Genthin l Im Sauseschritt mit Satire durch die Zeitgeschichte ging es im Programm „Morgen ist heute schon wieder gestern“, dass die 12. Klassen des Bismarck-Gymnasiums auf die Beine gestellt hatten, um die Kasse für den geplanten Abi-Ball aufzubessern. Und wie sollte man die Bevölkerung spendabel machen, wenn nicht mit Humor.

So band das Moderatorenduo Hannah Gehrmann und Dominik Butze die Zuschauer auch gleich mal in eine humorvolle Quizshow zur Vergangenheit ein, bei der etwa Fragen wie „Wie ist die deutsche Sprache entstanden?“ beantwortet werden mussten. Richtige Antwort: Durch den ersten Ernährungsberater der Welt. Der entkam einem jagenden Höhlenmenschen nur, weil er versprach: „Wenn du mich verschonst, mach ich dich fit und du läufst schneller als jedes Mammut und springst weiter als jeder Säbelzahntiger.“ Solche Angebote brachten schon die Höhlenmenschen zum Reden.

Enthüllendes aus dem Hause Luther

Enthüllendes boten die Schüler auch aus dem Hause Martin Luthers in Wittenberg. Da war der Reformator zwar mit der Bibelübersetzung beschäftigt und damit dem Volk aufs Maul zu schauen, aber im Haushalt rührte er keinen Finger. „Alles bleibt an mir hängen“, beklagte sich eine Fenster feudelnde Katharina von Bora. Und wenn ihr Gatte schon die deutsche Schriftsprache refomiere, möge er eines beherzigen: „Fang mit dem Wort ‚Putzen‘ an.“

Bilder

Bei der Stippvisite in die Gegenwart berichteten die Schüler darüber, dass der Verbrauch von Kopfschmerztabletten stetig steigt, insbesondere bei Schulleiter Volker Schütte. Dem wurde vom Hausmeister nämlich mitgeteilt, dass durch ein verunglücktes Chemieexperiment das Schuldach zuerst in die Luft und dann auf die erste Tischtennisplatte im Hof gefallen war, wodurch diese auf die zweite Tischtennisplatte stürzte. Nun möge der Schulleiter mit anfassen, für einen seien die Trümmer zu schwer.

Anlagetipps der besonderen Art

Eine modernisierte Version von Brechts „Dreigroschenoper“, präsentierten die Schüler mit Gesang und Text. Ganz nach dem Motto „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ empfahlen die Abiturienten ein ganz eigenwilliges Finanzierungsmodell, dass bei Schuldscheinen von Trinkbrüdern in einer Kneipe begann, mit „Fusel-Anleihen“ und „Suff-Sammelobligationen“ weiterging und bei Delirium-Garantie-Zertifikaten endete, die ganz wie einst faule Kredite an die Landesbanken verkauft wurden.

Ein richtig großes Geschäft für die Herausgeber der Obligationen. „Bis ein kleiner Sparkassendirektor von einem der Trinkbrüder ein bisschen Geld in Begleichung einer allerersten Rate sehen möchte.“ Wenn das Geschäft dann zusammenbreche, gäbe es zwei Möglichkeiten: „Entweder man hat seinen Learjet in Richtung Südsee geparkt oder man bittet die Regierung um einen Rettungsschirm.“ Auch die Zukunft wurde gestreift: In einer Tagesschau-Ausgabe aus dem Jahr 2030, zeigte sich, wie sportlich das Gymnasium immer noch ist. Lehrerin Silvia Bielke (heute Jugendtrainerin beim Laufverein Genthin) gewinnt den Ironman auf Hawaii.

US-Präsident mit neuer Aufgabe

Die alten Damen (heutige Lehrerinnen) des Bismarck-Gymnasiums liefern sich ein Fußballspiel und der heutige Mitschüler Pascal Rülke wird mit neuer Technik Skiflugmeister mit sechs Kilometern Flugdistanz. Ein echter Höhepunkt war der Besuch von Bundeskanzler Donald Trump, der gerade im Spreewald angekommen, bei der Zukunfts-Tagesschau Station machte. „Mutti Merkel habe er im Weißen Haus in Washington abgeliefert: „Es gibt Schüleraustausche, warum nicht auch Politiker-Austausche?“, fragte Trump.

Im Jahr 2050 hofft das Gymnasium auf den Gewinn des Namens „Heinz-Erhardt-Schule“, da der Lehranstalt immer noch nachgesagt werde, dass die Schüler dort nichts zu lachen haben. Sie bewiesen mit gekonnt vorgetragenen Erhardt-Gedichten, dass Schüler durchaus Humor und eine Chance auf den Titel haben. Dafür gab es tosenden Beifall des Publikums. Zum ersten Mal wurde das Programm in dieser Woche am Stück aufgeführt.

Seit dem Beginn der 11. Klasse, nach dem Besucher der „Magdeburger Zwickmühle“, hatten sich die Klassen mit einem Satireprogramm beschäftigt, viel geprobt und die Stücke neu arrangiert und umbesetzt. Am Ende wurde es ein rundes Programm, gespickt mit musikalischen Einschüben, die Hermann Döberthin am Keyboard begleitete. „Die Schüler haben nicht alle Bühnenerfahrung und doch hat es sehr gut geklappt“, lobte Lehrerin Angelika Döbberthin, die die Leitung innehatte. Damit war sie sich mit den Zuschauern einig: „das war richtig Klasse“, war immer wieder zu hören.