Genthin/Parchen l An den Tischen, wo sich bisher Mittagsgäste drängten, sind die Stühle hochgestellt. Sven Deinert, Inhaber des gleichnamigen Landgasthofes in Parchen, hat vor dem Tresen einen großen Tisch längst aufgestellt, auf dem er mit einem Scanner das Bestellsystem für den Außer-Haus-Verkauf abwickelt.

Der Außer-Haus-Verkauf, der den Gastronomen zurzeit noch gestattet ist, laufe zwar gut, könne aber bei weitem nicht die Verluste wettmachen, die aus dem Wegfall des üblichen Tagesgeschäftes resultierten, meint der Koch. Er könne sich damit lediglich über Wasser halten, mehr aber auch nicht. Für die Dauer der Coroana-Krise werde er jedoch daran festhalten. Die Leute seien sehr vorsichtig geworden, das habe er beim Außer-Haus-Verkauf feststellen können. Selbst Familien, die im Ort räumlich nicht weit voneinander lebten, ließen sich separat und getrennt das Essen liefern. Diese Erfahrung nimmt Deinert in die naheliegende Zukunft mit, wenn schrittweise wieder Normalität einziehen sollte. Falls der Gaststättenbetrieb unter Auflagen wieder möglich sein sollte, rechnet Deinert deshalb nicht damit, dass es damit auch einen Gästeansturm geben wird. „Die Krise wird noch lange nachwirken, da bin ich mir sicher“, zeigt sich der Parchener nachdenklich.

Außer-Haus-Verkauf läuft gut

Ihren Optimismus haben Antje Ludwig und Corinna Räbel vom Genthiner „Heideeck“ noch nicht verloren. Trotz Krise und Gaststätten-Schließung bietet ihnen der Außer-Haus-Verkauf dafür durchaus Grund genug. Die Bestellungen außer Haus liefen wirklich gut, berichtet die Chefin des Hauses, auch wenn sie die Umsatzverluste nicht ausgleichen könnten. Das Angebot spreche sich rum, so dass die Nachfrage auch steige. Auf Stammkunden sei Verlass, aber vor allem Ältere machten von dem Außer-Haus-Verkauf zunehmend Gebrauch. „Gerade die wollten wir über Ostern nicht sitzen lassen und haben auch über die Feiertage gekocht“, sagt Antje Ludwig.

In der Krise erleben soziale Netzwerke eine Hochphase. „Unsere Kunden schauen bei Facebook nach den Angeboten und bestellen via Telefon und WhatsApp“, berichtet Uwe Tombrink, Betreiber von Tommis Markt-Imbiss am Marktplatz. Er hat gemeinsam mit seinen Mitarbeitern einen Bestell- und Abholservice eingerichtet. „Wir können auf unsere Stammkunden bauen, die uns auch während der Krise unterstützen.“ Über die sozialen Netzwerke präsentiert Tombrink auch regelmäßig neue Burgerkreationen, damit die Kunden immer wieder neu interessiert werden. „Wir müssen einfach dranbleiben und uns auch jetzt zeigen“, meint er. Das Geschäft sei dennoch merklich eingebrochen. „Es gibt das komplette Terrassengeschäft nicht, das macht viel aus.“ Allerdings zeigt sich der langjährige Imbissbetreiber auch sehr erfreut über das umsichtige Verhalten seiner Kunden. „Unsere Gäste treten einzeln ein, geben Bestellungen auf oder holen ihr Essen ab und halten dabei Abstand, das funktioniert vorbildlich.“

Immer nur eine Person darf eintreten

Ähnlich sieht es auch im Restaurant „Leckerchen“ in der Brandenburger Straße aus. Dort weist ein Schild am Eingang auf das Abstandhalten hin. Immer nur eine Person darf eintreten, um eine Bestellung aufzugeben oder Bestelltes abzuholen. Zusätzlich gibt es durch Aufkleber markierte Bereiche auf dem Boden, entsprechende Abstandshinweise.

„Unsere Kunden sind uns auch während der Krise treu“, sagt Inhaberin Daniela Bertling. Einige kämen sogar mit Bestellungen für Nachbarn und Freunde.

„Wir wollen die lokale Gastronomie unterstützen“, heißt es immer wieder. Auch im „Leckerchen“ fehlen derzeit die Gäste, die für ein Frühstück oder ein Mittagessen einkehren. „Die wenigsten kommen spontan, die meisten sind Stammkunden.“ Deshalb hoffen sowohl Gäste als auch Mitarbeiter, das bald wieder Normalität einkehrt.