Genthin l Die Ruhe auf dem Genthiner Friedhof ist trügerisch. Diebstähle von Schnittblumen und Verwüstungen der Grabbepflanzungen sind längst keine Ausnahmeerscheinungen mehr, werden aber nur selten zur Anzeige gebracht.

Diebstahl und Verschmutzung

Der Unfug, der auf dem Genthiner Friedhof getrieben wird, weist mittlerweile viele Facetten auf. Dass eines Morgens auf einem der Hauptwege wahllos zerstreute Grabgestecke in großen Mengen lagen, sorgte bei Friedhofsbesuchern ebenso für Erschrecken wie der Diebstahl von LED-Leuchten aus Grableuchten. Grabsteine und Grabplatten wurden vorsätzlich verschmutzt durch ausgekipptes Wachs von Grablampen.

Den traurigen Höhepunkt erreichte die blinde Zerstörungswut vor einigen Tagen, als sich Unbekannte an drei Kindergräbern zu schaffen machten und vermutlich in einer nächtlichen Aktion Keramik-Engel zerschlugen. Zurück blieben Scherben, die sie auf das Umfeld verteilten.

Nicht jeder Fall wird angezeigt

Die Angehörigen haben den Vorfall in der Hoffnung, dass die Schuldigen ausfindig gemacht werden, zur Anzeige gebracht. „Störung der Totenruhe“, sagt Polizeisprecher Falko Grabowski, sei allerdings ein Straftatsbestand, der nur hin und wieder der Polizei gemeldet werde. Spektakulär sei die Gesamtzahl der Verfahren in der Statistik nicht. Sie bewege sich im mittleren ein- bis zweistelligen Bereich. Eine steigende Tendenz sei dabei nicht zu verzeichnen. Was allerdings nichts über die subjektive Betroffenheit in jedem einzelnen Fall aussage. „Wir gehen davon aus, dass nicht jeder festgestellte Fall auch zur Anzeige gebracht wird“, sagt der Pressesprecher der Polizei.

Mit den Zerstörungen an den Kindergräbern, sagt Peter Knobel, Sachgebietsleiter Immobilienwirtschaft, sei in Genthin eine neue Qualität erreicht worden. So etwas habe es bisher noch nicht gegeben.

Schließung in den Nachtstunden

Die Stadt hat dem allerdings wenig entgegenzusetzen. Diebstähle und Zerstörungen seien inzwischen leider gängige Praxis und häuften sich, so die Erfahrungen der Stadt, vor allem in der dunklen Jahreszeit, meint Peter Knobel. In der Stadt denke man deshalb mittlerweile darüber nach, den Friedhof nach den jüngsten Vorfällen über die Abend- und Nachtstunden zu schließen. Das bedürfe aber einer Änderung der Friedhofssatzung. Ohnehin sei die praktische Umsetzung einer solchen Schließzeit schwierig, erteilt Peter Knobel allzu großen Erwartungen auf eine kurzfristige Umsetzung eine Abfuhr.