Genthin l Mit einem Stethoskop und einem Messgerät ausgerüstet, testeten die Schüler gegenseitig ihren Blutdruck. Ganz klassisch also, denn „obwohl die Geräte die Werte heute automatisch messen, muss man das als Pflegefachkraft beherrschen“, sagte Iris Krause.

Die Pflegedienstleiterin des Genthiner Seniorenzentrums „Georg Stilke“ hatte vor Kurzem Achtklässler der Sekundarschule „am Baumschulenweg“ in Genthin zu Gast, die in den Pflegeberuf hineinschnuppern wollten. Dabei zeigte und erklärte sie ihnen ausführlich die Einrichtung und deren verschiedenen Bereiche.

Interesse war groß

Auch diverse Geräte, die in Pflegeberufen eine wichtige Rolle spielen, wurden vorgeführt und konnten von den Schülern selbst getestet werden. So etwa Rollstühle und Personenlifter. Das Interesse der Sekundarschüler war groß und die Fragen zahlreich. Beispielsweise fragten sie nach einem Schülerpraktikum. Aber auch, ob demente Patienten handgreiflich werden können. Das könne in der Tat passieren, antwortete Iris Krause, wies aber auf Kurse hin, in denen der Umgang in solchen Situationen gelehrt wird.

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Die Chancen für die Schüler stehen indes gut. „Pflegefachkräfte werden fast überall gesucht“, sagte Iris Krause. „Es ist kein Beruf, wo man jemals arbeitslos wird“, fügte sie hinzu und ging auf die alternde Bevölkerung ein. „Wir nehmen bis zu zehn Auszubildende im Jahr auf. Eure Bewerbungen sind also gern gesehen“, lud sie die Schüler ein, machte ihnen aber auch deutlich, dass es kein einfacher Beruf ist: „Man muss auch mit dem Tod umgehen können und sterbende Menschen begleiten.“

Beim Schnuppertag Beruf gefunden

Das fällt auch Erik Schenk nicht leicht. „Mit der Zeit hat man seine Lieblingsomis und -opis. Wenn sie sterben, nimmt einem das ganz schön mit“, sagte der Auszubildende. Wichtig sei es deshalb, Arbeit und Privatleben zu trennen, was natürlich nicht immer gelinge. Auch der 18-jährige Genthiner hat über einen Schnuppertag seinen Weg in den Pflegeberuf gefunden, und zwar beim sogenannten Zukunftstag, der einmal jährlich veranstaltet wird.

„Ich wusste vorher schon, dass ich einen Beruf ausüben möchte, bei dem man mit Menschen zu tun hat. Der Zukunftstag hat mir dann Gewissheit gegeben“, sagte Erik Schenk. Ihm habe ein solcher Tag also auf jeden Fall etwas gebracht. Das sehen auch die Schüler so. „Es war sehr interessant, das alles kennenzulernen“, sagte beispielsweise Angelique Blum, die sich durchaus vorstellen könne, später im Pflegebereich zu arbeiten.

Mehrere Ausbildungen

Auf neue Berufsideen sollten auch Jugendliche gebracht werden, die die Firma BBE-Fenstertechnik im Industriegebiet Nord besuchten. Die Firma ist einer der führenden Hersteller von Kunststofffenstern, Rollläden und Haustüren in Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Spannend war für die Jugendlichen, dass Industriekaufleute und Verfahrensmechaniker ausgebildet werden. „Beides sind duale Ausbildungen in Betrieb und Schule“, erklärte die Ausbildungsverantwortliche Candy Wagener. Man müsse allerdings einen Realschulabschluss mitbringen, fügte die Auszubildende Annalena Elling hinzu.

„Gute Mathe-, Technik- und auch Englischkenntnisse sind wichtig.“ Aufmerksam verfolgten die Schüler, dass man während der Ausbildung zum Verfahrenstechniker im Blockunterricht in Quedlinburg untergebracht ist. „Ich finde es interessant, dass man unterwegs ist“, meinte ein Schüler.

Führung durch Fertigungshallen

Die Gruppe wurde nach einer Präsentation, die die Berufsausbildung zeigte, durch die Fertigungshallen geführt. Seit dem vergangenen Jahr gibt es eine neue Halle, die dem Sonderbau vorbehalten ist. Dort werden Fenster und Türen angefertigt, die sich außerhalb der Standards bewegen, beispielsweise Schrägfenster oder Schiebetüren.

Der Besuchstag war das Ergebnis einer Kooperation der Unternehmen mit der Sekundarschule und dem Jugendhaus Thomas Morus. Auch den Schaltanlagenhersteller Krömer besuchten die Schüler. Dort werden seit einigen Jahren Elektroniker für Betriebstechnik und technische Systemplaner ausgebildet. Das Morushaus präsentierte sich auch selbst mit den Erzieherberufen.

„Wir versuchen, die jungen Leute auf Firmen und Berufe aufmerksam zu machen, die es unmittelbar am Wohnort gibt“, begründet Streetworkerin Petra Schiele. „Ausbildung muss nicht weit entfernt von der Heimat stattfinden, es gibt viele sehr gute Angebote auch vor der Haustür.“