Geschichte

Tucheimer erkennen auf historischem Bild ihre Ortsdurchfahrt

Das Mitraten beim Fotorätsel war in dieser Woche nicht ganz so einfach: Aber vor allem Tucheimer erkannten die Ansicht ihres Ortes wieder.

Von Mike Fleske
Die Tucheimer Ziesarstraße in einer historischen Ansicht aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Tucheimer Ziesarstraße in einer historischen Ansicht aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Foto: Stadtarchiv Genthin

Tucheim - Eine für viele nicht ganz geläufige Straßenansicht galt es, in dieser Woche als Rätselnuss beim Heimatfotorätsel zu knacken. Dass die richtige Antwort nicht ohne Weiteres auf der Hand lag, war auch dadurch zu bemerken, dass die sonst gern eingesendeten kurzen Reime zu den gesuchten Orten diesmal ausblieben. Dafür konnten die Tucheimer auftrumpfen, die ihre Ortsdurchfahrt natürlich erkannten.

„Das ist die Ziesar-Ecke Feldstraße“, wusste etwa Susanne Schnorrer, die ihr Wohnhaus auf der historischen Aufnahme verorten konnte. „Das ist heute aber alles ganz neu gemacht“, verriet sie. Einen familiären Bezug hat auch Wolfgang Fritz aus Reesdorf zu der Aufnahme.

Trotz Umbau bleibt Vorgarten erhalten

Das ist der Teil Tucheims, wo mein Elternhaus stand. Es sei das Haus mit dem großen Giebel. Anja Hornemann aus Tucheim erkannte ebenfalls ihr Wohnhaus. Auch dieses sehe heute anders aus. Eins sei aber noch geblieben: „Der Vorgarten.“ Dieser konnte auch nach dem Umbau erhalten werden.

Die Tucheimer Ziesarstraße in einer heutigen Ansicht.
Die Tucheimer Ziesarstraße in einer heutigen Ansicht.
Foto: Mike Fleske

Kein Problem war das Rätsel auch für Gerhard Müller, seines Zeichens Chef der Original Fienerländer Musikanten. „Die Straße ist die musikalischste Ecke des Ortes, allein drei meiner Musiker wohnen in der Ziesarstraße“, sagte er. Müller konnte auch sagen, dass die Aufnahme den wohl ältesten bewohnten Teil Tucheims zeigte, früher habe man dazu Kolonie gesagt.

Christine Rockahr kannte sich auch genau aus. Sie wohne in einer Nebenstraße der Ziesarstraße. Allerdings weit entfernt vom gezeigten Bereich. Für sie sei dieser „unten im Dorf“. Zudem konnte sie darauf hinweisen, dass es das Haus mit dem Erker, das auf dem Bild zu sehen ist, heute nicht mehr gibt.

Verbindung zwischen Genthin und dem Brandenburgischen

Die Ziesarstraße ist Teil der Bundesstraße 107 und verbindet Genthin und Brandenburg, denn über die Ortsdurchfahrt geht es direkt nach Ziesar (über Paplitz), das der Straße ihren Namen gibt, und von dort aus über die A2 nach Norden und Osten.

Ein Umstand, den die Tucheimer durch einen beständig fließenden Verkehrsfluss bemerken. Daneben ist die Ziesarstraße so etwas wie die Einkaufsstraße des Ortes. Fleischerei, Bäckerei, Blumenladen, Friseur oder die Hundepflege sind nur einige Läden entlang der sich durch den Ort schlängelnden Straße.

Und neben den vielen kleineren Geschäften, gibt es dort den Konsum, der in diesem Jahr seit ganzen fünf Jahrzehnten besteht. Die Zeiten haben sich zwar verändert und die Konkurrenz durch große Supermärkte hat zugenommen, aber der Konsum in Tucheim gilt immer noch als „letzte Festung“ im Jerichower Land, sagen die Angestellten. Viele Tucheimer zählen auch heute noch zu den Stammkunden des Marktes.

Geschäfte und Gastronomie entlang der Straße

Denn die Möglichkeit, direkt vor Ort einkaufen zu können, ist heute gerade in den Dörfern ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht minder legendär als der Konsum ist auch die Gaststätte „Zum Fiener“. Hier kehren die Tucheimer außerhalb der Corona-Zeit für Familien- und Vereinsfeiern ein, hier tagte in der Vergangenheit der Ortschaftsrat, hier steigen die Karnevalsfeten des SV Traktor Tucheim.

Inhaber Hans-Jürgen Rawolle konnte in diesem Jahr ebenfalls einen runden Jahrestag begehen. Seit 30 Jahren betreibt er die Gaststätte mittlerweile.

Das Haus, in dem sich die Gaststätte befindet, wurde 1847 erbaut. Bereits damals hätten die Betreiber den Willen gehabt, eine Gastronomie mit Zimmervermietung anzusiedeln, das sei schon damals erkennbar gewesen, hatte Rawolle einmal vermutet. Letztlich ist die Ziesarstraße bis heute quasi die Tucheimer Straße. Von hier aus hat sich der Ort entwickelt.