Wirtschaftsförderung

Verschläft Genthin die Chancen für die Entwicklung seiner Wirtschaft?

Von Simone Pötschke

Genthin. Kleinere Rückfragen zum Technologie- und Gründerzentrum (TGZ), keine größeren Konflikte: Schnell und zügig signalisierte der Wirtschafts- und Umweltausschuss bei seiner jüngsten Sitzung TGZ-Geschäftsführerin Elisa Heinke, dass aus seiner Sicht einem Abschluss des obligaten Wirtschaftsförderungsvertrags für das laufende Jahr nichts entgegenstünde.

Erst als Alexander Otto (CDU) die Geschäftsführerin befragte, wie viele Investoren im vergangenen Jahr mit dem Willen, sich in Genthin anzusiedeln, an die Tür des TGZ angeklopft haben, kam inhaltlich Schwung in die Sache. Denn allzu Schmeichelhaftes hatte Heinke den Stadträten nicht vorzutragen.

Nachfrage von zwei Investoren

Sie deutete an, dass es lediglich zwei Nachfragen von Investoren im vergangenen Jahr beim TGZ gegeben habe. Die letzte Neuansiedlung, es handelte sich um die Firma Thurn im Chemiepark, liegt mittlerweile zwei Jahre zurück. Vor drei Jahren platzte die Ansiedlung des Düngemittelherstellers Seraplant am Widerstand des Stadtrates. Seitdem hat sich nicht viel bewegt.

Bei der Rückfrage von Alexander Otto, warum die Anfragen so mager ausfallen, reagierte Elisa Heinke zögerlich. Offensichtlich in dem Bemühen, den Wirtschaftsstandort Genthin durch ein undifferenziertes Urteil nicht kleinreden zu wollen. Einerseits, vollzog sie so einen Spagat, gebe es in Genthin mit dem Chemiepark sehr starke wirtschaftliche Strukturen.

Andererseits könne Genthin in der Fläche für größere Unternehmensansiedlungen derzeit nicht viel bieten. Heinke schenkte den Ausschussmitgliedern noch mehr reinen Wein ein. Die Ausschussmitglieder müssten, was die Nachfrage an neuen Wirtschaftsansiedlungen betreffe, auch in Betracht ziehen, dass Genthin mittlerweile ein Image-Problem habe. „Sorry, man hört so allerhand, und das spricht sich auch rum“, sagte sie. Heinke vermied, näher darauf einzugehen, welcher Art das Genthiner Image-Problem sei.

Problem wird noch nicht erkannt

Die Alarmglocken schrillten bei den Ausschussmitgliedern quer durch alle Fraktionen allerdings nicht an dieser Stelle. Stattdessen setzte für einen kurzen Moment betretenes Schweigen ein. „Ich habe mich auch gewundert, dass niemand aus unseren Reihen darauf angesprungen ist“, sagt auch Alexander Otto rückblickend. Für ihn hätten die Antworten der Geschäftsführerin aufgezeigt, dass „Genthin in einigen fundamentalen, zukunftsweisenden Fragestellungen schläft“.

Wenn die Verfügbarkeit von Flächen ein großes Problem sei, dem Neuansiedlungen im Wege stünden, dann müssten genau an dieser Stelle Lösungen gesucht werden. Wenn Genthin etwas habe, dann sei das Fläche, meinte Otto. Um aus der Klemme zu kommen, sei aus seiner Sicht „nur politischer Wille und Motivation zum Handeln erforderlich“.

Neue Ideen für Bauland

Das gilt für Otto auch, wenn die Rede auf Bauland kommt, für das es offensichtlich eine Nachfrage in Genthin gibt, die derzeit nicht ausreichend bedient wird. Das Thema kam allerdings erst unter dem Tagesordnungspunkt Anfragen und Anregungen zur Sprache. Genthin habe für beide Bereiche, wirtschaftliche Neuansiedlungen und Bereitstellung von Bauland, eine „spürbare Nachfrage, aber keine adäquaten Angebote“, monierte Otto.

Derzeit gibt es allerdings einen Vorstoß von Gerd Mangelsdorf (CDU) und Lutz Nitz (Grüne), über großflächige Rückbauflächen in Genthin einen B-Plan zu legen, um so Bauwilligen in Genthin Bauland anbieten zu können. Das kam allerdings im Wirtschafts- und Umweltausschuss nicht zur Sprache.