Genthin l Dass die Stadt bereits seit Jahren im Sparmodus ist, bekommt auch der Genthiner Tierschutzverein zu spüren. Jährlich reduziert die Stadt ihren Zuschuss an den Verein um 500 Euro. Von einst 2000 Euro ist der Betrag, den die Kommune an die Tierschützer überweist, mittlerweile auf 500 Euro abgeschmolzen. Dieser Betrag ist – vereinbarungsgemäß – vor wenigen Tagen auf dem Vereinskonto eingegangen. Es war allerdings die letzte Zahlung. 2020 stellt die Stadt den Zuschuss ein.

Das Geld ist stets für die Kastration von Streunerkatzen vorgesehen, hierfür erbringt der Tierschutzverein gegenüber der Stadt den Nachweis. Parey oder Jerichow bezuschussten den Verein bislang gar nicht. „Irgendwie“, sagt André Knopek, „werden wir die fehlenden Einnahmen für den Verein dann kompensieren müssen.“ Allein fast 10.000 Euro wurden voriges Jahr für die tierärztliche Versorgung gezahlt, davon mehr als 4800 Euro für Kastrationen. Zum jährlichen Gesamtetat des Tierschutzvereins kommen Heiz- und Fixkosten, Miete, Futter und einiges mehr. Sofern der Verein nicht allein in der Lage ist, finanziell Eigenanteile aufzubringen, kann er eine Förderung über den Deutschen Tierschutzbund, dessen Mitglied er ist, in Anspruch nehmen.

Katzen werden eingefangen und versorgt

So konnten die Tierschützer erst kürzlich einen notwendigen Lehrgang über fünf Tage kostengünstig in München absolvieren. Allerdings fallen hier, wie immer im Ehrenamt, auch private Ausgaben an: Fahrtkosten, Verpflegung und Unterkunft trugen die Mitglieder selbst, ebenso wie dafür fünf Tage privater Urlaub nötig wurden.

Der Verein zeichnet verantwortlich für zwei öffentliche Futterstellen für Katzen, die täglich etwa von 20 Tieren frequentiert werden. Sowohl diese Tiere, als auch die durchschnittlich 10 bis 15, die in der Auffangstation aufgenommen und später größtenteils vermittelt werden, werden auf Kosten des Vereins kastriert, untersucht sowie geimpft. „Wir wollen unsere Arbeit ordentlich machen, das ist unser Anspruch“, sagt Knopek.

Das gehe natürlich ins Geld. „Luxus können wir uns dabei nicht leisten“, meint André Knopek. Die 500 Euro aus der Kasse der Stadt mögen rechnerisch sicherlich ein überschaubarer Beitrag sein. „Doch in der Bezuschussung haben wir bisher immer eine Wertschätzung unserer Arbeit gesehen“, räumt Knopek im Namen der 32 Vereinsmitglieder ein. Trotzdem wollen die ehrenamtlichen Tierschützer weitermachen. In etwa 700 Städten und Gemeinden Deutschlands übernehmen mittlerweile die Kommunen auf der Grundlage des Ordnungsrechts die Kosten für Kastration von Katzen, um der massenhaften Vermehrung von wilden Katzen Einhalt zu gebieten. In Sachsen-Anhalt praktiziert dies bisher nur die Stadt Bad Dürrenberg. Der Genthiner Tierschutzverein muss sich auch weiterhin auf eigene Kräfte und Möglich- keiten verlassen. Die beschränken sich allerdings zum Großteil auf Futterspenden. „Mit Mitgliedsbeiträgen allein“, winkt Knopek ab, „kämen wir nicht weit.“

Finanziert durch Spenden und Unterstützer

Und auch Spenden einzutreiben, weiß André Knopek als Schatzmeister, sei kein leichtes Brot. Es gebe durchaus Dauerspender, bei denen sich der Verein ausdrücklich bedankt, es bedürfe aber immer wieder auch einer Ansprache, um weitere, dringend benötigte materielle und finanzielle Unterstützung für den Verein einzuwerben. Einen Partner hat der Genthiner Tierschutzverein dabei in der Tierarztpraxis Dr. Kühnel gefunden, die im Januar und Februar eine Kastrationsaktion bei Katzen und Katern durchführte. Als Anreiz für die Besitzer, mit ihrer Katze daran teilzunehmen, wurde für jede Kastration ein Betrag von fünf Euro als Spende der Praxis für den Tierschutzverein Genthin ausgelobt.

Also kein Klinkenputzen mit einer herkömmlichen Spendenbüchse. „Es meldeten viele Besitzer ihre Tiere zur Kastration an, einmal um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern, aber auch um mit der Aktion einen kleinen Beitrag für eine gute Sache zu leisten“, berichtet Knopek. „Uns Tierschützern“, sagt das Vorstandsmitglied, „gefällt diese Aktion natürlich. Nicht allein nur wegen der Spenden, sondern auch wegen der Menschen, die Verantwortung tragen und ihr Tier kastrieren lassen.“

Denn, gibt André Knopek die Erfahrungen der Vereinsmitglieder wider, es sei leider nach wie vor so, dass sich die Leute Tiere anschafften wie ein Handy und sich keine Gedanken über die Haltung und Pflege der Tiere machen. Auch Erbschaftsfälle gibt es: Die materiellen Werte und Geld werden gern genommen, aber das vom Verstorbenen so sehr geliebte Tier, dafür ist kein Platz. „Dies ist ein Übel in der heutigen Zeit, in der Dinge geliebt und Lebewesen benutzt werden – und nicht anders herum“, so André Knopek abschließend.