aufgesetzt. Installiert ist auch die Klimatechnik mit den zugehörigen Wärmepumpen. An Deck befinden sich die Brennstoffzellen. Eingerichtet sind auch der Schaltraum sowie der Batterieraum. Er ist mit etwa 250 Modulen mit einem Gewicht von über 20 Tonnen bestückt.

„Diese Arbeiten erfolgten größtenteils auf engstem Raum und unter schwierigen Bedingungen“, so Klaus-G. Lichtfuß von der BEHALA – Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH.

Verkabelung als größte Herausforderung

Eine der größten Herausforderungen für die Wertftarbeiter war bisher auch die Verkabelung der elektrischen Komponenten, der Energieerzeuger und Verbraucher sowie auch der Überwachungs- und Steuerungstechnik.

Von dünnen Datenleitungen bis hin zu armdicken Stromleitungen wurden über das ganze Schiff verteilt fast zwei Kilometer Kabel verlegt. Klaus-G. Lichtfuß: „Auch dies ist eine ganz neue Dimension im Gegensatz zu konventionellen Schiffen.“

Schiff wird am Kai weiter aufgerüstet

Am Kai der Werft wird die „Elektra“ jetzt weiter ausgerüstet und eingerichtet. Im Steuerhaus wird weitergebaut und auch der Steuerstand wird hier eingebaut. Außerdem wird die Wohnung ausgebaut und eingerichtet.

Es fehlt noch das Wasserstofftanksystem zur Versorgung der Brennstoffzellen.

Im Juni beginnen die Inbetriebnahmen der einzelnen Anlagen und des gesamten Energiesystems auf der Werft. Die Prüfungen und Abnahmen durch Sachverständige, Gutachter und die Untersuchungskommission der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung schließen den Bau- und Inbetriebnahmeprozess ab.

Elektra könnte Ende August in den Heimathafen Berlin Westhafen

„Sollte hier alles nach Plan laufen, kann die Elektra Ende August in den Heimathafen Berlin Westhafen überführt werden. In Berlin werden dann die Fahrten in unterschiedlichen Schubverbandskonfigurationen stattfinden, das endgültige Schiffsattest beziehungsweise das Gemeinschaftszeugnis kann ausgestellt werden und die Erprobung des Versuchsträgers kann beginnen“, blickt Klaus-G. Lichtfuß voraus.

Bei einem Gesamtprojektvolumen von zirka 13 Millionen Euro wird das Projekt durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit zirka acht Millionen Euro gefördert und vom Projektträger Jülich und der Nationalen Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie betreut und koordiniert.

Kiellegung im November 2019

Anfang November 2019 war die Kiellegung erfolgt. Im März 2021 konnte der Rohbau mit Hilfe schwerer Technik auf die Helling gebracht werden. Das Schubboot ist 20 Meter lang und 8,20 Meter breit. Es hat einen Tiefgang von 1,25 Meter und zirka 140 Tonnen Verdrängung.

Die „Elektra“ soll später Güter von bis zu 1400 Tonnen auf den Wasserstraßen Berlins und bis in die Hafenstadt Hamburg transportieren. Zu den transportierenden Gütern gehören zum Beispiel große Turbinen, Kies und Schrott.

Die Idee zu diesem Schiff entstand im Jahr 2015 am Institut für Schiffs- und Meerestechnik. Auftraggeber und künftiger Eigner ist die „Behala - Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft“.