Genthin/Brandenburg l Die Schüler warten in einem Klassenzimmer auf ihren neuen Lehrer, den „Klassen Feind“, vor allem um ihn fertigzumachen. Als niemand kommt, entschließen sie sich, selbst als Lehrer zu unterrichten, jeder erzählt von seinen Nöten, Hass, Angst und Sehnsüchten.

Konflikt endet blutig

Gleichzeitig steigt die Aggressivität, die Sprache wird vulgär und beleidigend. Am Ende eskaliert die Situation in einem blutigen Konflikt, als sie erfahren, dass kein Lehrer mehr kommen wird. Das ist der Stoff des Stückes „Klassen Feind“ von Nigel Williams.

Vor 40 Jahren wurde es in London uraufgeführt und war das erfolgreichste Bühnenstück des Jahres 1978. An Relevanz und Aktualität hat das Stück nichts verloren. Das Brandenburger Jugendtheater spielte die Aufführung an zahlreichen Terminen seit der Premiere im Frühjahr.

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Jugendliche schwer zu begeistern

In der vergangenen Woche waren Besucher des Jugendhauses Thomas Morus im Brandenburger Theater. „Es war gar nicht so einfach, die Jugendlichen ab 14 Jahre für einen kulturellen Abend zu begeistern“, sagt Jugendhausleiter Ronny Harzendorf. „Dennoch oder gerade deshalb lag es den Fachkräften am Herzen, gemeinsam dieses Stück zu besuchen.“

 Insgesamt 16 Jugendliche aus Genthin waren bei zwei vom Jugendhaus-Förderverein unterstützten Fahrten dabei. „Das Stück hinterließ Eindruck. Unterschiedlichste Charaktere, Gruppendynamik und Rollenbesetzungen in der Klasse 10a veranlassten unsere Jugendlichen zum Nachdenken, welche Rolle sie in bestimmten Situationen einnehmen und bedienen“, meinte Harzendorf nach einem Gespräch der Genthiner Besucher mit den Darstellern der Jugendbühne, die in etwa in ihrem Alter sind.

Genthiner loben Darsteller

„Die ganze Zeit Spannung und gut dargestellt, mich regt das Stück zum Nachdenken an“, meint etwa Besucher Collin. Die jungen Leute fanden sich in den Szenen wieder: „Die Rollen sind ja fast wie in meiner Klasse gewesen“, fand Jessica aus Genthin. Auch die Figur des Meinungsführers Fetzer regte die Genthiner Jugendlichen zum Nachdenken an.

„Fetzer ist ja eine coole Sau, aber selbst er kann nicht immer stark sein“, meint Emely. Die jugendlichen Zuschauer konnten sich in die Leistung der zwölf Darsteller hineindenken, wie Zuschauerin Abby formuliert: „Ich bin selber öfter auf der Bühne und weiß, wie schwer es ist, Mimik Gestik zu transportieren. Ich fand das Gezeigte toll.“

Für den neuen Leiter des Jugendtheaters Steffan Drotleff war es die erste eigene Inszenierung. Er übernahm das Ensemble im vergangenen Jahr von der langjährigen Regisseurin Christiane Ziehl, die das Jugendtheater als feste Größe aufgebaut hatte. Es wurde vielfach preisgekrönt.

Mit „Klassen Feind“ ist ein nahtloser Übergang gelungen. „Uns freut die Resonanz auf das Stück“, sagt Drotleff. Er sagt, dass die Aufführungen durch Mundpropaganda und die Werbung des Hauses sehr viele Zuschauer gefunden hätten.

Viele junge Zuschauer

„Es waren viele Schüler in den Stücken, aber auch junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren, also nicht gerade die typischen Theaterbesucher. Allerdings habe „Klassen Feind“ zu Beginn etwas mehr Anlauf gebraucht als klassische Aufführungen wie „Grete Minde“ oder „Frühlings Erwachen“. Die Schulen täten sich mit Klassikern leichter, da diese Schulstoff seien.

Möglicherweise wird dadurch auch das kommende Stück wieder stärker von Schulklassen angesehen werden. Dann steht „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller auf dem Programm. Es handelt von der Liebe zwischen einer der Bürgerlichen und einem Adelssohn, deren Beziehung durch niederträchtige Intrigen (Kabalen) zerstört wird. „Die Proben haben bereits begonnen“, sagt Regisseur Drotleff. Im April 2019 wird Premiere des Stückes sein.