Genthin l „Wisst ihr noch, wie wir bei diesem Spiel waren?, Könnt ihr euch noch an diese Mannschaftsaufstellung erinnern?“, das Blättern in einem Fotoband mit Bildern und Spielberichten ruft manche Erinnerung wach. Jeder der 30 Teilnehmer in der Gaststätte Peti‘s Partyservice hatte eine Geschichte zu erzählen. Denn schließlich ist die BSG Einheit Genthin vor genau 40 Jahren nach der Kreismeisterschaft in die Bezirksklasse aufgestiegen.

Aufstieg war große Sache

„Das darf man nicht verwechseln mit der Bezirksklasse, das war damals etwas anderes“, sagt der ehemalige Spieler Klaus Bethke. Als Bezirksliga wurde im DDR-Fußball die höchste Spielklasse eines Bezirks bezeichnet. In der DDR gab es 14 Bezirke, die Aufgaben der Landesregierungen übernahmen.

Der Aufstieg seinerzeit war also eine große Sache, die es lohnte, zu feiern. Fünf Jahre spielte der Genthiner Verein auf dieser Ebene und war ein Aushängeschild für den Genthiner Fußball. „Damals hatten wir so gut wie kein freies Wochenende, manchmal haben wir zwei Spiele hintereinander absolviert“, erzählt Fritz Franke.

Franke ist gemeinsam mit Jürgen Schulze einer von zwei ehemaligen Spielern, die heute noch aktiv im Kreisfachverband Fußball im Jerichower Land tätig sind.

Als Betriebssport begonnen

Angefangen hatte alles nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals waren viele Betriebe Träger von Sportmannschaften. 1950 entstand die Fußballabteilung „Einheit“ als eine von acht Sektionen unter der Trägerschaft der Zuckerfabrik. Die Betriebssportgemeinschaft (BSG) wurde gegründet und bestand bis 1990. Nach der Wende wurde die BSG Einheit zunächst zum SV Einheit. 1992 schloss sich der Verein mit dem SV Chemie zu Borussia Genthin zusammen. Viele Namen prägten den Verein. Etwa Heinz Lucht, Hans-Jürgen und Joachim Thunack.

Letzterer ist in Genthiner Sportlerkreisen bekannt für ein kurioses Tor, eine abgerutschte Flanke, die durch Zufall im Netz landete. Während Mitspieler immer noch behaupten, der Ball war abgerutscht, hat Thunack immer beteuert, gezielt aufs Tor geschossen zu haben. Eine Trainerpersönlichkeit hat nicht nur die BSG Genthin geprägt: Klaus Gawlefsky. Er brachte den Verein durch sein Engagement voran, trainierte die 78er Elf.

Trainer hat Spieler geworben

Unermüdlich holte Gawlefsky Spieler auch aus den umliegenden Orten. „Er hat dann immer gesagt ‚Wer für uns spielt, kann nicht mehr gegen uns spielen‘“, erinnerte sich Klaus Bethke.

„Als wir uns vor fünf Jahren das erste Mal in großer Runde getroffen haben, war er im Rennen als Lokalmatador der Volksstimme-Aktion ‚Du bist spitze‘“, haben die Sportler noch im Gedächtnis. Gawlefsky legte damals ein unermüdliches Engagement an den Tag, erzählte überall von seiner Nominierung, selbst ehemalige Weggefährten, die fernab der Heimat wohnten, gaben ihre Stimme für das Trainer-Urgestein.

Gute Verbindung

Am Ende gewann Gawlefsky die Abstimmung mit großem Vorsprung. Vor zwei Jahren ist er im Alter von 77 Jahren verstorben. An ihn und an den verstorbenen Sportkollegen Jürgen Dannehl erinnerten die Teilnehmer der Runde genau wie an alle verstorbenen Sportkollegen.

Viel wurde über alte Zeiten geplaudert. „Wir haben uns seit fünf Jahren nicht gesehen, und es ist, als hätten wir uns gestern voneinander verabschiedet“, sagt einer der Teilnehmer. Der Zusammenhalt in der Gruppe sei immer noch da und alle. Auch Gastwirt Peter Schmieder gesellte sich später zu seiner alten Fußballertruppe. „Ich muss erst ein wenig arbeiten, später darf ich mit unter die Kollegen mischen“, meinte der Peti-Chef.

Es sei schön, dass es die Treffen gäbe und das man sich nach all den Jahren immer noch so gut verstehe, meinte er. Das sah man in der Runde genau so und befand: „In fünf Jahren treffen wir uns wieder.“