Genthin l „Die Umgestaltung dieser Anlage ist für mich Kulturgutzerstörung“, macht Volksstimme-Leserin Gisela Koehne ihrem Unmut Luft. Die frühere Mitarbeiterin des Rathauses erinnert daran, dass zu DDR-Zeiten die Gestaltung unter gartenarchitektonischen Gesichtspunkten erfolgte. „Ein Gartenbauexperte aus Magdeburg war in den 50er und 60er Jahren in die Herrichtung involviert und hat Hinweise für die Anlage gegeben, die das Wohnen in der Stadt mit einem grünen Bereich aufwerten sollte. „Das ist ein wichtiges Grün in der Stadt“, macht Gisela Koehne deutlich.

Leser wollen Kiosk nicht

Seit zu Beginn der Woche die Planungen für eine Umgestaltung des Grünbereiches an der Bahnhof-/Poststraße im Bau- und Vergabeausschuss auf den Weg gebracht wurden, reißt die Diskussion in der Bevölkerung nicht ab. „Wer kommt bloß auf solche Ideen?“, fragt beispielsweise Brita Richter aus Genthin. „Dieses wunderschöne Stückchen Grün platt zu machen, ist für mich Vandalismus.“ Der ehemalige Kleinbahnhof sei ihrer Meinung nach ein Schandfleck und biete sich geradezu für einen Parkplatz an. Auch Christa Viets aus Genthin fände es schade, wenn die Grünfläche verschwinden würde. „Bitte nicht“, sagt sie.

Allgemein ist festzuhalten, dass die Leser allesamt auf den stark in die Jahre gekommenen Kiosk verzichten können. „Die Grünfläche bleibt, der Kiosk kommt weg und der freie Bereich wird zusätzlich gärtnerisch gestaltet“, bringt Kurt Besser aus Genthin seinen Vorschlag auf den Punkt. Er meint: „Eigentlich wurden doch schon genug Parkplätze gebaut.“ Allerdings seien diese oft als gewerbliche Parkflächen für Firmen umgewidmet worden. „Was also soll der Quatsch mit einem weiteren Parkplatz aus Steuergeldern, der dann irgendwann doch wieder von einem Einzelinteressenten genutzt wird?“, fragt er.

Auch frühere Genthiner wie der Greizer Dieter Meyer beteiligen sich an der Diskussion. „Ich bin seit 35 Jahren nicht mehr vor Ort, aber ich bleibe immer ein Genthiner“, sagt er und findet: „Es ist doch verwunderlich, was da beschlossen werden soll. Dieser Platz war früher eine Müllkippe und wurde dann zu diesem schönen Park.“ Für Meyer wäre die Nutzung des früheren Güterbahnhofs richtig. „Für Pendler ist es der ideale Parkplatz, zum Bahnhof ist es nicht weit durch die Unterführung.“

Dieter Meyer bittet die Verantwortlichen, noch einmal gründlich über die Pläne nachzudenken. „Zerstören Sie nicht die grünen Plätze mitten in der Stadt“, richtet er einen Wunsch an die Stadtoberen. Mit Interesse verfolgt auch Lutz Buchheister aus Genthin die Debatte. „Es gibt zwar einen Beschluss, Parkplätze zu schaffen, aber dafür Grünanlagen zu zerstören, stand nicht im Beschluss“, meint er. „Ich hätte es besser gefunden, grundsätzlich Unland und Ödlandflächen als Parkplätze zu befestigen. Sicherlich ist die Bürokratie mit der Deutschen Bahn oder einer Investmentgesellschaft umständlich und zeitraubend, aber diese Flächen am Güterbahnhof müssen endlich genutzt werden.“

Brachen nutzen

Buchheister erinnert daran, im vergangenen Jahr auf Flächen parallel der Bahn hingewiesen zu haben. „Auch das alte Wehrkreiskommando kann man kaufen, abreißen und die Fläche nutzen.“ Auf die Parkflächen an der Bebelstraße und brachliegende Bereiche am alten Bahngelände weist auch Peter Staats aus Genthin hin. „Ich halte es für falsch, die alten Bäume zu fällen und das Grün in der Innenstadt zu entfernen.“ Seiner Meinung nach, habe es bereits genug Kahlschlag durch den B1-Ausbau gegeben.

„Es gibt zwar Ersatzpflanzungen aber nicht wieder an derselben Stelle, man sollte zumindest das Grün erhalten, das es noch gibt.“ Ebenfalls sehr deutlich äußert sich Ursula Koltz aus Genthin: „Ich finde es empörend, dass man die Grünanlage für Parkplätze opfern will.“ Der Park sei eine kleine Oase in der Stadt. „Dort gehen Leute spazieren und Kinder sammeln im Herbst Kastanien.“ Das Argument der fehlenden Parkplätze möchte die Leserin nicht gelten lassen. „Ich habe noch von keinem Autofahrer gehört, dass er unbedingt an dieser Stelle parken möchte“, sagt sie.

Parkplätze fehlen

Das Parkflächen fehlen, beklagen allerdings insbesondere die Pendler. Isabell Uhlenboom aus Roßdorf etwa nutzt die Bahnverbindung für die Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz nach Magdeburg. „Wenn ich um 6.19 oder 7.19 Uhr fahre, bekomme ich noch einen Parkplatz, manchmal gerade so den Letzten“, erzählt sie. „Wenn ich später fahre, wird es schwierig, dann sind viele Parkplätze dauerhaft von anderen Pendlern belegt.“

Sie erinnert daran, dass die Pendler zwar auswärts Geld verdienen, ihren Verdienst aber in Genthin und der Umgebung ausgeben. „Dadurch werden ortsansässige Händler, Lebensmittelmärkte oder Dienstleister unterstützt.“ Ihrer Meinung nach solle man die Vorschläge abwarten. „Vielleicht gibt es Gestaltungsvorschläge, die grüne Bereiche belassen und trotzdem Parkflächen ermöglichen, etwa durch Rasengittersteine“, schlägt sie vor und gibt zu bedenken: „Wenn die, die jetzt das Auto am Bahnhof stehen lassen, die Strecke zur Arbeit mit dem eigenen Fahrzeug statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, ist es noch umweltschädlicher.“

Vereinzelt Zustimmung

Vereinzelt gibt es auch Zustimmung zur Planung der Stadtverwaltung. „Ich finde die Parkplatzidee gut“, meint beispielsweise Lisa Wieprecht aus Genthin. „In der Innenstadt sind wenig Parkplätze, dann kommt die Idee ganz recht.“ Sie würde den Parkplatz an dieser stelle durchaus nutzen und findet, dass zwar die Aufregung groß sei, aber dass dieser Bereich nur von sehr wenigen genutzt werde. Genthin habe zudem noch eine ganze Reihe von Grünflächen. Das Thema wird weiterhin diskutiert werden. Denn entschieden worden ist seitens des Bauausschusses nur, dass die Verwaltung einen Planer beauftragen wird, Gestaltungsvarianten vorzulegen.

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