Genthin l Am 17. September, wenn die etwa 70 Mitglieder des Tourismusvereins Genthin, Jerichow und Elbe-Parey zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung zusammenkommen, wird es spannend. Es geht nicht darum, wie es bis 2016 noch beim Fremdenverkehrsverein üblich war, touristische Aktivitäten in der Region zu bilanzieren.

Antrag bei Vorsitzenden gestellt

Scheinbar nebensächliche Formalien sind von Interesse. Eine kleine Gruppe um Peter Jelitte und Sebastian Haas, zu der auch der ehemalige Genthiner Bürgermeister Wolfgang  Bernicke als langjähriger Vorsitzender und letzter Geschäftsführer des Genthiner Fremdenverkehrsvereins gehört, haben beim 1. Vorsitzenden des Tourismusvereins einen Antrag gestellt, bestimmte Tagesordnungspunkte in die Mitgliederversammlung aufzunehmen, die auf den Nägeln brennen. 

Zum einen geht es in dem Vorstoß darum, dass QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz über die Gesellschaft Bericht erstattet, zum anderen soll sich ein Tagesordnungspunkt mit der Satzung des Tourismusvereins beschäftigen. Sowohl der Tourismusverein als auch die vereinseigene Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft sind seit Wochen Thema in Genthin. Der Vorwurf steht im Raum, dass sich der Tourismusverein als Alleingesellschafter der QSG hauptsächlich unternehmerischen Angelegenheiten widmet. Andererseits bleibt er bei Fragen, die seinen Vereinszweck betreffen, wie dem Bestand der Elbfähre Ferchland-Grieben, völlig außen vor.

Risse im Verein

Risse gehen durch den geschäftsführenden Vorstand und den Gesamtvorstand des Tourismusvereins. Differenzen zwischen Nicole Golz und Harald Bothe auf der einen und Genthins Bürgermeister Matthias Günther auf der anderen Seite legen die inhaltliche Arbeit weitgehend lahm. Peter Jelitte und seine Mitstreiter sehen deshalb aktuell durchaus die Gefahr, dass die Führungsspitze des Tourismusvereins nicht mehr handlungsfähig ist. Sie werben dafür, zukünftig den geschäftsführenden Vorstand so umzubauen, dass er aus der Mitgliederversammlung heraus bestimmt wird. An der Spitze des Vereins stehen gegenwärtig automatisch auf Zeit gewählte Bürgermeister.

Bernicke plädiert dabei für  eine Rückbesinnung des Tourismusvereins auf seine eigentliche Aufgabe, die Tourismusförderung in der Region. Er bringt das auf die schlichte Formel: Der Verein müsse wissen, was er will. Das betreffe insbesondere seine Rolle als Alleingesellschafter der QSG. Peter Jelitte sieht deshalb QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz in der Pflicht, bei der bevorstehenden Mitgliederversammlung umfänglich die Situation des Unternehmens darzustellen und sich den Fragen der Mitgliederversammlung zu stellen. Wie die Zukunft der QSG aussehen könnte, dazu wollte sich die Gruppe um Jelitte nicht festlegen. Bernicke lässt alles offen: Es kann doch sein, Lars Bonitz macht als Geschäftsführer alles richtig, und die QSG kann für den Tourismusverein durchaus sinnvoll tätig sein .

Nicht genügend Auskünfte

Jelitte wie auch Haas monierten, dass der geschäftsführende Vorstand bisher nur unbefriedigend Auskünfte zur wirtschaftlichen Situation und den Aktivitäten der QSG erteilt hat. Aus seiner Sicht sei es sehr überraschend gewesen, dass Stadtrat Falk Heidel (Fraktionschef WG Genthin-Mützel-Parchen) sich im Volksstimme-Beitrag zu Beschäftigtenzahlen und zur wirtschaftlichen Situation äußerte, die Vereinsmitgliedern selbst auf Nachfrage nicht zugänglich gemacht wurden. Es liege nahe, dass Heidel diese Informationen direkt aus der QSG bezogen habe.

Für den Fall, dass der geschäftsführende Vorstand dem Antrag, die geforderten Tagesordnungspunkte „Änderung Satzung“ und „Berichterstattung QSG“ aufzunehmen, nicht zustimmt, erwägt die Gruppe um Jelitte, eine außerordentliche Mitgliederversammlung auf den Weg zu bringen. Dafür müssten sich laut Satzung des Vereins ein Drittel der Mitglieder, das sind mindestens 22 Mitglieder, mit einer Unterschrift dazu bekennen. Zugespitzt hatte sich die ohnehin holprige Zusammenarbeit der Bürgermeister im geschäftsführenden Vorstand, seitdem die Klagen des Genthiner Bürgermeisters und des Genthiner Stadtrates in der Welt sind.

Gegenstand der Klagen sind die Rechtmäßigkeit der Mitgliederversammlung vom 18. November 2019 und eine Reihe von unternehmerischen Entscheidungen des Vorstandes, in die Genthins Bürgermeister nicht eingebunden gewesen sein soll. Von einem schwierigen Verhältnis  sprach auch Jerichows Bürgermeister Harald Bothe in einem Gespräch mit der Volksstimme, das unabhängig von der bevorstehenden Mitgliederversammlung geführt wurde. Harald Bothe sagte: „Ich war und bin immer gesprächsbereit, aber mit einer Klage ist auch bei mir Schluss damit.“

Harald Bothe hatte sich in dem Gespräch auch für eine Trennung zwischen QSG und Tourismusverein ausgesprochen. Er verwies darauf, dass es dafür einen Beschluss gebe. Haas, Jelitte und Bernicke hoffen auf eine Entscheidung der Mitgliederversammlung, auch im Ergebnis der Berichterstattung des Geschäftsführers. Sie betonten dazu, dass diese Entscheidung nicht vom Stadtrat der Stadt Genthin oder den Gemeinderäten Elbe-Parey und Jerichow zu fällen ist, sondern ureigenste Angelegenheit des Vereins sei.