Jerichow l Blauer Himmel, die Sonne scheint, ringsum blühen die ersten Bäume. Frühlingszeit – und für Menschen, die heiraten wollen, ein klassischer Zeitpunkt, wenn die Corona-Pandemie mit ihren weitreichenden Einschränkungen nicht wäre. „So etwas hat unser Land, habe ich noch nicht erlebt“, sagt Anja Schünicke, Standesbeamtin der Stadt Jerichow.

Wie sich die nächste Zeit entwickle, kann sie nicht sagen, doch Empfehlungen und Hinweise zu Abläufen bei Trauungen kommen in immer kürzeren Abständen. Anfangs habe sie mit Standesamts-Kollegin Katja Gericke von Woche zu Woche geplant, jetzt gäbe es täglich Änderungen und Anweisungen, die zu beachten sind.

Anwesenheitsliste für Gäste

Eine Empfehlung des Gesundheitsamtes setzte sie bei einer Trauung am Freitag um: den Nachweis über die anwesenden Personen. „Damit im schlimmsten Fall das Amt nachvollziehen kann, wer alles an der Zeremonie teilgenommen hat“, erklärt Schünicke.

Außerdem habe man sich entschlossen, den feierlichen Rahmen weitgehend einzuschränken; leider. Begrenzungen gebe es auch bei der Anzahl der zugelassenen Gäste. In den beiden derzeit genutzten Trauräumen, dem Trauzimmer im Rathaus und dem Malzkeller in der Klosteranlage darf die Hochzeitsgesellschaft aktuell zehn beziehungsweise 15 Personen, einschließlich des Paares und des Standesbeamten, nicht überschreiten. Der räumliche Abstand zwischen den Gästen müsse gewahrt sein und dass lässt sich mit einer Beschränkung der Gäste erreichen, so schmerzlich es auch für das Paar sei. Auch die Dauer der Trau-Handlung schränkt Schünicke ein: „Wir dehnen das jetzt nicht mehr länger aus als nötig.“ Noch könne man eine gewisse Feierlichkeit gewährleisten, „schauen wir mal, wie lange.“

Die Standesbeamtin weiß von anderen Standesämtern, in denen das Paar sich allein trauen muss – nur noch das Ja-Wort sprechen, Ringe aufstecken und unterschreiben und dann wieder gehen, so Schünicke. Allen Paaren rät sie, egal wann sie sich vermählen wollen, Kontakt mit dem Standesbeamten zu suchen, am besten telefonisch.

Keine individuelle Note der Hochzeit

Viele Absprachen wurden bereits getroffen und „die sind jetzt nicht mehr zu halten.“ Der Sektempfang mit Livemusik und Taubenflug zum Beispiel wird nicht mehr gestattet, so dass mittlerweile die individuelle Note der Hochzeit verloren geht. Nur die Besonderheit des Vermählungsortes, das Kloster und das feierlich gestaltete Zimmer im Rathaus können im Moment über die Einschränkungen hinwegtrösten.

In Zeiten vor Covid-19 konnten im Trau-Raum des Rathauses bis zu 30 Personen Platz finden, im Malzkeller des Klosters gar bis zu 100 Gäste. In diesem und im nächsten Monat seien laut Schünicke fünf Hochzeiten geplant. Mit drei Paaren habe die Standesbeamtin schon gesprochen, diese wollen die Zeremonie auf das Nötigste reduzieren, inklusive der Anzahl der Gäste. Für viele Paare gehören Trauzeugen mit dazu, gefordert sind sie jedoch nicht.

Bisher noch nie erlebt

Sollte ein Paar dennoch unter Zeugen heiraten wollen, zählen diese mit in die Zahl der zugelassenen Gäste, weist Schünicke hin. Sie sei schon seit 20 Jahren Standesbeamte und habe schon einiges erlebt, doch für das, was aktuell geschehe, gibt es keine Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen könne.

Schünicke versucht dennoch aus jeder Hochzeit eine „Hochzeit“ zu gestalten, denn an diesem ganz besonderen Tag im Leben sollte sich jedes Paar erinnern – auch in Zeiten von Corona.