Genthin l Hunderte Fahrzeuge schlängeln sich täglich aus Genthin kommend über Roßdorf und Brettin in Richtung Altenplathow. Straßenbauarbeiten entlang der innerörtlichen B 107 lassen Verkehrsteilnehmern keine andere Wahl. Auch in den nächsten Wochen wird sich nichts daran ändern. Das weiß auch Schwester Jaqueline Beyer, stellvertretende Pflegedienstleiterin der DRK-Sozialstation in Genthin, wenn sie die Dienstpläne für die Mitarbeiter der Altenplathow-Route zusammenstellt.

Täglich, rund um die Uhr, warten Pflegebedürftige, darunter kranke oder behinderte Menschen, auf die Mitarbeiter der Station, um betreut zu werden. Die mehrwöchigen Bauarbeiten und die damit verbundenen Umleitungen werden deshalb zu einem täglichen Stresstest für die Mitarbeiterinnen im Wettlauf mit der Zeit.

Dienstplanung wird schwierig

In der Regel, rechnet die stellvertretende Pflegedienstleiterin vor, kann eine sieben-bis achtminütige Fahrzeit mit dem Pkw veranschlagt werden, bis die Mitarbeiter der DRK-Sozialstation vor Ort sein können. Mit der Umleitung über Roßdorf/Brettin verlängert sich die Fahrzeit auf mindestens 22 bis 25 Minuten. Selbst diese Zeit kann Beyer bei einer Planung nicht als Regelfall ansehen. Sind landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs oder es ereignet sich auf der Strecke ein Unfall, verlängert sich der Anfahrts- bzw. der Rückweg locker auf 45 Minuten. Jaqueline Beyer kennt die Sorgen der Pflegekräfte, die jeden Tag die Strecke passieren müssen, nur zu gut: Großen Lkw muss ausgewichen werden, insbesondere in Brettin gibt es Schwierigkeiten mit dem entgegenkommenden Verkehr, der durch kurvenreiche und beengte Abschnitte bedingt ist. Das Fahren in größeren Schlangen ist an der Tagesordnung.

Dass die Straßenbaumaßnahme für den DRK-Pflegedienst problematisch werden könnte, zeichnete sich bereits in der öffentlichen Informationsveranstaltung vor Monaten ab, als DRK-Vorstand und Genthiner Stadtrat Andy Martius gesonderte Regelungen für Fahrzeuge des Pflegedienstes hinterfragte und keine zufriedenstellende Antwort von der Straßenbaubehörde bekam. Derzeit dürfen allein die Feuerwehr und der Notarzt die Baustelle entlang der Jerichower Straße passieren.

„Natürlich wollen wir alle intakte Straßen, deshalb müssen wir die Situation so hinnehmen, wie sie ist“, hadert Jaqueline Beyer nicht. Trotzdem gelte prinzipiell, dass auch in Anbetracht des wirtschaftlichen Mehraufwandes, der momentan erbracht werde, die Sozialstation keine Abstriche an ihren Leistungen vornehmen werde. „Es wird alles abgearbeitet“, sagt die stellvertretende Pflegedienstleiterin.

Ältere Kunden reagieren oft gereizt

Zur Zeit, schätzt Frank Ruth, Vorstand des DRK-Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land, ein, sei diese Situation für die Mitarbeiter der Sozialstation gerade noch leistbar. Bisher würden, so Ruth, immer noch der größte Teil der Altenplathower, die die Leistungen der DRK-Sozialstation in Anspruch nehmen, verständnisvoll auf Wartezeiten reagieren. Obwohl gerade ältere Kunden leicht gereizt und nervös auf zeitliche Verschiebungen reagieren.

Wenig Spielraum

Spielräume, die Altenplathower Touren untereinander zu staffeln, um so möglicherweise die Situation zu entschärfen, hat die stellvertretenden Pflegedienstleiterin bei der Dienstplanung nicht. „Ich kann die Einsatz nicht deckeln“, sagt sie. Wenn einem Diabetiker drei Mal am Tag Insulin gespritzt werden müsse, sei der Pflegedienst an ganz konkrete Zeiten gebunden und könne nicht dreimal hintereinander spritzen.

Anders sei das vielleicht bei Altenplathowern, die eine Grundpflege in Anspruch nehmen, hier gebe von Fall zu Fall allerdings nur kleine Freiräume für zeitliche Verschiebungen. Zudem, ergänzt Jaqueline Beyer, werden die Touren durch Mitarbeiter mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen besetzt, die zwangsläufig auch unterschiedlich Leistungen zu erbringen haben. „Nicht jeder Mitarbeiter ist für alles zuständig, was wiederum einer besonderen Koordinierung der Touren bedarf.“ Dass zusätzliche Kilometer geschrubbt werden, bleibt unausweichlich.

DRK-Vorstand Frank Ruth sieht auch für die kommenden Wochen noch keinen Grund zur Entwarnung. Für den nächsten Bauabschnitt bis zum Knotenpunkt Wasserturm, von dem auch wieder die Verbindung nach Altenplathow betroffen ist, würden dem DRK noch keine verbindlichen Aussagen der zuständigen Behörden zur Verkehrsführung vorliegen. Bisherigen Informationen der Stadt Genthin zufolge, sollen die Kreuzung und die Brücke dann allerdings wieder halbseitig befahrbar sein.