Genthin l Klassentreffenstimmung in Genthin. Mehr als 20 junge Damen schwelgten kürzlich in Erinnerungen an ein in Genthin fast legendäres Tanzensemble. „Crazy pies“ („Die verrückten Süßen“) hießen sie und waren für anderthalb Jahrzehnte auf so gut wie allen Festen in Genthin vertreten.

Für Musical gegründet

„Die Formation war einst im Zuge des Musicals ,Drachen haben nichts zu lachen‘ entstanden und entwickelte sich danach zu einer feste Tanzgruppe im Bismarck-Gymnasium“, erinnert sich Sportlehrerin Kerstin Mosig, die das Ensemble einst maßgeblich mit aus der Taufe hob. Genau 20 Jahre ist das jetzt her, Grund genug um sich in großer Runde an die Geschichte der Gruppe zu Erinnern. Volkspark, Wasserturmgelände, Marktplatz. Die „Crazy pies“ bewiesen, dass es sich überall tanzen lässt.

Dazu kamen gemeinsam mit Chor und Sprechergruppe des Gymnasiums zahlreiche schulische Musical-Projekte, die für viele unvergessen bleiben. Insgesamt 66 Mädchen gehörten im Laufe der Jahre den „Crazy pies“ an, die 60 Choreografien entwickelten. Ob Disco-Fieber oder die wilden 60er Jahre – zu jedem Motto, das für Musicals im Gymnasium gewählt wurde, steuerten die „Crazy pies“eigene Tanzformationen bei.

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In ganz Deutschland verstreut

„Ich kann mich gut an den wunderbaren Zusammenhalt in der Gruppe erinnern“, erzählt Ulrike Möbes, die bis 2005 das Bismarck-Gymnasium besuchte. Sie hatte im Vorfeld des Treffens Kontakte in sozialen Netzweken, alte Telefonnummern und Anschriften genutzt, um die quer durch Deutschland verstreuten ehemaligen Mitglieder einzuladen.

„Die Meisten haben beruflich Fuß gefasst, einige sogar mit Doktortiteln“, sagt Kerstin Mosig. Dass viel Zeit vergangen ist, zeigt sich daran, das einige der Tänzerinnen Familien gegründet haben und mit ihren Kindern vor Ort waren.

Viel für das Leben gelernt

Bei den „Crazy pies“ hätten sie viel für das Leben gelernt, sagen die Tänzerinnen heute. „Ich wurde sehr durch die Auftritte geprägt und bin dadurch offener geworden“, bestätigt Ulrike Moebes.

Kerstin Mosig sei eine fördernde, oft auch fordernde Trainerin gewesen. Ab 2010 widmete sich Mosig in erster Linie schulischen Projekten. „Die Mädchen trainierten sich danach selber.“ Zwischenzeitlich unterstützt von Ulrike Moebes und Thuy Ninh Tran. Das nahm manchmal recht kuriose Züge an.

Choreografie am Computer getanzt

„Ich war für ein Jahr als Au-Pair im Ausland und habe die Choreografien via Skype meiner Schwester vorgetanzt, die es in Genthin den Mädchen vorgetanzt hat“, erinnert sich Thuy Ninh Tran mit einem Lachen. „Wir haben auch stets über unser Bühnenauftritt geschimpft, immer, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Mal sei die Bekleidung zu knapp, mal zu weit, mal zu bunt gewesen.

Thuy Ninh Tran war bis 2010 im Gymnasium und habe sich in ihrer aktiven Zeit immer auf die Übungsstunden in der Turnhalle gefreut. „Das war immer eine ganz tolle Atmosphäre.“ Dieser Funke sprang auch beim Treffen über. „Eigentlich sind wir alle aus verschiedenen Generationen der Tanzgruppe und haben uns trotzdem wunderbar verstanden.“

Ehemaliger Schulleiter zu Gast

Als quasi Ehrengast war der ehemalige Schulleiter Gotthard Wienmeister vor Ort. Er durfte sich der Runde anschließen, obwohl er in der Zeit der Namensfindung des Ensembles etwas scherzhaft für „Hupfdohlen“ plädiert hatte. „Das nehmen wir heute nicht mehr übel“, wurde augenzwinkernd aus der Runde kund getan. Ein wenig traurig sind die früheren Mitglieder, dass es das Ensemble nicht mehr gibt. Vor fünf Jahren hatten sie ihren letzten öffentlichen Auftritt.

Im Verlauf des Abends zeigte sich, dass waschechte Tänzerinnen nichts verlernen. Die „Crazy pies“ kennen ihre Formationen auch heute noch ganz genau. Einige Choreografien wurden aufgefrischt. Denn für alle heißt es nach wie vor: „Tanzen ist wie träumen mit den Beinen“.