Genthin l Kaum sei der Beitrag „Schlagloch an Schlagloch“ in der Volksstimme erschienen, sei am nächsten Tag ein städtischer Mitarbeiter erschienen und habe die Tiefe der größten Schlaglöcher in der Straße „In den Heinungen“ in der Altenplathower Silva-Siedlung abgemildert. Indem er ein paar Schippen roten Splitt hineinbeförderte.

Anwohnerin Burghild Koch ist für diese Notreparatur dankbar. Auch wenn nur die großen Löcher eine Splittladung abbekommen hätten und die kleinen nicht. Sie hatte in dem Volksstimme-Beitrag die Schlaglochseen nach einem Regenguss präsentiert und die Redaktion damit auf einen jahrelangen Missstand aufmerksam gemacht. „Endlich können wir wieder, ohne übergroße Vorsicht zu üben, aus der Haustür treten“, sagt Burghild Koch der Volksstimme am Telefon. Denn es würden nun nicht mehr alle Fahrzeuge wegen der Schlaglochgefahr auf den Fußweg vor dem Eingang, in dem Burghild Koch wohnt, ausweichen.

Nicht mehr ganz so gefährlich

Schon kurz nach der Notreparatur ist der rote Splitt zu großen Teilen von den Autos bereits wieder aus den Schlaglöchern herausgefahren. Aber die Mengen, die drin geblieben sind bewirken, dass die Schlaglöcher nicht mehr ganz so gefährlich tief sind.

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Der Volksstimme-Beitrag veranlasst Dirk Röber, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Genthin, auf einer Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses auf weitere Stolperfallen in der Silva-Siedlung hinzuweisen. Herausgebrochene, zerbrochene und durch darunter verlaufendes Wurzelwerk der Straßenbäume hochgehobene Platten lassen auch einen Abschnitt des Fußweges in der Hasenholztrift zur Gefahrenquelle werden. Eine Warnbake weist darauf hin. Auch auf dem Fußweg in der Großen Waldstraße, so Röber, gibt es einen Abschnitt, aus dem der Beton derart herausgebrochen ist, dass von der ehemals durchgängig glatten Betonoberfläche kaum noch etwas zu sehen ist. Es ist dem Feuerwehrmann wichtig, an dieser Stelle zu sagen, dass er der Stadtverwaltung keinen Vorwurf machen, sondern sie lediglich darauf hinweisen möchte, dass nicht nur in der Straße „In den Heinungen“, sondern auch in der Großen Waldstraße und der Hasenholztrift Handlungsbedarf bestehe.

Mehr als ein Drittel in schlechtem Zustand

Genthins marode Gemeindestraßen und Fußwege reihen sich ein in einen Sachsen-Anhalt weiten Missstand. Mehr als ein Drittel der Städte- und Gemeindestraßen des Landes befinden sich laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) in einem schlechten Zustand. Die Studie, die am Montag vorgestellt wurde, sagt auch, dass in den kommenden Jahren knapp 3,7 Milliarden Euro in das 17.700 Kilometer lange Straßennetz des Landes gesteckt werden müssten. Den Berechnungen zufolge müsste das Land 80 bis 100 Millionen Euro für den kommunalen Straßenbau bereitstellen. Pro Jahr.

Hinzu kommt, dass nach einem neuen Gesetz, das noch im Dezember beschlossen werden soll, ab dem Jahr 2020 Anlieger keine Beiträge mehr für den Straßenausbau zahlen müssen. Dies soll zwar mit einer jährlichen Landespauschale von 15 Millionen Euro ersetzt werden. Die, so kritisieren Bürgermeister, lange aber hinten und vorne nicht.

Sanierungen erst 2021 möglich

So bleibt der Genthiner Stadtverwaltung nur zu versuchen, alle Sanierungsbedarfe im aktuell diskutierten Haushalt für das Jahr 2021 unterzubekommen. Was bei Genthins klammen Kassen schwierig wird.