Genthin l Still und lautlos ging der Eigentümerwechsel für die Genthiner Öffentlichkeit vonstatten. Ein letztes Lebenszeichen gab der Alteigentümer, die Investment- und Immobilienfirma Main Asset Management aus Hessen, vor anderthalb Jahren, als sie auf der Suche nach einem Käufer für das Gebäude war. Ein kleiner, schäbiger Zettel, ausgehangen am Bahnhof, ließ dies jeden Fahrgast wissen.

Als Besitzer zahlreicher Bahnhöfe hatte die Immobilienfirma anfangs angekündigt, in Genthin vorerst ganz kleine Schritte zu unternehmen. Sie blieb auch bei dieser Strategie. Ein sichtbarer Entwicklungsschub blieb aus. Mit großen Versprechungen hält sich allerdings auch der neue Eigentümer, die Aedificia mbh, ein bundesweites Vertriebs-, Beratungs- und Projektanentwicklungsunternehmen im Sonderimmobilienbereich, zurück.

Konzept für Nutzung

Ein Konzept für die Nutzung des Genthiner Bahnhofsgebäudes zu entwickeln, ginge nicht im Schnellschuss und bedürfe zunächst einer langfristigen Aedificia. „Genthin ist nun mal nicht Magdeburg“, sagt Hilmar Ganzert, Leiter Konzeption und Vermarktung der Aedificia mbH. „Wir wollen den Genthiner Bahnhof entwickeln, müssen dafür aber die Standortbedingungen genau prüfen.“ Dass in das Bahnhofsgebäude Spielotheken, Imbisse oder Dönerstuben einziehen werden, schließt Hilmar Ganzert grundsätzlich aus. Zunächst setzt er auf die langfristige Vermietung der beiden Wohnungen im Gebäude. „Wir sind dabei, eine dritte Wohnung herzurichten“, so Ganzert. Vorstellbar wäre für ihn, in der Immobilie Einzelhandel zu etablieren, etwa einen Bäcker oder für Waren des Reisebedarfs wie Zeitungen und Zeitschriften.

Die Aedificia mbh hält bundesweit bisher 36 Bahnhöfe. Vorzeige-Bahnhof in Sachsen-Anhalt ist für das Unternehmen bisher der Bernburger Bahnhof, dessen Eigentümer und Betreiber er ist.

Vorbild in Bernburg

Dort gab es allerdings günstige Ausgangsbedingungen. So wurde dort über das Bahnhofsprogramm Sachsen-Anhalt 2012 in die Revitalisierung und Modernisierung des Empfangsgebäudes investiert. Unter dem Dach des Bahnhofes befinden sich mittlerweile die DB-Reisezentrale, die Geschäftsstelle des Naturparkes Untere Saale, ein Bistro und ein Pizza-Dienst.

Hilmar Ganzert hält einen Vergleich der Bahnhöfe Bernburg und Genthin durchaus für angebracht, auch wenn Genthin nur etwa die Hälfte der Einwohnerzahl Bernburgs aufweisen kann. In Bernburg konnte über Jahre Stück für Stück verlässlich saniert werden. Ganzert kann sich vorstellen, dass dies perspektivisch auch in Genthin möglich sei. Die Nutzungsmöglichkeiten, davon ist er überzeugt, seien sehr vielfältig. So habe die Aedificia mbh beispielsweise Räumlichkeiten des Bahnhofs in Coswig (Dresden) an einen Pflegedienst vermietet. „Wir werden sehen, was in Genthin möglich ist und werden uns auf die Suche nach Partnern begeben“, sagte Ganzert.

Großer Sanierungsstau

Der bisherige Eigentümer des Genthiner Bahnhofsgebäudes, die Investment- und Immobilienfirma Main Asset Management aus Hessen, agierte eher glücklos. Ein Sanierungsstau ist mittlerweile am Objekt nicht zu übersehen.

Dennoch sind zwei Wohnungen mit charmantem Blick auf die Innenstadt Genthins entstanden. Ein Taekwondo-Studio hatte im unteren Bereich vorübergehend ein Domizil gefunden, jetzt stehen die Räume leer. Ein Bistro erwies sich bereits nach nur kurzer Zeit als Flop, nur ein Werbeschild erinnert noch daran. Nur ein kurzes Intermezzo gab ein Geschäft, das arabischen Lebensmittel führte.